Kritik an Hundezüchtern Ostfriesin bietet mit Retro-Mops Alternative zu Turbo-Mops
Die Züchter einiger Hunderassen geraten immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik. Einige von ihnen denken jetzt um. Darunter ist auch eine Züchterin aus Leezdorf.
Ostfriesland - Er schnieft, er röchelt, er hinkt. Kaum etwas spricht für den Mops in seiner denaturierten, also vom Menschen kaputtgezüchteten Form. Und doch erfreut sich die Rasse der kurzbeinigen, plattnasigen Gnomhunde sehr großer Beliebtheit. Das ist unter anderem befeuert worden durch Blockbuster wie „Men in Black“ mit Will Smith, aber auch durch Liebeserklärungen, wie Vicco von Bülow, alias Loriot, sie formuliert hat: „Ein Leben ohne Mops sei möglich, aber sinnlos.“ Diesen Satz kann Nina Rimann blind unterschreiben. Die 59-Jährige züchtet seit 15 Jahren Möpse, zunächst in ihrer Heimat im Odenwald, seit etwas mehr als einem Jahr in Dunum. Dort hat sie mit ihrem Mann einen Gulfhof gekauft und hundegerecht umgestaltet, wie sie sagt. „Wir haben das Grundstück von 7000 Quadratmetern komplett eingezäunt, der Zaun ist 1,70 Meter hoch“, sagt die Züchterin. Jetzt steht Ungemach ins Haus. Die Politik will laut Medienberichten ein Zuchtverbot von Möpsen durchsetzen. Die rechtliche Grundlage dafür ist nach Auffassung von Experten bereits gegeben. Laut Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes sind Qualzuchten verboten. Das Problem: Dieser Passus wird nicht angewandt.
Die aktuell aufgeflammte Debatte spaltet die Züchter. Nina Rimann kann die Argumentation der Kritiker nicht verstehen. Sie selbst habe niemals Möpse gehalten, die körperliche Einschränkungen aufgewiesen hätten. Sehr in der Kritik steht vielfach die stark verkürzte Nase, die das Atmen vor allen Dingen bei leichten körperlichen Einschränkungen stark erschwert. „Unsere Tiere hatten alle langen Nasen“, sagt Nina Rimann. Sie schwärmt von den Möpsen als einer „tollen Rasse“. In der Tat gelten die Tiere als lebendig, fröhlich und familienbezogen. Das Letztere war auch für Sonja Golan der Anlass sich vor neun Jahren Gedanken darüber zu machen, wie man das Wesen des Mops behalten, aber die Gebrechen wie verkrümmte Atemwege oder Hüftschäden ausmerzen könnte. Die Züchterin aus Leezdorf hat deshalb nach einer Rasse gesucht, die man einkreuzen könnte.
Der Hund sollte auch sportlich sein
Sie ist nach intensiven Recherchen, wie sie berichtet, auf den Airedaile-Terrier gestoßen, eine sehr robuste Rasse, bei der es laut ihren Recherchen niemals um ästhetische Kriterien ging, sondern immer um die Arbeitstauglichkeit des Hundes. „Da ist keine Erbkrankheit drin“, ist sie sich sicher. Sie habe Unterstützung von Züchterkollegen erhalten. Zudem habe sie auf ihre eigene Erfahrung als Züchterin von Chihuahua zurückgreifen könne. Das mache sie jetzt bereits seit 25 Jahren. Es sei wichtig, immer ein klares Ziel vor Augen zu haben. Sie hätte niemals mit einem Mops gezüchtet, wie er nach den Kriterien des Verbands Deutscher Hundehalter aussehen sollte. „Das ist überhaupt nicht mein Ding. Wir sind sportlich und wollen einen Hund, der sich auch bewegen kann.“ Aktuell habe sie fünf Zuchthündinnen. Ihre Möpse bezeichnet sie als Retromöpse.
Was Nina Riman macht, entspricht genau dem, was ein Experte auf dem Gebiet fordert. Dr. Achim Gruber hat sich aktuell in seinem Buch „Geschundene Gefährten“ ausführlich mit den Auswüchsen der Zucht-Hybris beschäftigt. Der Tierarzt ist Leiter des Instituts für Tierpathologie an der FU Berlin. In dieser Eigenschaft hat er schon ein Rhinozeros mit der Kettensäge obduziert. Seine tiefe Liebe gehöre allerdings den Kleintieren, hat er unlängst in einem Interview auf WDR 2 Jörg Thadeusz anvertraut. Er untersuche tote Hunde, Katzen und andere Haustiere, um den Lebenden zu helfen, also konkret, um den Haltern und vielleicht auch den Züchtern zu sagen, was sie unter Umständen falsch gemacht haben. So schildert er den Fall der französischen Bulldoggen-Hündin Tinka, die an einem glutheißen Sommermittag verstorben ist. Kurz vorher hatte sie mit ihren Haltern eine halbe Stunde lang Stöckchenwerfen gespielt, bevor sie sich unvermittelt erbrach, auf die Seite sackte und verstarb. „Die Leute haben einfach nicht gewusst, dass sie einen extrem kurznasigen Hund nicht bei hohen Temperaturen einem solchen Sport aussetzen dürfen“, sagt der Tierarzt. Der wies darauf hin, dass der mit seinem „kaputtgezüchteten Schädel“ nicht richtig hecheln könne und deshalb wahrscheinlich einen Hitzeschlag erlitten habe. Professor Gruber sieht nur einen Weg, um aus der Sackgasse der Qualzucht zu gelangen: das Einkreuzen anderer Rassen. Der Wissenschaftler verweist auf Studien, wonach sogenannte Mischlinge wesentlich weniger krankheitsanfällig sind als reinrassige Hunde.