Hamburg  Zwischen Raketenabwehr und Schabbatruhe: Darum ist El Al weltweit einzigartig

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 01.12.2023 16:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hält auch nach dem 7. Oktober den Flugbetrieb von und nach Israel aufrecht, während andere Airlines pausieren: Die israelische Fluggesellschaft El Al. Foto: Imago Images/Die Bildmanufaktur
Hält auch nach dem 7. Oktober den Flugbetrieb von und nach Israel aufrecht, während andere Airlines pausieren: Die israelische Fluggesellschaft El Al. Foto: Imago Images/Die Bildmanufaktur
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Seit 75 Jahren gibt es die israelische Fluggesellschaft El Al. Während viele westliche Airlines derzeit nicht nach Israel fliegen, hält sie den Betrieb nach Europa und die USA aufrecht. Ihre Sicherheitsvorkehrungen und religiösen Gebote sind legendär.

Diese Airline hat alles, was zu einer guten Netflixserie dazugehört. Eigentlich erstaunlich, dass es noch keine gibt: Bewaffnete Sky Marshalls an Bord, ein Raketenabwehrsystem und Sicherheitsvorkehrungen am Boden, die ihresgleichen suchen. Doch es ist keine Actionserie, in der die israelische El Al seit 1948 fliegt, sondern bittere Realität.

Keine Airline ist gefährdeter als El Al, zahlreiche Attentate gab es im Laufe ihrer 75-jährigen Geschichte. Seit 1968 ist trotz mehrerer Versuche keine El Al-Maschine mehr entführt worden. Das liegt auch an den beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen, die El Al sowohl am Boden als auch in der Luft durchführt.

In Deutschland sichern Radpanzer der Bundespolizei die am Gate stehenden Maschinen und begleiten sie bis zum Runway. Experten der Airline selbst befragen die Fluggäste vor dem Start und nach der Landung in Israel erneut. Sie wollen wissen, wo man hinwill, aus welchem Anlass und wer die Koffer gepackt hat. Auch deshalb müssen Passagiere für El Al-Flüge mindestens drei Stunden vor dem Abflug einchecken.

Als einzige Fluggesellschaft der Welt unterzieht die israelische Airline auch das Gepäck einer besonderen Prozedur: In speziell entwickelten Dekompressionskammern, die die unterschiedlichen Druckverhältnisse an Bord simulieren, sollen etwaige in Koffern gelagerten Sprengsätze zur Detonation gebracht werden.

An Bord behalten strategisch platzierte Sicherheitsbeamte in Zivil den Überblick und greifen ein, wenn etwas passiert. Der Kabinenboden zum Frachtraum ist verstärkt, die Türen zum Cockpit speziell gesichert. Geflogen werden die Maschinen zumeist von ehemaligen Kampfpiloten der Israelischen Streitkräfte. Im Fall eines Raketenbeschusses vom Boden können die Piloten mit dem extra entwickelten Raketenabwehrsystem Täuschkörper freisetzen, die die Raketen ablenken. Ob alle Maschinen der El Al mit dem aufwendigen System ausgerüstet ist, darüber gibt es keine verlässlichen Angaben.

Tatsächlich kosten die massiven Sicherheitsmaßnahmen die Airline extrem viel Geld. Das und die Tatsache, dass El Al aus Rücksichtnahme auf die orthodoxen Juden seit 1982 nicht mehr am Schabbat fliegt, bringt der Fluggesellschaft erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Airlines ein. Schon oft in ihrer Geschichte geriet sie deshalb in schwere Finanznöte. Ab Sonnenuntergang am Freitagabend bis zum Sonnenuntergang am Samstagabend bleiben El Al-Maschinen am Boden.

In Schwierigkeiten kommt die Airline immer dann, wenn Flüge verspätet starten und es nicht mehr gesichert ist, vor Beginn der Schabbatruhe in Israel zu landen. Dann werden teure Zwischenlandungen fällig: Orthodoxen Passagieren müssen Hotelzimmer organisiert und die weniger streng Gläubigen mit anderen Airlines weitergeflogen werden. Nur am 13. Oktober durfte die Airline – offiziell genehmigt – eine Ausnahme machen: Da flog sie trotz Schabbat israelische Reservisten aus New York und Bangkok nach Tel Aviv, die sich im Zuge des Angriffes der Hamas zum Dienst melden mussten. Denn um Leben zu retten, darf die Schabbatruhe gebrochen werden.

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