Kreisschulausschuss  Plötzlich steht die IGS in Hinte in Frage

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 27.11.2023 17:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die IGS in Pewsum. Biregio hat im Kreisschulausschuss die Konzentration auf nur einen Standort ins Spiel gebracht. Foto: Archiv
Die IGS in Pewsum. Biregio hat im Kreisschulausschuss die Konzentration auf nur einen Standort ins Spiel gebracht. Foto: Archiv
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Die Schüler im Landkreis Aurich sind falsch auf die vorhandenen Räume verteilt, sagt die Gutachter-Firma Biregio. Für die IGS Krummhörn-Hinte könnte das weitreichende Konsequenzen haben.

Krummhörn/Hinte - Wie aus dem Nichts wurde vergangene Woche im Kreisschulausschuss in Aurich der Standort der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Hinte in Frage gestellt. Denn während manche Schulen aus allen Nähten platzen, haben andere Schulen im Landkreis Aurich mit Leerstand zu kämpfen, sagte der vom Landkreis beauftragte Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau von der Firma Biregio in der Sitzung am Donnerstag.

„Sie müssen aufpassen, dass die Verteilung zu Ihren Räumen passt“, sagte Krämer-Mandeau im Schulausschuss des Kreistags. Man könne nicht auf der einen Seite neu bauen und auf der anderen Seite Leerstände finanzieren. In der Krummhörn und in Hinte zeige sich das unter anderem an zu vielen Räumen je Klasse und Schüler. Die IGS könne daher durch eine Zusammenführung „neu gedacht“ werden - mit einer Konzentration auf den Standort in Pewsum, bei dem dann ein „kleiner Zubau“ nötig wäre.

Bürgermeister überrascht

Bei den Rathäusern in den Gemeinden Hinte und Krummhörn kam die Diskussion über die Standortausrichtung der IGS überraschend. „Wir haben die Information über diese Empfehlung auch erst aus dem Kreisschulausschuss erhalten“, schreibt dazu Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) auf Nachfrage. „Vor einer Stellungnahme zu einem einzelnen Punkt möchten wir uns zunächst das Schulgutachten des Landkreises und die darin enthaltenen Prognosen und Empfehlungen insgesamt ansehen.“ Dazu werde die Gemeinde nun Kontakt zum Landkreis aufnehmen.

Auch Hintes Bürgermeister Uwe Redenius hatte im Vorfeld der Kreissitzung noch nichts davon gehört, dass der IGS-Standort in Hinte irgendwie zur Diskussion stehe. Angesichts des Umfeldes würde Redenius eine Debatte um den Standort auch als verfehlt ansehen: „Wir investieren gerade Millionen als finanzschwache Kommune, die auch dem Schulstandort zugute kommen“, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Dazu zähle die Sanierung der Sportanlage am Bleskeweg und die Sanierung und Umgestaltung der Dreifachturnhalle – beides in direkter Nähe zur IGS. „Ziel der Investitionen ist es ja auch, das Sport-Abi zu ermöglichen“, so Redenius.

Wo liegt das Problem?

Laut Gutachter-Firma Biregio liegt der Verteilungsschlüssel an IGS in Pewsum bei 1,6 großen Räumen je Klasse, während er am Standort Hinte bei 2,8 großen Räumen je Klasse liegt. Hinzu kommt, so Krämer-Mandeau im Kreisschulausschuss, dass die Schülerzahl an der IGS Krummhörn/Hinte in der Oberstufe stark nachlässt. Kurz gesagt: Es gibt zu viel Raum für zu wenig Schüler. Demnach blieben nur 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der 10. Klasse an der IGS Krummhörn/Hinte. Ähnlich groß ist der Unterschied lediglich an der IGS Marienhafe-Moorhusen. Mit Blick auf die Lehrerversorgung und den Stundenplan solle man daher darüber nachdenken, das Angebot in den Gemeinden Krummhörn und Hinte auf nur einen Standort zu konzentrieren.

Wir haben im Nachgang der Sitzung noch einmal bei Biregio angefragt, was das konkret bedeuten soll. Wolf Krämer-Mandeau schreibt, dass er im Kreisschulausschuss explizit „keine Empfehlung“ ausgesprochen habe, sondern nur geprüft habe, was möglich wäre. Wenn im Rahmen der weiteren Diskussion um den Schulentwicklungsplan des Landkreises die Frage der Standorte Pewsum und Hinte aufkäme, wüsste der Schulträger, der Landkreis Aurich, wie er sich räumlich bewegen könnte. Die Rolle des Gutachters sei aber explizit eine beratende und keine entscheidende. Wir haben dazu auch die IGS Krummhörn-Hinte angefragt, eine Antwort steht aber noch aus.

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Das sagt der Landkreis

Der Landkreis selbst hält sich auf Nachfrage dieser Zeitung ebenfalls bedeckt. „Konkrete Antworten lassen sich dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben“, schreibt Kreissprecher Rainer Müller-Gummels. Die zentrale Fragestellung der Schulentwicklungsplanung – und somit auch im laufenden Diskussionsprozess - laute aber: Welche Lösung ist für die Schülerinnen und Schüler im Bereich Krummhörn und Hinte am besten? „Vor genau diesem Hintergrund werden wir auch den genannten Aspekt prüfen und letztlich bewerten“, so Müller-Gummels. Neben den Kriterien, die Wolf Krämer-Mandeau in seinen Zahlenwerken berücksichtigt, seien bei der Meinungsbildung aber auch zahlreiche weitere Faktoren zu berücksichtigen. Hierbei gehe es beispielsweise um die Frage der Unterrichtsversorgung oder der Lehrergewinnung. „Natürlich auch um die eventuelle Nachnutzung von Gebäuden, die Anpassung der Schülerbeförderung oder um die jeweiligen finanziellen Auswirkungen – insgesamt also um ein umfangreiches Themenspektrum, das in die Bewertung einfließt.“

Die IGS Krummhörn-Hinte wurde 2011 gegründet und ist damit die jüngste Gesamtschule in der Trägerschaft des Landkreises Aurich. Sie wird als Ganztagsschule in den Jahrgängen fünf bis 13 geführt. Die Jahrgänge fünf bis acht werden am Standort in Pewsum beschult, die Jahrgänge neun bis 13 am Standort in Hinte. Es können alle Schulabschlüsse im Sekundarbereich I + II erworben werden.