Autogipfel bei Olaf Scholz E-Auto-Verkauf schwächelt auch in Ostfriesland
Der Bundeskanzler und die Autobranche wollen der Verkauf von E-Autos ankurbeln. Bedarf gibt es auch in Ostfriesland. Und nicht nur in Emden ist bei VW die Lage ernst.
Aurich/Berlin/Wolfsburg - Wie kann der Verkauf von Elektroautos und damit auch die Mobilitätswende in Deutschland in Schwung gebracht werden? Über diese Frage hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag mit Vertretern der Automobilbranche diskutiert. Um den Ausbau der Elektromobilität voranzutreiben, müssten die Anschaffungskosten von E-Autos gesenkt werden – darin seien sich alle Teilnehmer des Autogipfels einig gewesen, teilte der Sprecher der Bundesregierung nach dem Treffen mit. Vollelektrische Pkw könnten maßgeblich zur Emissionsminderung im Verkehrsbereich beitragen.
Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, nannte die aktuelle Situation der Elektromobilität „absolut nicht zufriedenstellend“. Sie sprach von einem stockenden Hochlauf auf dem deutschen Markt und schlechten Rahmenbedingungen. Auch die Ostfriesen sind beim Kauf von E-Autos bisher zögerlich: „Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen hat sich 2023 im Vergleich zum vergangenen Jahr zwar verbessert, aber bei den E-Fahrzeugen beobachten wir – insbesondere bei den privaten Kaufinteressenten – eine deutliche Zurückhaltung“, sagte Lothar Freese, Obermeister der Kfz-Innung in Ostfriesland, laut Mitteilung der Handwerkskammer. Als Gründe nannte er das fehlende Angebot an bezahlbaren E-Kleinwagen sowie die unklare Situation rund um den Umweltbonus.
E-Auto-Prämie soll Ende 2024 auslaufen – Was kommt danach?
Wer ein reines E-Auto für die private Nutzung kauft oder least, kann einen Umweltbonus von Staat und Herstellern bekommen. Dieses Jahr beträgt die Förderung noch bis zu 6750 Euro, kommendes Jahr bis zu 4500 Euro. Der ADAC rief dazu auf, die Förderung trotz Lücken im Bundeshaushalt fortzusetzen. Das Wirtschaftsministerium in Berlin wies unterdessen darauf hin, dass sich der Markt am Ende natürlich selbst tragen müsse. Staatliche Kaufprämien als Anschubfinanzierung seien immer so konzipiert worden, dass sie allmählich auslaufen.
Für das Kfz-Gewerbe komme das Ende der Förderung zum Ende des kommenden Jahres allerdings zu früh, meint Freese: „Beim aktuellen Zulassungstempo ist das Regierungsziel des Hochlaufs der E-Mobilität auf 15 Millionen Fahrzeuge bis 2030 nicht zu erreichen.“ Derzeit sind in Deutschland gut eine Million reine E-Autos zugelassen – bei insgesamt mehr als 48 Millionen Pkw. „Wer solche politischen Ziele setzt, muss auch die dafür passenden Instrumente liefern“, so Freese.
Weiterhin Sorge um Arbeitsplätze bei VW in Emden
Der Sprecher der Bundesregierung teilte nach dem Gipfel mit, es sollten das Informationsangebot für Käuferinnen und Käufer verbessert und die Modellbreite erhöht werden. So seien elektrische Pkw über den gesamten Lebenszyklus bereits heute günstiger als vergleichbare Verbrenner-Modelle.
Bei Herstellern wie Volkswagen läuft der Verkauf von E-Autos bisher schleppend. So hatte mangelnde Nachfrage zuletzt auch im Emder Werk zu Ausfällen in der Produktion geführt. Wie es personell bei VW weitergeht, ist derzeit unklar. Fest steht aber wohl, dass die Zahl der Beschäftigten im Konzern sinken wird. Ende vergangener Woche hatten auch die Beschäftigten in Emden diesbezüglich Klarheit verlangt. „Die Situation ist sehr kritisch“, sagte Markenchef Thomas Schäfer am Montag laut einem Beitrag im VW-Intranet vor 2000 Vertrauensleuten der IG Metall in Wolfsburg. „Ohne spürbare Einschnitte geht es nicht. Wir müssen ran an die kritischen Themen, auch beim Personal.“
„Die Automobilhersteller müssen sich jetzt ohne Verzögerung daran machen, dass es für die breite Masse erschwingliche Elektroautos aus Deutschland gibt“, sagte IG-Metall-Chefin Benner. „Die individuelle Mobilität der nahen Zukunft muss für alle bezahlbar sein. Das wäre auch ein wesentlicher und notwendiger Schub für die Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie.“
Mit Material von DPA