Historisches Gebäude  Altreformierte Kirche in Campen soll verkauft werden

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 28.11.2023 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die altreformierte Kirche in Campen soll verkauft werden. Foto: Wagenaar
Die altreformierte Kirche in Campen soll verkauft werden. Foto: Wagenaar
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Die Stelle in Campen ist seit über 2,5 Jahren vakant. Nun zieht die Gemeinde Konsequenzen.

Campen - Die altreformierte Kirche in Campen soll unter den Hammer gehen. Für 195.000 Euro steht das denkmalgeschützte Gebäude derzeit in hiesigen Immobilienportalen zum Verkauf. „Eine kleine Kirche mit Charme, im neugotischen Stil errichtet, mit schönen Spitzbogenfenstern und einem kleinen Glockentürmchen auf dem First“, wird in der Anzeige für das Gebäude Am Langen Graben geworben.

Das Kirchengebäude wird unter anderem bei Kleinanzeigen angeboten. Foto: Weiden
Das Kirchengebäude wird unter anderem bei Kleinanzeigen angeboten. Foto: Weiden

Die altreformierte Kirche in Campen fusionierte 2015 mit der in Emden - trotzdem fanden zunächst weiter Gottesdienste in Campen statt. Einen Pastor oder eine Pastorin gibt es aber seit über 2,5 Jahren nicht mehr. Wie Christoph Heikens vom altreformierten Synodalverband Ostriesland dazu im Grenzboten, einem monatlich erscheinenden Informationsblatt der altreformierten Kirchen, schreibt, hat die Gemeinde sich deshalb dazu entschlossen, „das Kirchengebäude in Campen zu veräußern und sich in Zukunft auf den Standort in Emden zu konzentrieren“. Wir haben dazu auch den Kirchenrat der Gemeinde Campen-Emden angefragt, warten aber noch auf Antwort.

Das hat das Gebäude zu bieten

„Der Mangel an theologischem Nachwuchs, Pastorinnen und Pastoren ist auch für uns als Kirche immer mehr eine Herausforderung“, sagte Heikens bereits im März 2023 gegenüber dieser Zeitung. Zuletzt war 2017 die altreformierte Kirche in Neermoor aufgelöst worden, weil es unter anderem nicht gelungen war, einen Kirchenrat zu bilden.

Die denkmalgeschützte Kirche wurde 1905 gebaut. Foto: Wagenaar
Die denkmalgeschützte Kirche wurde 1905 gebaut. Foto: Wagenaar

Die Kirche in Campen ist 1905 in massiver Bauweise errichtet worden. 1948 und 1996 wurden zuletzt Renovierungsmaßnahmen getroffen, trotzdem befinde sich die Immobilie in einem „guten Allgemeinzustand“. Das Gebäude bietet laut Anzeige 110 Quadratmeter Wohnfläche und eine Grundstücksgröße von 229 Quadratmetern. „Über einen Vorbau am Eingang wird der Saal der Kirche betreten. Eine offene Kanzel, eine Orgelempore und Sitzbänke mit Pulten füllen das Innere der kleinen Saalkirche. Sanitäre Anlagen sind keine vorhanden“, heißt es weiter. Das Grundstück sei pflegeleicht, Hecken und kleinere Gehölze zierten den Kirchengarten im historischen Ortskern von Campen. Einen Keller gebe es nicht. Explizit erwähnt wird außerdem, dass die Orgel nicht im Kaufpreis enthalten ist.

Alte Kirchen sind oft Sanierungsfälle

In Ostfriesland ist es schon öfter vorgekommen, dass Kirchengebäude verkauft und/oder umfunktioniert wurden. Erst kürzlich machte etwa die reformierte Kirchengemeinde in Suurhusen bekannt, dass aus der neuen Kirche eine Kita werden soll. Leer stehende Kirchen sind oft Sanierungsfälle. Auch in Campen entspricht der energetische Zustand laut Anzeige nicht dem heutigen Stand. Das Gebäude besitze keinerlei Isolierungen oder Dämmungen, die Stahlfenster sind einfachverglast. Geheizt werde über eine Gas-Zentralheizung.

Die evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen (EAK) ist eine reformierte Freikirche. Derzeit gehören zwölf Gemeinden mit rund 6500 Gemeindemitgliedern zu dem Zusammenschluss. Die Gemeinden finden sich vor allem in der Grafschaft Bentheim und in Ostfriesland. Außerdem gibt es eine Gemeinde in Wuppertal.

In Ostfriesland gab es einmal fünf altreformierte Gemeinden

Die Gemeinden entstanden ab 1838 in der Grafschaft Bentheim und ab 1854 in Ostfriesland aus den dortigen reformierten Gemeinden. Grund waren die liberalen Strömungen in der Theologie der reformierten Gemeinden, denen sich viele Gemeindeglieder widersetzten und sich daher von ihren Gemeinden absonderten. In Ostfriesland gab es ursprünglich einmal fünf Gemeinden in Campen, Emden, Neermoor, Bunde und Ihrhove.

Die altreformierte Kirche wird von der Basis her verwaltet und hat weder einen Bischof noch einen Kirchenpräsidenten. Die örtliche Gemeinde ist also grundsätzlich für ihre eigenen Angelegenheiten allein zuständig.

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