Schwere Schäden im Kreis Wittmund  Tornado hinterlässt Schneise der Verwüstung

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 27.11.2023 13:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alke Reck steht vor den Trümmern, die nach der Windhose über das gesamte Grundstück verteilt lagen. Bis zu 20 Helfer waren am Wochenende gleichzeitig im Einsatz, um seiner Familie beim Aufräumen zu helfen. Foto: Ullrich
Alke Reck steht vor den Trümmern, die nach der Windhose über das gesamte Grundstück verteilt lagen. Bis zu 20 Helfer waren am Wochenende gleichzeitig im Einsatz, um seiner Familie beim Aufräumen zu helfen. Foto: Ullrich
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Ein Wohnhaus in Kirmeer wurde am Freitag durch eine Windhose schwer beschädigt, die Nebengebäude wurden zerstört. Nebenan richtete der Tornado an zwei Dächern Schäden an. Auch Bäume wurden entwurzelt.

Leerhafe - Am Freitagabend gegen 18 Uhr hat vermutlich ein Tornado an zwei alleinstehenden Höfen in Kirmeer schwere Schäden angerichtet. Bäume wurden entwurzelt oder abgeknickt. Besonders heftig traf die Windhose das Grundstück von Familie Reck in der zu Leerhafe gehörenden Ortschaft im Wittmunder Stadtgebiet. Das Dach des Wohngebäudes wurde teilweise abgedeckt, von den Nebengebäuden ist nicht mehr viel übrig. „Der Schock sitzt tief“, sagt Alke Reck am Montagmorgen. Das punktuell auftretende Wetterphänomen wirbelte vor allem das Baumaterial der teilweise zerstörten Nebengebäude viele Meter weit durch die Luft. Der Familienvater geht davon aus, dass er trotz allem Glück im Unglück hatte: Denn verletzt wurde trotz unzähliger umherfliegender Trümmerteile niemand. Reck befand sich mit seiner schwangeren Frau Dana und Tochter Maira zum Zeitpunkt des Windeinschlags im Inneren des Hauses.

Der Wirbelsturm hinterließ ein Bild der Verwüstung. Auf dem Feld liegen noch jetzt Trümmerteile der Gebäude. Foto: Ullrich
Der Wirbelsturm hinterließ ein Bild der Verwüstung. Auf dem Feld liegen noch jetzt Trümmerteile der Gebäude. Foto: Ullrich

Nur vier oder fünf Sekunden habe der Wirbelsturm um das Haus herum gewütet, schätzt er. Er geht davon aus, dass es sein Haus weit heftiger hätte treffen können: „Ich glaube, das Allerschlimmste ist gerade noch an uns vorbeigegangen.“ Und doch ist der Schaden immens: „Das Wohnhaus war an einer Seite offen“, erläutert er mit Blick auf das mit einer Plane verschlossene Dach des Gebäudes. Durch das offene Dach drang Feuchtigkeit ins Innere des Wohnhauses. Dank vieler helfender Hände aber habe es relativ schnell wieder verschlossen werden können, so dass kein größerer Wasserschaden entstanden sei. Das Haus sei noch bewohnbar. Nicht unwichtig, denn das Paar erwartet in wenigen Wochen sein zweites Kind.

Von den Nebengebäuden auf dem Grundstück der Familie Reck ist nicht mehr viel übrig. Foto: Ullrich
Von den Nebengebäuden auf dem Grundstück der Familie Reck ist nicht mehr viel übrig. Foto: Ullrich

Die Nachbarn packten mit an

Die Schadenshöhe nach dem Sturmereignis ist noch offen. Klar ist nur, dass Recks sicherlich noch Wochen und Monate brauchen werden, um alle Folgen des Tornados rückgängig zu machen. Beide Autos seien beispielsweise durch herumfliegendes Baumaterial heftig beschädigt worden, fahren allerdings noch. „Vermutlich wirtschaftlicher Totalschaden“, schätzt der Mechaniker. „Das größte Chaos haben wir schon beseitigt“, unterstreicht Alke Reck, der sich am Montag freigenommen hatte, um weiter Ordnung zu schaffen. Seit Freitagabend ist er im Dauereinsatz. Dennoch liegen aktuell auf dem angrenzenden Feld noch Trümmerteile herum. Sie vermitteln den vielen Neugierigen, die in der sonst so ruhigen Wohngegend unterwegs sind, einen guten Eindruck von der Naturgewalt, die hier wütete. So viele Autos wie am Tag nach dem Sturm habe er in dem Jahr, seitdem er mit seiner Familie hier lebe, noch nie gesehen.

Die Seite des Wohnhauses und die teilweise zu Wohnzwecken umgebaute Scheune waren offen und wurden zunächst provisorisch abgedichtet. Foto: Ullrich
Die Seite des Wohnhauses und die teilweise zu Wohnzwecken umgebaute Scheune waren offen und wurden zunächst provisorisch abgedichtet. Foto: Ullrich

Doch nicht nur Schaulustige sind es. „Die ganze Nachbarschaft war dabei und hat angepackt“, sagt Reck voller Dankbarkeit. Bis zu 20 Personen gleichzeitig seien beispielsweise am Sonntag im Einsatz gewesen, hätten Dachbalken, Ziegelsteine oder andere Objekte eingesammelt oder beim Abdichten des Dachs geholfen. Die Welle der Hilfsbereitschaft reißt nicht ab: Gerade kommt Olaf Stolfik-Schütte vorbei. Auch er lebt in Kirmeer, etwa zwei Kilometer entfernt, sagt er. Dort habe er von der Windhose nichts mitbekommen. Als er davon erfuhr, machte er sich auf den Weg zu den beiden betroffenen Höfen. Das sei keine Frage für ihn: „Hier im Dorf hilft man sich gegenseitig.“

Erst Stille, dann Höllenlärm

Auch am Haus von Recks Nachbarn Wilhelm Graalfs hat der Wirbelsturm Schäden hinterlassen. Gerade sind Dachdecker dabei, die fehlenden Ziegel zu ergänzen. Das Dach seines Geräteschuppens wurde durch einen Baum beschädigt. Der wurde durch den heftigen Wind entwurzelt und fiel auf das Nebengebäude. Als dies passierte, war der Landwirt im Stall bei seinen Kühen, erinnert er sich. Der Tornado hat auch bei ihm einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Wie lange es gedauert habe, könne er nicht sagen. Erst sei es stürmisch gewesen. Kurz darauf ganz ruhig. „Da war überhaupt kein Wind.“ Dann aber brach die Hölle über den Hof herein: „Es kam in Sekundenschnelle.“ Der Lärm habe seine Tiere verängstigt.

Dieser Baum wurde bei dem Tornado am Freitagabend entwurzelt und schlug ins Dach des Geräteschuppens von Landwirt Wilhelm Graalfs ein. Foto: Ullrich
Dieser Baum wurde bei dem Tornado am Freitagabend entwurzelt und schlug ins Dach des Geräteschuppens von Landwirt Wilhelm Graalfs ein. Foto: Ullrich

Die Feuerwehr aus Leerhafe war noch am Freitagabend im Einsatz und befreite die Straße mit Kettensägen von umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen.

Überall auf den Straßen der Landkreise Wittmund und Aurich seien durch den Sturm Gefahrenstellen entstanden, heißt es auf Nachfrage aus der Pressestelle der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Die Polizei sei mehrfach ausgerückt, um diese abzusichern. Von weiteren Tornados sei nichts bekannt.

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