Frauen in Traditionsvereinen  Esterwegen ist jetzt bereit für Schützenköniginnen

Mirco Moormann und Christian Belling
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Von Mirco Moormann und Christian Belling
| 27.11.2023 18:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frauen in Schützen-Uniform? Das will man im emsländischen Stavern nicht sehen. In esterwegen ist das anders.. Symbolfoto: Gentsch/DPA
Frauen in Schützen-Uniform? Das will man im emsländischen Stavern nicht sehen. In esterwegen ist das anders.. Symbolfoto: Gentsch/DPA
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Die Schützenvereine in Esterwegen und Stavernen haben feste Regeln, wenn es um Frauen geht. Esterwegen hat seine gelockert – aber was ist mit Stavern?

Emsland - Während sich die Schützen in Stavern gegen Frauen im Verein ausgesprochen haben, gehen die Esterweger andere Wege. Dort wurde bei der jüngsten Generalversammlung eine grundlegende Änderung der Satzung beschlossen. Frauen waren bei den Esterweger Schützen zwar schon im Verein erlaubt, durften aber beim Schützenfest nicht um die Königswürde mitschießen.

Das ist jetzt anders. Bei 92 Ja-Stimmen und 51 Gegenstimmen haben die Mitglieder mehrheitlich festgelegt, dass die Frauen nun auch Königinnen werden dürfen.

Antrag stammt aus dem vergangenen Jahr

Die Neuregelung fußt laut Willem Korte vom Vorstand auf einem Antrag, der bereits auf der Generalversammlung im vergangenen Jahr gestellt wurde. Jetzt stand der zur Debatte. „Jedes Mitglied des Vereins, welches das 18. Lebensjahr erreicht hat und den Wohnsitz innerhalb der fünf Kompanien in Esterwegen hat, kann die Königswürde erlangen“, teilt Korte zu den Details der Entscheidung mit.

Im Schützenverein Stavern wird es derweil weiterhin keine weiblichen Mitglieder geben. Ein von drei Frauen auf den Weg gebrachter Antrag, die Satzung so zu ändern, dass auch Frauen Mitglied werden können, wurde bei der Generalversammlung des Vereins im Emsland mit einem deutlichen Votum abgelehnt. Die Berichterstattung darüber hatte hohe Wellen geschlagen.

Der Schützenverein in Stavern will keine Frauen aufnehmen. Foto: Belling
Der Schützenverein in Stavern will keine Frauen aufnehmen. Foto: Belling

Jetzt melden sich beide Seiten mit einer gemeinsamen Mitteilung zu Wort. Demnach haben sich der Vorstand und die drei Frauen getroffen, um sich auszusprechen. Bei dem Treffen sei es sowohl um die Gründe für die Antragstellung wie auch für die der Ablehnung gegangen. „Uns ist wichtig, dass auch nach dem Ergebnis der Abstimmung (...) das Thema präsent bleibt und darüber nachgedacht wird“, wird mit Jana Rolfes eine der Antragstellerinnen zitiert. Ziel müsse es nach ihren Worten sein, dass Gespräche auf Augenhöhe entstehen, Menschen über ihre Privilegien reflektieren, Themen aufgedeckt werden und auch Lösungen für ein gutes Miteinander gefunden werden.

Weitere Abstimmung nicht ausgeschlossen

Seitens des Vorstandes der Schützen ist laut Mitteilung deutlich gemacht worden, dass sich der Verein aufgrund rechtlicher Vorgaben an gewisse „Spielregeln“ zu halten habe. „Eine vorherige Absprache zwischen Antragstellerinnen und Vorstand hätte die negative Stimmung, die nach der Ablehnung des Antrages durch die Mitgliederversammlung entbrannte, verhindern können“, erklärt Vorsitzender Andreas Wessels.

Gemeinsam werde man in den kommenden Monaten über eine erneute Antragstellung nachdenken. Ziel aller Beteiligten sei es, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger der Hümmlinggemeinde auf dem Schützenfest willkommen fühlen und drei Tage im Jahr gefeiert werde.

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