Berlin Krankheitswelle in Deutschland: So stark ist Corona derzeit verbreitet
Corona tritt wieder gehäuft auf und dominiert die aktuelle Krankheitswelle. Wie dramatisch die Lage ist und was jetzt geraten wird.
Deutschland hustet und schnieft vor sich hin. Rund 7,4 Millionen Einwohner sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) aktuell von akuten Atemwegserkrankungen betroffen. Einen hohen Anteil machen dabei Covid-19-Erkrankungen aus.
Corona-Fälle treten demnach in allen Altersgruppen auf, überwiegend trifft es aber ältere Erwachsene. Bei Kindern wurden am häufigsten RSV-Infektionen festgestellt. Bei denjenigen, die wegen einer schweren Atemwegserkrankung ins Krankenhaus mussten, lag der Anteil an Covid-19-Diagnosen bei 29 Prozent. Eine Hospitalisierung betraf 6694 Patienten. Die Lage bei den Intensivbehandlungen stellte sich so dar, dass jeder dritte Fall mit schwerer Atemwegserkrankung in Verbindung mit Covid-19 stand.
Seit Juli zeichnet sich bei den Corona-Infektionen ein steigender Trend ab. Am weitesten verbreitet sind aktuell die Sars-CoV-2-Varianten EG.5 mit einem Anteil von 46 Prozent, bei BA.2.86 sind es 18 Prozent – mit steigender Tendenz. Insgesamt sind laut RKI-Wochenbericht in der vergangenen Woche 23.246 laborbestätigte Covid-19-Fälle verzeichnet. Insgesamt habe sich der Anstieg allerdings etwas abgeschwächt.
In den vergangenen zwei Monaten – seit Anfang Oktober – zählt das RKI 142.195 laborbestätigte Corona-Infektionen, die gemeldet wurden. Es gab 1686 Todesfälle. Von den Verstorbenen waren fast alle Personen (97 Prozent) 60 Jahre oder älter.
Das RKI weist eine Sieben-Tage-Inzidenz aus. Diese liegt bundesweit bei 28 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner. Der Wert ist im Vergleich zur Vorwoche leicht gestiegen. Am höchsten ist die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit in Sachsen-Anhalt mit 72, es folgen mit Sachsen (55), Mecklenburg-Vorpommern (55), Brandenburg (46) und Thüringen (36) die anderen ostdeutschen Bundesländer.
In Norddeutschland erreicht Schleswig-Holstein einen Wert von 28, Hamburg und Niedersachsen sind mit 25 gleichauf, Bremen liegt mit 21 etwas darunter.
Alarmiert von den steigenden Infektionszahlen zeigte sich zuletzt der Virologe Klaus Stöhr. „Ich glaube, dass es in diesem Winter heftiger sein wird“, sagte er gegenüber der „Frankfurter Rundschau“. Er mahnte an: Die Impfmüdigkeit in Deutschland sei „noch nie so groß wie jetzt“ gewesen. Verglichen nach einer jahrelangen Durchseuchung mit anderen Atemwegserregern sei der gleiche Immunstatus noch nicht erreicht.
Überblick: Corona-Impfquote in Deutschland
Anders als Stöhr riet Chefarzt Johannes Rey vom Klinikum Osnabrück im Gespräch mit unserer Redaktion zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Corona. Durch Infektionen und Impfungen bestehe eine „robuste Immunität“ in der Bevölkerung. Trotzdem verhielten sich viele Menschen so, als sei die pandemische Gefahr noch nicht gebannt, so Rey.
Dennoch: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) appellierte an die Bevölkerung, sich gegen die Grippe und das Coronavirus impfen zu lassen. Die derzeitige Krankheitswelle habe nicht nur Auswirkungen auf die ambulante Versorgung, sondern auch auf die Krankenhäuser, sagte DKG-Chef Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Der Herbst und der Winter seien bereits vor der Pandemie aufgrund „der hohen Krankheitslast der Atemwegserkrankungen“ eine Herausforderung gewesen, sagte Gaß weiter. „Mit dem Corona-Virus ist nun aber seit 2020 ein weiterer Erreger hinzugekommen.“ Deshalb sei es so wichtig, sich gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission gegen Corona, aber vor allem auch gegen Influenza impfen zu lassen, fügte Gaß hinzu.
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Mit Material von afp