Verkehr in Aurich  Nadelöhr Fockenbollwerkstraße wird noch enger

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 20.11.2023 14:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Fockenbollwerkstraße in Aurich ist derzeit eine Großbaustelle. Autos können sie nur in eine Richtung befahren. Foto: Ortgies
Die Fockenbollwerkstraße in Aurich ist derzeit eine Großbaustelle. Autos können sie nur in eine Richtung befahren. Foto: Ortgies
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Auf der Großbaustelle Fockenbollwerkstraße in Aurich tut sich in dieser Woche Entscheidendes. Das bedeutet noch mehr Einschränkungen für den Verkehr. Doch es gibt Hoffnung auf baldige Besserung.

Aurich - Es wird erst richtig schlimm und dann ein bisschen besser: Diese Beschreibung trifft auf die Fockenbollwerkstraße (L 34) in Aurich zu. Seit Juni 2022 lassen das Land Niedersachsen und die Stadt Aurich die vielbefahrene Straße in der östlichen Innenstadt von Grund auf erneuern. Rad- und Gehwege, Parkstreifen und Regenwasserkanal werden neu gebaut. Außerdem hat die rund 600 Meter lange Straße nun am östlichen Ende (Richtung Krankenhaus) einen Kreisverkehr. Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Aufgrund von Planungsfehlern bei der Kanalisation verzögern sie sich bis Mitte 2024.

Autos und Lastwagen können die Fockenbollwerkstraße während der Bauphase nur in Richtung Innenstadt befahren. In Richtung Egels/Wallinghausen wird der Verkehr umgeleitet. In dieser Woche ist es noch haariger: Wegen Asphaltierungsarbeiten auf der Nordseite kann die Straße von Lastwagen überhaupt nicht mehr genutzt werden, und einige Nebenstraßen sind nur über Umwege erreichbar. Radfahrer müssen teils absteigen oder ebenfalls Umwege fahren. Von Freitag bis Sonntag kommt es ganz dicke: Dann wird die Fockenbollwerkstraße für Kraftfahrzeuge voll gesperrt. Es gibt also vom Kreisverkehr bis zum Fischteichweg kein Durchkommen. Gewerbebetriebe sind in dieser Zeit nur von der Rückseite aus zu erreichen.

Probeweise in beide Richtungen

Die Gewerbetreibenden müssen seit anderthalb Jahren mit Einbußen leben, da ihre Geschäfte, Praxen und Büros für Auto fahrende Kunden nur schlecht erreichbar sind. Für sie gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer: Ab Mitte Dezember will die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr probeweise den vorderen Abschnitt der Fockenbollwerkstraße (etwa bis zum Biomarkt Baier) für Anlieger in beide Richtungen öffnen. Man kann dann also auch wieder aus Richtung Innenstadt in die Straße fahren. Das gilt allerdings nicht für den Schwerlastverkehr, denn es gibt keine Wendemöglichkeit.

Probeweise wird der vordere Teil der Straße in beide Richtungen freigegeben. Grafik: Kirsten Schüür
Probeweise wird der vordere Teil der Straße in beide Richtungen freigegeben. Grafik: Kirsten Schüür

Der Auricher Behördenleiter Frank Buchholz hatte die Probeöffnung im September angekündigt. Der Plan sei nach wie vor aktuell, sagte Buchholz am Montag auf Anfrage. Ein konkretes Datum könne er nicht nennen, fügte er hinzu. „Da müssen wir auch abwarten, wie sich das Wetter entwickelt, ob wir diese Woche den Asphalt komplett reinkriegen.“ Dann fehle noch die Markierung auf der Straße. Ohne sie könne man das Verkehrsexperiment nicht starten. „Das ist bei den jetzigen Witterungsverhältnissen nicht ganz so einfach“, sagte Buchholz. „Wir hoffen, dass wir es trotzdem hinbekommen.“

„Dann muss man die Notbremse ziehen“

Rechtzeitig zur heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts können Autofahrer also wieder aus Richtung Innenstadt in die Fockenbollwerkstraße fahren, wenn sie dort etwas zu erledigen haben, allerdings nur vom Fischteichweg oder von der Leerer Landstraße aus. Die Linksabbiegespur auf der Großen Mühlenwallstraße bleibt gesperrt. Eine Weiterfahrt in Richtung Egels/Wallinghausen ist nicht möglich. Das Ganze ist als Experiment gedacht, um den Gewerbetreibenden entgegenzukommen. „Falls Probleme festgestellt werden, müsste man davon wieder Abstand nehmen“, hatte Buchholz im September gesagt.

Wie viel Zeit gibt sich die Behörde für dieses Experiment? Wie viele Lastwagen dürfen sich festfahren, ehe der Versuch abgebrochen wird? Dazu sagte Buchholz: „Ich glaube, dass alle Beteiligten da sehr schnell zu einem Ergebnis kommen werden. Damit meine ich zum Beispiel auch die Anwohner. Wenn Lkw durch die schmalen Straßen fahren, dann muss man schnell die Notbremse ziehen.“

Rund 30 Prozent Kunden verloren

Zu den von der Sperrung betroffenen Betrieben gehört der Biomarkt Baier. Er habe rund 30 Prozent seiner Kunden verloren, berichtete Inhaber Thomas Baier. Es fehlten der Durchgangsverkehr und die Laufkundschaft. Es stehe für ihn Spitz auf Knopf, sagte Baier im Gespräch mit der Redaktion. „Ich muss wirklich gut haushalten.“ Er habe zum Beispiel die Großhändler gebeten, nicht sofort die Rechnungen für die Weihnachtsartikel zu schreiben, damit er sich mit dem Bezahlen etwas mehr Zeit lassen könne. Baier setzt große Hoffnungen in das Verkehrsexperiment. „Ich brauche das Weihnachtsgeschäft dringend, um weiterleben zu können.“ Er setze darauf, durch die Öffnung der Straße aus Richtung Innenstadt Kunden zurückzugewinnen.

Der Geschäftsmann ist zuversichtlich, dass der Plan aufgeht und der Versuch nicht abgebrochen wird: „Es hat sich eingespielt, dass vor allem Lkw nur aus der einen Richtung kommen. Die Speditionen werden das nicht plötzlich als Freigabe betrachten.“ Das werde ja auch in den Navigationsgeräten nicht so angezeigt. Baier glaubt an das Gute im Menschen: „Die wenigen Autofahrer, die hier berechtigt reinfahren, werden diszipliniert sein.“

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