Fehlende Betreuungsplätze  So ist die Lage in ostfriesischen Kitas

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 28.11.2023 19:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. In Niedersachsen fehlen Zehntausende Betreuungsplätze in Kitas. Foto: Skolimowska/DPA
Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. In Niedersachsen fehlen Zehntausende Betreuungsplätze in Kitas. Foto: Skolimowska/DPA
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Landesweit fehlen Betreuungsplätze in Kitas, wie eine Studie zeigt. Und auch das Personal in den Einrichtungen ist knapp. In Ostfriesland ist die Situation von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich.

Ostfriesland/Gütersloh/Hannover - In Niedersachsen fehlen einer Studie zufolge 41.600 Kita-Plätze, um den Bedarf der Eltern zu decken. Landesweit sind 34 Prozent der unter Dreijährigen in einer Kindertagesbetreuung, jedoch wünschen sich 47 Prozent der Mütter und Väter für ihr Kind in dieser Altersgruppe einen Platz. Von den älteren Vorschulkindern werden 92 Prozent betreut, einen Bedarf haben 96 Prozent der Eltern. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann-Stiftung mit Sitz in Gütersloh hervor.

In Ostfriesland klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander: Den Daten der Stiftung zufolge lag der Anteil der Kinder ohne Betreuungsplatz in der Altersstufe der Unter-Dreijährigen 2022 im Landkreis Aurich bei 48,4 Prozent. Nicht viel besser sah es im Landkreis Leer (41,8 Prozent) und in der Stadt Emden (41,5 Prozent) aus. Im Landkreis Wittmund wurden immerhin zwei von drei Betreuungswünschen erfüllt. Der Anteil der Kinder ohne Platz lag dort bei 37,8 Prozent.

Kultusministerin Hamburg sieht Land auf einem guten Weg

Besser sah es in der Altersgruppe der Kinder zwischen drei und sechs Jahren aus. Hier wurden im Landkreis Aurich nur 0,6 Prozent der Betreuungswünsche nicht erfüllt. Im Landkreis Wittmund und im Landkreis Leer lag die Zahl der Kinder ohne Betreuungsplatz bei 5,1 sowie 5,4 Prozent. In Emden fehlten für 15,4 Prozent der Kinder Betreuungsplätze.

„Die aktuelle Studie bestätigt uns erneut, dass Niedersachsen mit den eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung des Betreuungsangebots im Krippen- und Kita-Bereich auf einem guten Weg ist“, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Dies gelte vor allem für den Personalschlüssel, also die Zahl der Kinder pro Betreuerin. Hamburg räumte aber ein, dass durch einen spürbaren Fachkräftemangel die Situation für alle Beteiligten extrem herausfordernd und angespannt sei. Es gebe noch viel zu tun.

Kommunen fühlen sich vom Land im Stich gelassen

Nach Ministeriumsangaben wurden schon der Quereinstieg erleichtert und das Schulgeld für angehende Erzieherinnen und Erzieher abgeschafft. Die Zahl der Ausbildungsplätze sei zuletzt 2022 um 750 erhöht worden. Derzeit seien landesweit 18.000 Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur pädagogischen Assistenz beziehungsweise Fachkraft – dem Ministerium zufolge ein Rekordwert.

Die niedersächsischen Kommunen fühlen sich bei den Kitas vom Land im Stich gelassen. Das Land trage nicht den vereinbarten Anteil von 58 Prozent der Personalkosten, sondern wegen der Kostensteigerungen deutlich unter 50 Prozent, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), Hubert Meyer. „Die Sachkosten fallen ohnehin nur den Kommunen zur Last.“

Städte- und Gemeindebund spricht von angespannter Situation

Mit Blick auf die Gewinnung von zusätzlichem Personal forderte Meyer, die Standards zu flexibilisieren. „Seit Jahren fordern die kommunalen Spitzenverbände, eine echte duale Berufsausbildung für Erzieher und Erzieherinnen zu ermöglichen“, sagte der NLT-Geschäftsführer.

Stephan Meyn vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) sprach von einer stark angespannten Situation. „Bedingt durch die hohe Nachfrage der für Eltern kostenfreien Betreuungsplätze sowie durch den Fachkräftemangel im Erzieherinnenbereich kommt es fortwährend zu Engpässen, temporären Einschränkungen bis hin zu Schließzeiten.“

Niedersachsen könne den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nach wie vor nicht bedarfsgerecht erfüllen, kritisierte Kathrin Bock-Famulla, Expertin der Bertelsmann-Stiftung für frühkindliche Bildung. Zudem würden mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Kita-Kinder in Niedersachsen in Gruppen mit nicht kindgerechten Personalschlüsseln betreut. Um die Situation zu verbessern, benötigten die Kitas deutlich mehr Personal.

Mit Material von DPA

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