The Emsland Hillbillies  Seit 50 Jahren lebt Hermann Lammers Meyer für die Countrymusik

Gerd Schade
|
Von Gerd Schade
| 21.11.2023 17:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Countrymusiker durch und durch: Hermann Lammers Meyer.
Countrymusiker durch und durch: Hermann Lammers Meyer.
Artikel teilen:

Seit einem halben Jahrhundert brennt Hermann Lammers Meyer aus Aschendorf für die Countrymusik. Zum Jubiläum spielen The Emsland Hillbillies in Papenburg.

Aschendorf - Wie sehr ein Mensch für eine Leidenschaft brennen kann, obwohl die viele Zeitgenossen hierzulande nicht zwingend auch nur im Ansatz teilen, verkörpert Hermann Lammers Meyer aus Aschendorf. Seit einem halben Jahrhundert hat sich der 70-Jährige der Countrymusik verschrieben. Ein Ende ist nicht Sicht – trotz eines gesundheitlichen Rückschlags und eines von jeher vermeintlich grundlegenden Mankos.

In dem Jahr, in dem Hermann Lammers Meyer und seine Band, The Emsland Hillbillies, erstmals öffentlich auftreten (1973), bestimmen die erste Ölkrise, die Watergate-Affäre und der Jom-Kippur-Krieg das Weltgeschehen. Die Hillbillies rocken die damalige Gaststätte Strack an der Bokeler Straße. Anlass ist ein Klassentreffen.

Inspiriert von Johnny Cash

„Niemand ist weggelaufen. Das war für uns das Signal zum Weitermachen“, erinnerte sich Lammers Meyer 2013 im Gespräch mit unserer Redaktion an die Anfänge. „Es war eine ganz wilde Zeit“, sagt er nun, zehn Jahre später. „Aber die Leute mochten, was wir machten.“

Angefangen hätten sie mit Oldie-Musik. „Und dann trat Johnny Cash in mein musikalisches Leben“, nennt Lammers Meyer die Inspiration seines künstlerischen Schaffens beim Namen. Cash (1932–2003) gilt als einer der einflussreichsten US-amerikanischen Countrysänger und Songschreiber. „Die Person und seine außergewöhnlich tiefe Stimme haben mich vom ersten Moment an gepackt“, sagt der Aschendorfer, der seinerzeit zudem dem regelmäßigen Countryprogramm des US-Militärsenders AFN in Bremerhaven lauscht, den es heute längst nicht mehr gibt.

Zusammengewürfelter Haufen

Wie man in Aschendorf vor dem digitalen Zeitalter mit Musik-Streamingdiensten außerdem an was Neues kam? Er sei entweder rüber in die Niederlande gefahren oder habe das Angebot von Thea Muckli an der Großen Straße studiert, wo neben dem damaligen Kinobetrieb auch Tonträger verkauft wurden.

Die Hillbillies seien zunächst ein zusammengewürfelter Haufen gewesen, sagt Lammers Meyer. Eines sei von Anfang an klar gewesen: Er gab die Richtung vor, „die anderen fanden’s gut und haben mitgemacht.“

In der Band spielten zwischenzeitlich auch Musiker, die später Karriere machten, darunter der Ostfriese Carl Carlton alias Kalli Buskohl, der als Gitarrist bei Peter Maffay und Udo Lindenberg mitmischte und dann solo weitermachte, sowie „Trio“-Mitbegründer Kralle Krawinkel.

In den USA als „Herman the German“ bekannt

Die Gruppe erweiterte den Radius ihrer Auftritte rasch. .Gastspielen unter anderem in Ostfriesland, dem Rest der damaligen (West-)Republik und den Niederlanden folgt noch in den 1970er-Jahren erstmals der Sprung über den „Großen Teich“ nach Texas. Der US-Bundesstaat, eine Wiege der Countrymusik, ist zugleich so etwas wie der erklärte Sehnsuchtsort von Hermann Lammers Meyer. Mehr als ein Dutzend Mal sei er dort auf Tour gewesen. Der „American Way of Life“ gefalle ihm einfach.

In der Countrymusik-Szene in den Staaten ist Lammers Meyer als „Herman the German“ bekannt. Tritt er dort auf (solo oder mit Band), interpretiere er immer wieder auch „deutsche Songs im Country-Stil, gepaart mit ein bisschen Blödsinn“.

Aus der Hillbillies-Gründerzeit in den 1970er-Jahren: (oben, von links) Ronny Seffinga, Horst Bösing, Ulli Möhring, Heini Sürken sowie (von links) Hermann Lammers Meyer und Klaus Hagemann. Foto: Sammlung Hermann Lammers Meyer
Aus der Hillbillies-Gründerzeit in den 1970er-Jahren: (oben, von links) Ronny Seffinga, Horst Bösing, Ulli Möhring, Heini Sürken sowie (von links) Hermann Lammers Meyer und Klaus Hagemann. Foto: Sammlung Hermann Lammers Meyer

Dabei ist es dem Aschendorfer mit seiner Musik, mit der der gelernte Reedereikaufmann nie das große Geld verdient hat, ernst. „Wir versuchen, den traditionellen Countrysound zu halten und beispielsweise nicht die Schlagerszene zu bedienen“, betont Lammers Meyer. Vielleicht ist ihm und den Hillbillies auch deshalb trotz TV-Auftritten vor einem Millionenpublikum wie in Karl Moiks „Musikantenstadl“ oder einer längerfristigen Zusammenarbeit mit dem Sänger und Produzenten Achim Reichel („Aloha Heja He“) der ganz große Durchbruch verwehrt geblieben. „Wir wollten uns eben nicht verbiegen lassen“, erklärt Vollblut-Countrymusiker Lammers Meyer.

Jubiläumskonzert in Papenburg

Folgerichtig dürfen sich eingefleischte Fans auf das Jubiläumskonzert am kommenden Sonnabend, 25. November, in der Papenburger Stadthalle Forum Alte Werft freuen.

Wenn es sich irgendwie arrangieren lässt, würde Lammers Meyer mit den Hillbillies das Jubiläum gern auch in Texas feiern. Dass der Aschendorfer darüber überhaupt wieder ernsthaft nachdenken kann, ist nicht selbstverständlich.

In der ersten Phase der Corona-Pandemie erlitt er einen Schlaganfall. Im Zuge der Rehabilitation musste Lammers Meyer auch das Spielen auf seiner geliebten, 50 Jahre alten Pedal Steel Guitar neu erlernen – wie zeit seines Lebens im Übrigen, ohne Noten zu lesen. „Das konnte ich nie“, sagt er.

Seine volle Leistungsfähigkeit habe er zwar nicht wiedererlangt, „aber ,Bauer Barnes Mühle‘ kriegen wir immer noch hin“. Der Song, dessen Geschichte „bei Rhede, rechts der Ems“ spielt, zählt zu den Klassikern der Hillbillies.

Radioshows für 15 Sender

Was Lammers Meyer ebenfalls nach wie vor hinkriegt, ist das regelmäßige Produzieren von Radiosendungen. Die Shows nimmt er in seinem kleinen Studio in seinem Wohnhaus in Aschendorf auf. Von dort schickt er die Dateien an etwa 15 Sender unter anderem in die USA (Nashville), nach Schweden und Neuseeland. Aber auch auf der Ems-Vechte-Welle ist Lammers Meyer zu hören. Nach dem Jubiläum soll außerdem ein Buch über ihn erscheinen.

Lammers Meyer versprüht aus jeder Pore die große Liebe für seine Musik. Das verfolgt ihn zuweilen buchstäblich bis in den Schlaf. „Mitten im Traum habe ich einmal einen tollen Song geschrieben. Text, Melodie, super arrangiert – der war richtig gut.“ Die Betonung liegt auf „war“. Denn Lammers Meyer versäumte es, das Ganze gleich nach dem Aufwachen aufzuschreiben und aufzunehmen. „Das bereue ich“, räumt er ein – und kann darüber dennoch gelassen schmunzeln.

Das Jubiläumskonzert findet am kommenden Sonnabend, 25. November, in der Papenburger Stadthalle Forum Alte Werft statt. Los geht es um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 20 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei Papenburg Kultur (Tel. 0 49 61 / 82 53 07, E-Mail: kultur@papenburg.de) sowie an der Abendkasse. Auf der Bühne werden auch einige Gastmusiker stehen. Geprobt wird in der Jugendhilfeeinrichtung Johannesburg in Surwold.

Ähnliche Artikel