Lenkungsausschuss einigt sich Tidesteuerung der Ems – diese Variante soll‘s werden
Um die Ems wieder zu einem lebendigen Fluss zu machen, soll die Tide mit dem Sperrwerk gesteuert werden. Wie, ist jetzt entschieden. Das geht zu Lasten des Emder Hafens, ein Ausgleich kommt.
Gandersum/Hannover - Die Vertragspartner des Masterplans Ems 2050 haben einstimmig beschlossen: Das Land Niedersachsen soll das Planfeststellungsverfahren für die Tidesteuerung mit dem Emssperrwerk auf den Weg bringen. Laut einer Mitteilung des Umweltministeriums hat der Lenkungskreis am Freitag bei einer Sitzung in Hannover beschlossen, mit der Variante „Tideniedrigwasseranhebung“ ins Verfahren zu gehen. Das Genehmigungsverfahren soll 2025 starten.
Bei der „Tideniedrigwasseranhebung“ werden die Tore des Sperrwerks bei ablaufendem Wasser geschlossen – zwei Stunden vor Niedrigwasser. Der Niedrigwasserpegel fällt dadurch oberhalb des Emssperrwerks nicht normal ab, sondern bleibt rund einen bis eineinhalb Meter über dem heutigen Niedrigwasser stehen. Stromab vom Sperrwerk läuft das Wasser im normalen Tideverlauf weiter ab und steigt mit der einsetzenden Flut wieder an. Bei gleichem Wasserstand auf beiden Seiten des Sperrwerks werden die Tore wieder geöffnet.
Beide Varianten geeignet
Zur Debatte stand als zweite Variante die Flutstromsteuerung. Den Angaben nach sind beide Techniken geeignet, die problematische Schlickbelastung des Flusses deutlich zu reduzieren, damit den Sauerstoffgehalt deutlich anzuheben sowie die Salzgehalte zu senken. Mit beiden Varianten sei es daher möglich, das Hauptziel des Masterplan-Vertrags nachhaltig zu erfüllen: die Ems zurück in einen für Fische und andere Lebewesen lebenswerten Zustand zu versetzen.
Über Gutachten wurden dann die weiteren Ziele des Masterplans Ems abgeklopft: Erhalt der Leistungsfähigkeit der Bundeswasserstraße und Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Dabei sei herausgekommen, dass die Auswirkungen der Flutstromsteuerung auf den Schiffsverkehr deutlich negativer sind – und auch für die Schifffahrt kaum auszugleichen.
Lösung für Emder Hafen
Knackpunkt der nun gewählten Variante: Ein Test 2020 hatte aufgezeigt, dass die Tideniedrigwasseranhebung sich negativ auf die Autoverladung im Emder Hafen auswirkt, weil dort nach dem Schließen des Sperrwerks der Wasserstand schnell und deutlich sinkt. Hierfür gibt es laut Umweltministerium aber Lösungen. Das Land Niedersachsen stelle vorbehaltlich des noch ausstehenden Haushaltsbeschlusses im Landtag 70 Millionen Euro zur Verfügung, um einen Großschiffsliegeplatz im Emder Hafen zu bauen.
Auch die Umweltverbände, die neben Vertretern des Landes Niedersachsen, der Bundeswasserstraßenverwaltung, der Landkreise Emsland und Leer und der Stadt Emden sowie der Papenburger Meyer Werft zum Lenkungskreis gehören, halten die Variante den Angaben nach für ökologisch weniger sinnvoll als die Flutstromsteuerung.
Minister sprechen von einem guten Tag
Die Auswirkungen der Tideniedrigwasseranhebung auf die Planungen von Naturschutzprojekten des Masterplans Ems sollen deshalb geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, so das Umweltministerium. Dessen Minister Christian Meyer (Grüne) und Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) waren sich einig: „Für Umwelt, Wirtschaft und die Menschen an der Ems ist der heutige Beschluss ein guter Tag.“