Norddeutsches Gemüse  Anekdoten rund um den Grünkohl

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 29.11.2023 12:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Harbin Tafa arbeitet auf dem Emder Wochenmarkt. Grünkohl ist dort auch in diesem Jahr sehr beliebt. Foto: Ortgies
Harbin Tafa arbeitet auf dem Emder Wochenmarkt. Grünkohl ist dort auch in diesem Jahr sehr beliebt. Foto: Ortgies
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Das Kohlgemüse gehört zu den Klassikern der ostfriesischen Küche. Im November und Dezember feiert es Hochsaison. Wir haben ein paar Grünkohl-Geschichten aus der Emder Redaktion gesammelt.

Ostfriesland - Es ist Grünkohl-Zeit! Mit den sinkenden Temperaturen wächst die Lust auf das beliebte Kohlgemüse, das im November und Dezember Hochsaison hat, immer mehr. Das merkt man nicht nur an den Speisekarten in den hiesigen Restaurants, sondern auch auf den ostfriesischen Wochenmärkten.

Beim Gemüsehändler Harbin Tafa vom Emder Wochenmarkt ging bereits jede Menge Grünkohl über die Theke. „Es geht jetzt los“, sagt er. Das Kilo kostet bei ihm an diesem Dienstag 4,90 Euro, das reicht für etwa zwei Personen. Tafa bekommt den Kohl vom Großhandel in Oldenburg, der selbst ernannten Hauptstadt des Grünkohls. Dort wurde auch bereits am 5. November der Start der Saison gefeiert - mit dem traditionellen Fest „Hallo Grünkohl“ auf dem Rathausmarkt.

Der Kilopreis liegt in diesem Jahr zwischen drei und fünf Euro. Foto: Ortgies
Der Kilopreis liegt in diesem Jahr zwischen drei und fünf Euro. Foto: Ortgies

Gute Aussichten

Wenn das Wetter in diesem Jahr mitspielt, kann der Grünkohl nach Auskunft der Landwirtschaftskammer bis in den Februar hinein geerntet werden. Bis jetzt sehen die Voraussetzungen dafür gut aus. „Die Wachstumsbedingungen waren ideal“, sagte eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg kürzlich der Deutschen-Presse Agentur. Im Sommer sei das Wetter für den Anbau des Grünkohls optimal gewesen. Experten rechnen deswegen mit einer guten Qualität des Gemüses.

Die Qualität und die Frische lassen sich an knackigen Blättern mit frischgrüner oder violetter Farbe erkennen. Schlechten Grünkohl erkennt man hingegen daran, dass dieser sich sehr weich und matschig anfühlt. Zudem kann er sich bei zu langer Lagerung bräunlich verfärben und einen vergorenen Geruch absondern, schreibt die Landwirtschaftskammer.

Den Grünkohl bezieht Gemüsehändler Harbin Tafa vom Großmarkt in Oldenburg. Foto: Ortgies
Den Grünkohl bezieht Gemüsehändler Harbin Tafa vom Großmarkt in Oldenburg. Foto: Ortgies

Grünkohl-Saison selbst verlängern

Wer die Grünkohl-Saison verlängern möchte, kann ihn ganz einfach einfrieren. Dazu den gewaschenen Kohl klein schneiden, kurz blanchieren und dann mit kaltem Wasser abschrecken. So bleiben viele Nährstoffe erhalten. Nach dem Abkühlen gut abtropfen lassen, abtupfen und am besten portionsweise einfrieren – so hält sich das Gemüse bis zu einem Jahr. Man kann den Grünkohl aber auch bereits verarbeitet als Tiefkühlware, im Glas oder aus der Dose kaufen. Am vitaminreichsten ist Tiefkühl-Grünkohl. Ware aus dem Glas schmeckt hingegen häufig etwas säuerlich.

Dass Grünkohl Frost braucht, um gut zu schmecken, ist heutzutage übrigens ein Irrglaube, so die Landwirtschaftskammer. Früher sei das Gemüse nicht vor dem ersten Frost angerührt worden. Denn erst bei Minustemperaturen wandelte sich die Stärke zu Zucker und Bitterstoffe in der Pflanze bauten sich ab. Bei den neuen Sorten reichen laut Experten aber kühle Temperaturen aus, damit der Grünkohl gut schmeckt.

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Traditionell mit Hafergrütze

Das wissen auch die Kundinnen und Kunden von Harbin Tafa und seinen Kollegen auf den ostfriesischen Wochenmärkten. „Es wird viel danach gefragt“, sagt Tafa. Traditionell isst man den Grünkohl in Ostfriesland mit Hafergrütze, Schweineschmalz und Pinkelwürsten. Es gibt aber auch alternative Trends. In Oldenburg kann man in diesem Jahr etwa Grünkohl-Sushi probieren. Auf der Speisekarte des asiatischen Lokals Moto Kitchen stehen Sushi-Kombinationen wie „Crunchy Pinkel“ mit Pinkel und Grünkohl sowie eine vegetarische Variante mit eingelegten Tomaten, Feta und Grünkohl.

Laut Statistischem Bundesamt bauten im vergangenen Jahr 232 Betriebe in Niedersachsen auf knapp 400 Hektar Grünkohl an. Die Landwirte ernteten demnach mehr als 6350 Tonnen. Im Vergleich zu 2021 war dies ein leichter Anstieg - damals waren es noch etwas mehr als 6290 Tonnen. Die Zahlen für das aktuelle Jahr liegen noch nicht vor.

Anekdoten aus der Emder Lokalredaktion

Mona Hanssen: Geht es ohne Fleisch?

Ich bin erst seit drei Jahren Vegetarierin und am Anfang fand ich die Grünkohlzeit dadurch sehr traurig. Den klassisch ostfriesisch gekochten Eintopf konnte ich natürlich nicht mehr essen. Aber ganz auf die Palme des Nordens verzichten? Auf keinen Fall. Klar ist: Man muss sich erst mal ein bisschen einfuchsen. Der erste Versuch war ziemlich traurig: Kartoffeln, Grünkohl und eine ganze Menge Senf. Nee, so geht es nicht. Stattdessen braucht es mehr und neue Zutaten. Ich habe bei Chefkoch ein gutes Rezept gefunden. Ordentlich Zwiebeln in Pflanzenmagarine oder -schmalz dünsten, Gemüsebrühe hinzugegeben. Dann kommt der Grünkohl dazu. Leckere Kartoffeln nach einigem Köcheln hinzugeben. Wer mag, kann kross angebratenen Räuchertofu verwenden oder andere deftige Fleischalternativen. Am Ende mit Salz, Pfeffer und reichlich Senf abschmecken. Lecker.

Hannah Weiden: So isst man Grünkohl in der Grafschaft Bentheim

Ich komme aus der Grafschaft Bentheim, wo Grünkohl einen ähnlich hohen Stellenwert hat wie in Ostfriesland. Allerdings wird er dort ein bisschen anders zubereitet, nämlich ganz ohne Hafergrütze. Hier ein Rezept meiner Oma: Den Grünkohl mit einer Zwiebel in reichlich Butter anbraten, danach mit Brühe ablöschen. Wer Fleisch isst, gibt Mettwurst (von Pinkel ist in der Grafschaft keine Rede) oder Kassler mit in den Topf. Das Ganze gut vor sich hin köcheln lassen. Währenddessen in einem zweiten Topf Kartoffeln in Brühe kochen. Wenn sie gar sind, grob zerstampfen und mit Butter, Milch und Gewürzen abschmecken. Jetzt wird der Kartoffelstampf mit dem Grünkohl gemischt. Dafür das Fleisch beiseitelegen. Aufpassen, dass es nicht zu wässrig wird. Ein weiterer Tipp meiner Oma: ein bisschen Essig auf den Kohl geben. Schmeckt lecker und hilft der Verdauung. Dazu schmeckt Senf.

Nina Harms: Das kann schiefgehen

Ich bin ein großer Freund davon, Dinge selbst herzustellen. Am besten aus eigens angebauten Zutaten. Mit Grünkohl war das so eine Sache. Er landete zum ersten Mal in dieser Saison im Beet – und auch nur deshalb, weil ich die 18 Pflänzchen aus der Krabbelkiste im Baumarkt gerettet habe. Gehegt und gepflegt habe ich sie, so dass sie sich ordentlich erholt haben. In Gedanken habe ich mich im Sommer schon am Herd stehen und die Mengen von Grünkohl verarbeiten sehen. Doch nach dem Sommerurlaub sahen die Pflanzen plötzlich gar nicht mehr so gut aus. Kein Wunder: Raupen hatten sich über den wunderbar gewachsenen und schmackhaft aussehenden Grünkohl hergemacht. Anfangs sammelte ich sie noch ab, irgendwann habe ich aufgegeben. Von den ostfriesischen Palmen ist kaum etwas übrig. Ich sehe es sportlich: Es war mein Beitrag zum Artenschutz.

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