Ärgernis am Deich  Wenn der Pilsumer Leuchtturm zum Sticker-Heft wird

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 18.11.2023 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Uwe und Petra Braselmann aus Ennepetal. Ihr Verein, der 1.FC Köln, ist zwar auch am Pilsumer Leuchtturm verewigt, gut finden die beiden Urlauber es aber nicht, dass der Leuchtturm beschmiert und beklebt wird. Foto: Wagenaar
Uwe und Petra Braselmann aus Ennepetal. Ihr Verein, der 1.FC Köln, ist zwar auch am Pilsumer Leuchtturm verewigt, gut finden die beiden Urlauber es aber nicht, dass der Leuchtturm beschmiert und beklebt wird. Foto: Wagenaar
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Auf Facebook beschweren sich Besucher über das Aussehen des Pilsumer Leuchtturms: viele Aufkleber und Schmierereien. Der Deichacht ist das Problem bekannt, aber...

Pilsum - Was haben Fans vom FC Hansa Rostock, vom 1. FC Köln, vom Fußballclub Winterthur, vom Sportclub Freiburg oder vom FC Rot-Weiss Erfurt gemeinsam? Sie und viele andere machen offensichtlich gerne Urlaub in Ostfriesland – und hinterlassen ihre Spuren am Pilsumer Leuchtturm.

Wo vor eineinhalb Jahren nur ein paar Aufkleber am gelb-roten „Wahrzeichen“ Ostfrieslands klebten, sind es mittlerweile ein paar mehr. „Ich war selbst überrascht, wie viele es mittlerweile sind“, so Frank Rosenberg, Rendant bei der Deichacht Krummhörn, am Mittwoch. „Das hat ein gewisses Eigenleben entwickelt“, sagt Rosenberg. Der Pilsumer Leuchtturm gehört der Deichacht Krummhörn und wird von dieser instandgehalten.

Besonders Fußballfans scheinen klebefreudig zu sein. Foto: Wagenaar
Besonders Fußballfans scheinen klebefreudig zu sein. Foto: Wagenaar

Der Turm als „Gästebuch“

Es sind nicht nur Aufkleber von Fußballvereinen und ihren Fanclubs, die den Pilsumer Leuchtturm vor allem an einer Stelle zieren. Es gibt auch andere, aber die Aufkleber mit Fußballbezug sind sehr dominierend. „Es ist ein Ärgernis“, sagt Rosenberg. Aufkleber sind dabei ein eher neues Phänomen. „Sonst hatten wir es eher mit Anwesenheitsmeldungen in Form von Edding zu tun“, sagt Rosenberg.

Auch diese Zeugnisse von Urlaubsreisen und Lieben gibt es noch. Adrian und Nele sind ein Paar (oder waren es am 1. Juli 2021 zumindest), Stefan und Claudi liebten sich erst im Oktober am Leuchtturm. Am 2. September dieses Jahres hinterließ jemand einen „Gruß an Tinaaa + Tanja“, Dustin war auch irgendwann mal da, Marius auch, genauso die Familie „Heinz+Roth“. „Wir überstreichen das in regelmäßigen Abständen, alle zwei bis drei Jahre“, sagt Rosenberg. Die Deichacht habe auch schon überlegt, Tafeln für diese „Gästebucheinträge“ anzubringen. Man habe sich aber dagegen entschieden. „Das würde das wahrscheinlich nur befördern“, so Rosenberg.

Größere und kleinere Ärgernisse

Ein wirklich großes Problem sieht die Deichacht in den Hinterlassenschaften nicht. „Wir reagieren da meist eher gelassen“, so Rosenberg. Wenn es aber konkrete Hinweise auf den oder die Täter gibt, werde das auch zur Anzeige gebracht. „Es ist immer noch Sachbeschädigung“, betont Rosenberg. Die Aufkleber würden aber mehr Aufwand bedeuten als die Botschaften in Edding. „Da können wir nicht einfach drüberstreichen“, sagt Rosenberg. Irgendwann muss da ein Mitarbeiter mit Lösungsmittel und Spachtel ran. „Das bindet Zeit, das ist ärgerlich“, sagt der Rendant.

Viel Zeit, die auch zumindest ein Besucher investiert hat: „Hellweg“ ist in die Farbe am unteren Teil des Leuchtturms geritzt, der Stahl des Leuchtturms schimmert durch. „Man versteht es nicht“, sagt Rosenberg. „Schade, dass man den Leuchtturm so verschandelt.“

Nicht geklebt,nicht geschmiert, sondern gleich tief eingeritzt ist diese "Botschaft". Foto: Wagenaar
Nicht geklebt,nicht geschmiert, sondern gleich tief eingeritzt ist diese "Botschaft". Foto: Wagenaar

Aufkleber auch andernorts zunehmendes Problem

Wie groß das Problem mit Edding-Schmierereien und Aufklebern im öffentlichen Raum ist, lässt sich derweil schwer beziffern. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass nicht jede Schmiererei, jeder Aufkleber gleich störend ist und entsprechend ins Auge fällt. Es hängt auch damit zusammen, dass die oft Verwaltungen keine Statistik darüber führen, wie oft Edding oder Aufkleber entfernt werden müssen.

Dies geschieht eher „nebenbei“, wie sowohl die Stadt Emden als auch die Gemeinde Krummhörn auf Nachfrage mitteilen. „Graffitis/Schmierereien und Aufkleber werden nach Bekanntwerden zeitnah entfernt“, so Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden. Der Zeitaufwand auf das Jahr gerechnet: 25 bis 30 Stunden. „Aufkleber sind hier seltener zu entfernen“, so Looden.

Das sieht in Emden offenbar anders aus: „Zur Zeit sind Graffitis kein größeres Problem, was sich natürlich immer ändern kann. Bei den Aufklebern würde ich schon von einer permanenten Belastung in der Innenstadt sprechen“, teilt Stadtsprecher Eduard Dinkela mit. Gerade in der Brückstraße in Emden sei die Zahl der Aufkleber auffällig. Die Aufkleber würden „im Tagesgeschäft bei ‚Regel-Kontrollfahrten‘ im Stadtgebiet von den Kolleg*innen des Bau- und Entsorgungsbetriebes“ entfernt. Graffitis und größere Schmierereien würden auch vorkommen und zur Anzeige gebracht. „Die Entfernung ist entsprechend aufwendig und verursacht jährlich ungefähre Kosten von rund 20.000 Euro“, schreibt er.

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