Besonderes Projekt  Ein Gulfhof für Senioren, Familien und mehr in Rysum

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 19.11.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In diesem Gulfhof in Rysum soll ein ganz besonderes Projekt entstehen. Foto: Wagenaar
In diesem Gulfhof in Rysum soll ein ganz besonderes Projekt entstehen. Foto: Wagenaar
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Eine ganz besondere Vision des Miteinanders soll in einem alten ostfriesischen Gulfhof in Rysum entstehen. Jetzt wurde das Projekt „Rysumer Lü“ erstmals öffentlich vorgestellt.

Rysum - Vor rund vier Jahren war erstmals von einem ganz besonderen Wohnprojekt die Rede: Rysumer Lü. Dahinter versteckt sich die Idee, einen alten Gulfhof in Rysum umzubauen. Statt Verfall soll wieder Leben in einen Am Dorfring gelegenen Hof von 1834 einziehen. Jetzt wurde das Projekt erstmals öffentlich vorgestellt – und es könnte bald alles ganz schnell gehen.

Was und warum

Darum geht es: In Rysum soll ein Wohn- und Gemeinschaftsprojekt entstehen, welches es so in Ostfriesland und der Region noch nicht gibt.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklung des ländlichen Ostfrieslands sowie für neue Arten des Zusammenlebens interessieren.

Deshalb berichten wir: Das Projekt „Rysumer Lü“ wurde erstmals öffentlich vorgestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Eine gerade in der Gründung befindliche gemeinnützige Genossenschaft rund um die Rysumer Kathrin Haarstick, ihrem Sohn Jonathan Haarstick, die Emder Hinrich Eilers und Elke Schiedeck sowie dem Frankfurter Moritz von Bethmann wollen unter dem Motto „Gemeinsam unternehmen, leben, arbeiten, feiern“ eine Gemeinschaft in Rysum gründen, wie es sie in Ostfriesland wohl nicht noch einmal gibt.

Rysumer Lü: Räume zum Leben und Arbeiten

Im Leitbild heißt es, dass sich „Rysumer Lü“ an „alt und jung“ richtet, an gesunde Menschen genauso wie an hilfebedürftige Menschen, an Familien und Paare genauso wie an Singles. Im alten Gulfhof, der seit Jahren auf dem Grundstück zwischen „Am Judendobbe“ und „Äußere Ringstraße“ leer steht, sollen „Räume für das Zusammenleben, das gemeinsame Arbeiten, die Begegnung von Menschen“ geschaffen werden. Es sollen bezahlbarer Wohnraum, ein Pflege- und Betreuungsangebot sowie Angebote der Basisversorgung vor Ort geschaffen werden – und gleichzeitig sollen auch Arbeitsplätze entstehen, beispielsweise in einem Bioladen, einem Café oder einer kleinen Werkstatt. Kulturelle Angebote runden das Projekt ab.

Der Gulfhof gehört zum historischen Dorfkern des Dorfes Rysum und steht unter Ensemble-Schutz. Foto: Wagenaar
Der Gulfhof gehört zum historischen Dorfkern des Dorfes Rysum und steht unter Ensemble-Schutz. Foto: Wagenaar

Es ist ein ambitioniertes Projekt. Die Initiatoren haben alle auf die eine oder andere Art Erfahrungen im Umbau historischer Gebäude, in der Arbeit mit Senioren, mit Menschen mit Behinderung oder in der Arbeit mit Menschen, die aufgrund psychischer Probleme Unterstützung benötigen. Begleitet wird das Vorhaben von der Planungsgesellschaft Kontor um die Architektin Christine Müller.

Baukosten von rund vier Millionen Euro

1050 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche müssen vor dem Verfall gerettet werden. Den Gulfhof haben die Initiatoren bereits gekauft. Vier Millionen Euro an Baukosten soll das Projekt insgesamt kosten, Förderanträge sind gestellt – und die noch bestehende Finanzierungslücke von 500.000 Euro bis 750.000 Euro soll über Stiftungen oder andere Fördermöglichkeiten gedeckt werden. „Bislang haben wir nur unser eigenes Kapital genutzt“, so Hinrich Eilers bei der Vorstellung im Krummhörner Fachausschuss.

Von der Gemeinde Krummhörn wolle man kein Geld, betonten die Initiatoren und Planer. „Aber wenn die Förderanträge genehmigt werden, muss es schnell gehen.“ Daher hoffe man auf Unterstützung bei der Bearbeitung der dann zu stellenden Anträge.

Das soll im Gulfhof Rysumer Lü entstehen

Rund eineinhalb Jahre Zeit hätte das Team, nach Genehmigung der Förderung, die Gelder abzurufen. „Sportlich“ nannte Architektin Christine Müller das im Ausschuss. Aber man sei guter Dinge, dass man in der Zeit folgendes schaffen könne:

  • Zusammenlegung von Erdgeschoss und einem Halbgeschoss im Wohnteil des Gebäudes. Hier sollen Wohnungen, nicht barrierefrei, für Familien mit Unterstützungsbedarf entstehen. Die Planung sieht aktuell drei Wohnungen vor.
  • Im ehemaligen Wirtschaftsteil des Hofes sollen elf barrierefreie Wohnungen im Erd- und Obergeschoss entstehen. Die Größe: zwischen 30 und 80 Quadratmetern, also vor allem an Einzelpersonen und Paare gerichtet. Dafür müssen der Wirtschaftsteil im Innern zurückgebaut, das Gebäude verlängert und das Höhengefälle des Hofes ausgeglichen werden. Ein Fahrstuhl soll ebenfalls eingebaut werden.
  • Im Wirtschaftsteil soll zudem ein „Regional- und Nachbarschaftsladen entstehen. Hier sollen Produkte aus dem geländeeigenen Garten und eigener beziehungsweise regionaler Herstellung verkauft werden.
  • Als letzter „Baustein“ im Gebäude ist ein soziokulturelles Zentrum mit einer Veranstaltungsfläche, einer Gemeinschaftsküche, einem Café und einer Werkstatt geplant.

Auch der Außenbereich soll angepasst werden: Wohnterrassen, Küchen- und Gemeinschaftsgarten, Parkplätze und perspektivisch noch ein möglicher Erweiterungsbau, wie er früher auf dem Grundstück existierte, sind geplant.

Pate für das Vorhaben stehen die Sanierung und der Umbau eines Gulfhofs in Neßmersiel sowie das Kulturtherapeutische Dorf Melchiorsgrund. Letzteres vor allem für den therapeutischen Teil des Projektes, also für die Unterstützung von Familien und Einzelpersonen mit psychischen Problemen.

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