Klub startet Kampagne Spendenaktion soll Kickers Emden retten
Der Fußball-Oberligist bittet im Kampf gegen die Altlasten öffentlich um Mithilfe. Im Zuge dessen meldet sich auch der noch amtierende Vorstand zu Wort – und macht Eingeständnisse.
Emden - Nun soll also die breite Masse Kickers Emden retten. Der finanziell angeschlagene Fußball-Oberligist hat am Freitag eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die den Klub aus dem Schuldenberg heben soll – zumindest zum Teil. Ziel der bis Heiligabend gehenden Kampagne ist eine Summe von 150.000 Euro. Damit wäre etwa die Hälfte der sich angehäuften Altlasten des Klubs getilgt.
Die ab sofort gehende Kampagne, bei der Spender selbst auch etwas gewinnen können, trägt den Titel „Wir retten Kickers!“ Allein der Name zeigt, wie ernst die Lage um den einstigen Drittligisten ist. Das hat mittlerweile auch der noch amtierende Vorstand realisiert.
Vorstand hat die „Altschulden unterschätzt“
Vorsitzender Dr. Jörg Winter und Stellvertreter Albert Ammermann machen in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung Eingeständnisse. „Wir sind nun im Rahmen der erstmals notwendigen Bilanzierung leider an einem Punkt angelangt, wo wir als Vorstand eingestehen müssen, dass wir das Ausmaß der Altschulden unterschätzt haben und der e.V. ohne weitere Hilfe von außen nicht überleben kann“, werden Winter und Ammermann zitiert.
Erstmals bestätigten die beiden die Höhe der Altlasten, die vor wenigen Wochen Henning Rießelmann, der neue starke Kickers-Mann, benannt hat. „Die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 150.000 Euro plus langfristige Darlehen von weiteren 150.000 Euro stehen der Ausgliederung im Weg“, so Winter und Ammermann. Die Ausgliederung der 1. Herrenmannschaft in eine GmbH ist im Sommer eine der Bedingungen für Rießelmann und sein Team gewesen, bei Kickers Emden einzusteigen. Bis Weihnachten möchte Rießelmann Klarheit haben, wie es weitergeht – ob es weitergeht.
Weihnachtssingen als „Herzstück“ der Kampagne
Die Sorge ist nun so groß, dass ein Spendenaufruf als notwendig angesehen wird. „Die Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit müssen getilgt werden – damit der Spitzenfußball in Emden eine Zukunft hat, damit der BSV Kickers Emden als Verein überhaupt eine Zukunft hat“, heißt es in der Einleitung der Pressemitteilung des BSV Kickers. Bereits im Vorfeld der Spendenaufrufs habe der Verein „zahlreiche Zuschriften von hilfsbereiten Fans“ erhalten, wie er mitteilt.
Kampf ums Überleben
Ein Kommentar von Matthias Herzog Es geht um die nackte Existenz von Kickers Emden. Von Beginn an hat Manager Henning Rießelmann immer wieder betont, dass eine Ausgliederung und Gründung einer Spielbetriebs GmbH nur ohne Schulden erfolgen kann. Der aktuelle Kickers-Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Winter hat lange nicht mit offenen Karten gespielt, immer wieder herumgeeiert. Mit der am Freitag erfolgten Pressemitteilung lässt die Vereinsführung nun die Hosen herunter und bestätigt erstmals die unfassbaren Schuldenzahlen. Natürlich stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu diesem Finanzdesaster kommen konnte. Die zweite Frage: Warum konnte sich der Vorstand nicht schon früher mit Henning Rießelmann auf eine gemeinsame Kommunikationsstrategie einigen? Die Zahlen der Steuerberater haben sich angedeutet und liegen schon seit Wochen auf dem Tisch. Festzuhalten bleibt allerdings auch, dass es Winter und Co. natürlich gut mit Kickers meinen, auch schon mit ihrem Privatvermögen Schulden getilgt haben. Offenbar waren die bisher Verantwortlichen einfach völlig überfordert. Wie dem auch sei: Durch den Einstieg von Rießelmann hat sich bei Kickers ganz viel zum Positiven verändert, der Spielbetrieb wird aktuell schon über seine Firma abgewickelt. Der Spendenaufruf ist ein letzter Hilfeschrei. Dem Verein und den Verantwortlichen wäre es zu wünschen, wenn sich noch potente Spender in der Region finden würden. Denn „Jahrhundertspiele“ wie gegen Bersenbrück hätte Ostfriesland auch in Zukunft verdient. @ Den Autor erreichen Sie unter m.herzog@zgo.de
An die Kampagne „Wir retten Kickers!“ sind mehrere Aktionen geknüpft. „Herzstück“, wie Kickers schreibt, ist das Weihnachtssingen am Nikolaus-Heimspiel am Mittwoch, 6. Dezember, gegen Arminia Hannover. „Untermalt wird die Aktion vom Emder Chor „Ligante“ unter der Leitung von Julia Gruppe-Dörr - und ganz nebenbei unterstützt jeder Fan im Stadion mit seinem Ticket die Hilfskampagne für seinen Verein“, schreibt Kickers.
Höchstspender erhält Werbefläche auf der Hose
Zudem veranstaltet Kickers Emden über die Social-Media-Kanäle einen Adventskalender, bei dem alle Spender des jeweiligen Tages Gewinnchancen haben. Täglich vom 1. bis 24. Dezember verlost werden unter anderem ein Luxus-Wochenende in Spitzenhotels, VIP-Tickets für Bundesliga-Spiele und handsignierten Trikots einiger Topklubs. Hier hat Henning Rießelmann die Kontakte seiner Agentur Onside spielen lassen.
Die Initiatoren haben sich des weiteren einen besonderen Dank für den Spender des Höchstspendebetrags einfallen lassen. Dieser „darf in den restlichen Oberliga-Spielen der Saison 2023/24 eine Werbefläche auf den Hosen der Kickers-Fußballer gestalten“. Abrufbar sind das eingerichtete Online-Hilfskonto von Kickers sowie weitere Infos dazu unter www.wir-retten-kickers.de.