Finanzen  Die fetten Jahre in der Krummhörn sind vorbei

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 01.12.2023 15:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Gemeinde Krummhörn muss an ihre Rücklagen heran. Die Ausgaben übersteigen in den kommenden zwei Jahren die Einnahmen deutlich.
Die Gemeinde Krummhörn muss an ihre Rücklagen heran. Die Ausgaben übersteigen in den kommenden zwei Jahren die Einnahmen deutlich.
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Der Doppelhaushalt 2024/2025 für die Gemeinde Krummhörn wurde vorgestellt. Die Schulden werden sich in den nächsten zwei Jahren mehr als verdoppeln.

Krummhörn - Aus Hinte kennt man es, die Krummhörn blieb davon bisher eher verschont: eine schlechte Finanzlage. Doch das ändert sich jetzt. Der neue Doppelhaushalt zeigt vor allem viel Minus – und eine Verdopplung der Schuldenlast.

Schaut man nur auf 2022 und auf dieses Jahr, dann könnte man noch meinen, dass in der Krummhörn alles in Ordnung ist: 2022 wird voraussichtlich mit einem Plus von rund 561.000 Euro abschließen. Auch für dieses Jahr ist die Verwaltung positiv gestimmt, die Schwarze Null oder vielleicht sogar einen Überschuss herauszubekommen. „In diesem Jahr gab es auch keine Neuverschuldung“, so Kämmerin Heike Klaassen im Finanzausschuss der Gemeinde am Donnerstag.

Was steht der Gemeinde bevor?

Doch die Zeiten ändern sich. „Der Haushalt ist defizitär“, so die Kämmerin. Daran lasse sich, sofern die Politik nicht Kürzungen beschließt oder an der Einnahmeseite schraubt, auch nichts ändern. Aktuell sieht es so aus: Für 2024 rechnet die Gemeinde mit einem Minus von rund 4,3 Millionen Euro, für das Jahr 2025 mit einem Minus von rund 5,2 Millionen Euro.

Das ist der Ergebnishaushalt, also quasi das „Girokonto“ der Gemeinde. Es gibt aber auch noch den Haushalt für Investitionen – und hier stehen die nächsten großen, roten Zahlen ins Haus. Denn: Die Gemeinde Krummhörn plant die Aufnahme weiterer Kredite. 2024 will sich die Verwaltung rund 9,48 Millionen Euro von Banken pumpen, in 2025 13,5 Millionen – und in 2026 nochmal rund 4,7 Millionen Euro. „Wir rechnen Ende 2025 mit Gesamtschulden von 38,2 Millionen Euro“, so Klaassen. Stand jetzt: 17,1 Millionen Euro.

Was treibt die Ausgaben nach oben?

Größter Ausgabeposten im Ergebnishaushalt: die Personalkosten für die 196 Mitarbeiter. Diese werden um rund 2,5 Millionen Euro auf insgesamt 10 Millionen Euro erhöht. Auch Neueinstellungen führen zur Steigerung, vor allem seien es aber tarifliche Erhöhungen und ähnliche steigende Kosten. Eine steigende Abgabe an die Kreisumlage, ein Mehr von 700.000 Euro für Energiekosten, 110.000 Euro mehr Zuschüsse an die Kindergärten und 2,3 Millionen Euro statt 1,9 Millionen Euro Abgaben an die Touristik GmbH sowie weitere steigende Ausgaben bestimmen die Ausgabenseite.

Fünf Millionen mehr an Ausgaben berechnet die Verwaltung für 2024, noch etwas mehr für 2025, im Vergleich zum Ansatz für dieses Jahr. In Zahlen: Für dieses Jahr rechnet die Gemeinde mit Ausgaben in Höhe von 27,34 Millionen Euro – für das kommende Jahr mit 33,37 Millionen Euro.

Wie werden die Ausgaben ausgeglichen?

Die Einnahmenseite bleibt hinter den Ausgaben zurück – um 9,5 Millionen Euro bis Ende 2025. Ein Haushaltssicherungskonzept braucht die Krummhörn aber nicht, denn das Defizit kann mit den Rücklagen ausgeglichen werden. Davon hat die Gemeinde noch knapp 10 Millionen. Noch.

Konkrete weitere Sparmaßnahmen gab es seitens der Politik im Ausschuss kaum. Nur der geplante Klimamanager wurde vor allem von der CDU infrage gestellt. „Zu den Kosten der Stelle hieß es im Juni dieses Jahres, dass pro Jahr und Managerstelle 75.000 Euro anfallen, von denen die Gemeinde in den ersten zwei Jahren 30 Prozent selbst zahlen müsse. Danach laufe ein entsprechendes Förderprogramm aus. Weitere „Einsparpotenziale“, von denen die SWK sprach, lagen weder als Antrag zum Haushalt vor, noch wurden diese genauer erläutert.

Wofür die Kreditaufnahmen?

Die Gemeinde plant für das kommende Jahr mit Investitionen von 11,19 Millionen Euro, in 2025 sollen nochmal 14,93 Millionen Euro investiert werden. Dafür werden nicht die Rücklagen herangezogen, sondern die Gemeinde wird sich weiter verschulden müssen.

Schwerpunkte bilden hierbei in den kommenden zwei Jahren: Bau des neuen Feuerwehrhauses Nord (2,7 Millionen Euro), Umstrukturierung der Grundschulen und Kitas (9,2 Millionen Euro), Ausbau des Katastrophenschutzes und der Krisenprävention (180.000 Euro), Bau von Wirtschaftswegen (2 Millionen Euro).

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Zusätzlich sind für 2026 bereits angedacht, da die Gelder 2025 in den nächsten Doppelhaushalt eingeplant werden müssen: weitere Investitionen von rund 4,7 Millionen Euro. Der Großteil entfällt erneut auf die Umstrukturierung der Grundschulen und Kitas mit insgesamt 2,89 Millionen Euro. Auch gibt es offenbar einen größeren Sanierungsbedarf an der Mühle in Pewsum, die als Museum dient. Eine Million Euro veranschlagt die Gemeinde für die Sanierung.

Warum steht Geld für Kitas und Schulen im Haushalt?

Auch wenn die Entscheidung rund um die genaue Zukunft der Grundschulen und Kitas in der Gemeinde noch aussteht, will man in der Verwaltung vorbereitet sein. „Das Geld ist erstmal über den Daumen gepeilt“, so Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auf Nachfrage. Wenn der Bürgerentscheid ein Ergebnis bringt, möchte man grundsätzlich handlungsfähig sein. Ob und wie viel Geld tatsächlich investiert wird, ist entsprechend noch offen.

Gleiches gilt für eine Sanierung der Mühle Pewsum. Dahinter stecke noch keine gutachterliche Schätzung, so Looden. „Wir wissen nur, dass es da großen Handlungsbedarf gibt.“