Kolumne „Für die Ehre“ Unter der kuschligen Wolldecke
Manchmal wird einem alles zu viel. Dann brauchen wir einen sicheren Rückzugsort, einen „Safe Place“. Ein solcher kann auch die Feuerwehr oder eine andere Organisation sein, findet unser Kolumnist.
Kennst du es auch, wenn sich die innere Welt rechtsherum und die äußere Welt linksherum dreht? Wenn einem alles um einem herum gerade mal auf den Senkel geht? Wenn man mitbekommt, was in der Welt so los ist und wenn man die Veränderung der Menschen erlebt, dann braucht man manchmal eine Wolldecke, unter der man sich verstecken kann.
Zur Person
Manuel Goldenstein, geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.
Verändern wird die Wolldecke langfristig nichts. Manchem wird vielleicht sogar allein unter der Decke bange. Aber was soll man sonst tun?! All zu oft höre ich: „Wir können eh nichts ändern.“ Aber das stimmt nicht. Wir können vieles ändern! Meinen „Save Place“ habe ich bei meiner Feuerwehr, wie auch Tausende anderer Menschen, die sich dort oder in anderen Hilfsorganisationen freiwillig engagieren. Ich fühle mich in der Regel gut aufgehoben und sicher bei den Menschen, mit denen ich ehrenvoll in den Einsatz ausrücke. Es sind Menschen, die – wie ich auch –, anderen Menschen helfen wollen und diesen ihre Zeit geben. Wir lassen fremde Menschen Sicherheit spüren, wenn nicht sogar gelegentlich Geborgenheit.
Gefühle, die wir in der heutigen Zeit gut gebrauchen können. In meiner Mannschaft, die auch „Frauschaft“ ist, kann ich mich gut fühlen. Jeder Mensch wird akzeptiert, wie er ist, und bekommt, wenn er es benötigt, auch Unterstützung außerhalb der Feuerwehr. Ob wir gemeinsam in den Einsatz fahren, Übungsdienste abhalten oder einfach nur miteinander sprechen, die Gemeinschaft sorgt für Ausgeglichenheit. Wer sich hier allerdings querstellt, muss damit rechnen, dass er es gesagt bekommt. Offen und unverblümt – denn nur so weiß jeder, was gemeint ist und das Miteinander kann funktionieren.
Der „Safe Place“ tut somit auch mal weh, doch er sorgt damit für das sichere Gefühl, welches wir einsam unter einer Wolldecke nicht erhalten. Wer denkt schon daran, dass die Stelle, die andern Menschen helfen soll, auch für die Helfer ein Ort ist, der ihnen das gibt, was jeder Mensch sich wünscht und braucht.
Kontakt: kolumne@zgo.de