Folgen der Blauzungenkrankheit Bleiben Ostfrieslands Züchter auf Jungrindern sitzen?
Ende Oktober wurde im Ammerland bei einem Schaf die Blauzungenkrankheit festgestellt. Für ostfriesische Rinderzüchter, die Tiere in andere Bundesländer verkaufen wollen, hat das weitreichende Folgen.
Ostfriesland - Am 25. Oktober wurde im Landkreis Ammerland bei einem Schaf eine Infektion mit der Blauzungenkrankheit festgestellt. Wenig später erkrankten mehrere Rinder im Emsland. Die Erkrankung ist meldepflichtig und wird durch mückenähnliche Insekten, sogenannte Gnitzen übertragen. Seit dem Auftreten der Blauzungenkrankheit hat das Land Niedersachsen den Seuchenstatus „BTV 3-frei“ verloren. Für ostfriesische Schaf- und Rinderzüchter hat das weitreichende Folgen – insbesondere bei der Vermarktung ihrer Tiere.
Betroffen sind auch Mitglieder des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST). Seit Ausbruch der Krankheit können sie ihre Tiere nur noch in Regionen verkaufen, in denen die Blauzungenkrankheit ebenfalls ausgebrochen ist. Aktuell ist das in Deutschland neben Niedersachsen nur noch Nordrhein-Westfalen der Fall. Eine Vermarktung in die Niederlande und Belgien ist möglich, weil die Krankheit dort ebenfalls aufgetreten ist. „Transporte in andere Drittländer finden im Moment nicht statt“, macht Dietmar Albers deutlich. Der Auktionator ist beim VOST zuständig für Inlandsvermarktung ostfriesischer Rinder.
Kein Verkauf nach Nordafrika
Viele tragende Jungrinder aus Ostfriesland werden nach seinen Worten nach Nordafrika verkauft. „Marokko ist beispielsweise ein großer Abnehmer“, erzählt er, „doch diese Kunden fallen momentan weg.“ Mit den Veterinärbehörden der Bestimmungsländer, in denen es die Krankheit nicht gibt, müsse aktuell geklärt werden, welche Anforderungen für ein amtliches Gesundheitszertifikat erfüllt werden müssen. Doch die Zeit läuft.
In Drittländer verkauft werden in erster Linie Jungrinder, wenn sie höchstens seit drei Monaten tragend sind. „Weil das Stadium der Trächtigkeit der Tiere fortschreitet, müssen jetzt zügig verbindliche Zertifikatskriterien von den Behörden festgelegt werden“, sagt Dietmar Albers. „Wenn sich das bis Mai hinzieht, haben viele Züchter ein Problem.“ Denn wenn die Trächtigkeit schon weit fortgeschritten ist, können ihre Rinder aus Tierschutzgründen nicht mehr transportiert werden. Albers ist aber optimistisch, dass die Kriterien noch in diesem Jahr festgelegt werden. „Die Behörden in den Drittländern wissen ja auch, dass die Kunden einen Bedarf an einer kontinuierlichen Versorgung mit Rindern haben.“
Strenge Ausnahmebestimmungen
Ein großer Teil der Tiere aus Ostfriesland wird allerdings innerhalb Deutschlands vermarktet. Daher wurden sehr strenge Voraussetzungen vereinbart, unter denen Landwirte die Rinder in ein BTV 3-freies Bundesland transportieren dürfen. Anforderungen für die Gesundheitszertifikate, die jetzt in den Drittländern ausgearbeitet werden, wurden hier schon festgelegt. Die Herkunftsbetriebe müssen nachweisen, dass die Tiere 30 Tage vor dem Transport keine klinischen Anzeichen für die Krankheit hatten. 14 Tage vor dem Transport müssen die Tiere mit Insektenabwehrmitteln vor den Stichen der Gnitzen geschützt werden. Außerdem muss vor dem Transport mit einem negativen PCR-Test nachgewiesen werden, dass die Tiere BTV 3-frei sind.
Dieses Prozedere kommt auch auf die Zuchttiere zu, die am 5. Dezember bei der nächsten VOST-Auktion vermarktet werden sollen. „Wir haben insgesamt 220 Tiere im Katalog“, berichtet Auktionator Dietmar Albers. Blutproben aller Tiere werden vor dem Auftrieb von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) untersucht. Wenn die Tiere negativ auf die Seuche getestet wurden, steht auch einem Verkauf in BTV 3-freie Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern nichts mehr im Wege.
Folgen für Schafhalter
Schafhalter Alfred Straubinger sieht die Lage entspannter. Der 67-Jährige ist im Ruhestand und unterstützt seinen Sohn René, der in Weener die Deichschäferei Nesseborg mit 600 Mutterschafen betreibt und für die Deiche zwischen Diele und Coldam zuständig ist. „Ich kenne die Krankheit nur aus dem Lehrbuch: Die Zunge der Tiere schwillt an und sie sondern sich ab“, sagt Straubinger, der ursprünglich aus der Nähe von Passau kommt und seit mehr als 40 Jahren im Norden zu Hause ist.
Während Rinder die Krankheit meist gut überstünden, liege die Todesrate bei Schafen mit bis zu 30 Prozent deutlich höher. Der Verkauf von Tieren sei kein Problem. „Wir vermarkten viele Tiere in die Pfalz“, erzählt der Alt-Schäfer, „weil sie als Schlachtlämmer deklariert sind, müssen wir keine besonderen Anforderungen erfüllen, egal wohin die Tiere transportiert werden.“
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