Bedarf in Emden  Stadt will konkretes Wohnraumkonzept mit allen erarbeiten

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 30.11.2023 13:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zu wenig sozialer Wohnraum: Auch wie hier in Borssum sind Wohnungen schnell vergriffen. Foto: Archiv
Zu wenig sozialer Wohnraum: Auch wie hier in Borssum sind Wohnungen schnell vergriffen. Foto: Archiv
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Trendstudien können schnell danebenliegen. In Emden sollen deshalb zum allgemeinen und sozialen Wohnungsmarkt Fakten und Ziele geschaffen werden.

Emden - Studien sind das eine, Mitwirkung das andere: Die Stadt Emden plant jetzt eine neue Bedarfsanalyse über den sozialen Wohnraum in Emden. Dazu lädt sie einen größeren Kreis Beteiligter ein. Gemeinsam mit Ratsvertretern, Vertretern der Beiräte, der hiesigen Immobilienunternehmen und nicht zuletzt des Aktionsbündnisses „Besser Wohnen in Emden“ sollen in zwei Workshops Leit- und Teilziele für ein soziales Wohnraumversorgungskonzept erarbeitet werden. „Wir haben einen sehr angespannten Mietwohnungsmarkt und wollen langfristige, konkrete Maßnahmen entwickeln“, kündigte Stadtrat Volker Grendel am Mittwochabend im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Integration an.

Ein erstes soziales Wohnraumversorgungs- und Wohnraumentwicklungskonzept hatte das Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH (GEWOS) schon 2015 erstellt. Seinerzeit auf Datenbasis 2005 bis 2014. Es wurde fortlaufend bis 2019 weitergeschrieben. Auch wurde eine Analyse der Bevölkerungsentwicklung und Wanderbewegungen 2017 bis 2019 durchgeführt. Zudem gibt es seit 2021 erstmals einen Mietspiegel für Emden auf Datenbasis des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Aurich.

Wachstum auf 53.000 Emder

Doch bei allen Zahlenwerken wurden lediglich Trends abgeleitet, bei denen man sich offenbar auch verschätzt hat, wie Grendel erläuterte. So sei das aktuelle Gutachten aus 2019 noch davon ausgegangen, dass durch die Fluchtbewegungen von 2015 bis 2017 die Bevölkerung der Stadt Emden bis 2035 auf 53.000 Personen anwächst. „Das hat sich nicht bewahrheitet“, sagte Grendel.

Schon die nächste Analyse 2020 habe eine deutliche Abwanderung junger Familien in das nahe Umland und rückläufige Bevölkerungszahlen gezeigt. Die Schutzsuchenden aus der Ukraine hätten dies zwar wieder „etwas aufgefüllt“. Doch auch sie konnten 2022 vorübergehend schon nicht mehr vollständig in dezentralem Wohnraum untergebracht werden. Heißt, es herrscht akuter Wohnraummangel.

Mietwohnungen sind teurer geworden

Die Energiekrise 2022/23 habe ergänzend zum Wohnraummangel zu einer spürbaren Preissteigerung im Mietwohnungsmarkt geführt. So gesehen sollte die Wohnraum-Situation in Emden neu bewertet und mit strategischen Zielen unterlegt werden, sagte Grendel. „Wir wollen dieses Mal kein reines Trendgutachten, sondern eines mit klaren Zielen. Themenbezogene Ziele können wir schon im Vorfeld dem Gutachten mitgeben und aktiv beim Gutachten mitwirken.“

Der erste Workshop soll bereits im Januar 2024 mit der Erarbeitung dieser Leit- und Teilziele fürs Gutachten beginnen. Dieser Workshop steht unter dem Titel „Bewohner halten und (zurück)gewinnen“. Der zweite Workshop ist für April 2024 geplant und trägt den Titel „Menschen mit besonderen Wohnbedarfen versorgen“. Die Fortschreibung des Sozialen Wohnraumversorgungskonzeptes unter Einbeziehung der Ergebnisse aus beiden Workshops soll nach den Sommerferien 2024 öffentlich vorgestellt werden.

SPD-Ratsherr und Vorsitzender der „Selbsthilfe“-Wohnungsbaugesellschaft in Emden, Harald Hemken, mahnte an, für eine Aktualisierung des Mietspiegels insbesondere „teure Vermieter“ in die Pflicht zu nehmen und Daten abzufragen. Denn im aktuellen Mietspiegel seien vor allem die Zahlen der Wohnungsbaugesellschaften eingeflossen. „Das bringt den Mietspiegel in Schieflage und passt nicht“, sagte Hemken. „Tatsächlich sind die Mieten viel höher.“ Grendel versicherte, weitere „Private“ motivieren zu wollen, entsprechende Daten herauszugeben.

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