Köln  Madonna-Konzert in Deutschland: So liebt oder hasst man sie

Kim-Khang Tran
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Von Kim-Khang Tran
| 16.11.2023 15:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Madonna nahm das Publikum auf eine Reise durch die Meilensteine ihrer Karriere. Auch mit 65 Jahren weiß sie zu begeistern und zu provozieren. Foto: Kevin Mazur/WireImage/WireImage for Live Nation
Madonna nahm das Publikum auf eine Reise durch die Meilensteine ihrer Karriere. Auch mit 65 Jahren weiß sie zu begeistern und zu provozieren. Foto: Kevin Mazur/WireImage/WireImage for Live Nation
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Madonna machte ihrem Ruf in Köln alle Ehre: Beim ersten ihrer vier Deutschland-Konzerte ließ sie das Publikum lange warten, zeigte dann aber, was sie in ihrer langen Karriere bewegt hat und was sie auch mit 65 Jahren noch alles kann.

Wer heutzutage von einem Madonna-Konzert schwärmt, trifft nicht gerade auf Gegenliebe. „Sie hat ihre besten Tage längst hinter sich“, lautet eine typische Reaktion aus Madonnas eigener Generation. „Ich wusste nicht, dass es die überhaupt noch gibt“, heißt es wiederum in der Generation ihrer Kinder. Das Konzert am Mittwochabend in der Kölner Lanxess-Arena war eine Antwort auf beides: Madonna nahm das Publikum mit auf eine Reise durch ihre 40-jährige Karriere und erinnerte nicht nur an ihre größten Meilensteine, sondern beeindruckte auch mit ihrem Gesang, ihren Tanzeinlagen und ihrer künstlerischen Vision.

„Time goes by so slowly for those who wait“, heißt es im Lied „Hung Up“ – ‚Zeit vergeht so langsam für die Wartenden‘. Das bekamen die Konzertbesucher gleich zweimal zu spüren: Der Einlass verspätete sich um mehr als eine halbe Stunde, der Konzertbeginn um anderthalb Stunden, was den einen oder anderen spöttischen oder empörten Kommentar mit sich zog. Doch für La-Ola-Wellen ließ sich das Publikum trotzdem gewinnen – und als Madonna endlich auf der Bühne stand, wurde gejubelt.

Besonders „Hung Up“ und Hits aus den 1980ern wie „Open Your Heart“ oder „Like a Prayer“ kamen beim Publikum insgesamt gut an. Doch Fans jeder Madonna-Ära kamen im Laufe des Abends auf ihre Kosten: So fing etwa ein anfangs sichtlich gelangweilter Zuschauer plötzlich an zu jubeln, als das laute Stöhnen von „Erotica“ losging. Als Madonna eher unbekannte Lieder wie „Causing a Commotion“ anstimmte, sangen nur die größten Fans mit – das aber so laut, dass sich die Queen of Pop beeindruckt zeigte.

Vier Jahrzehnte Madonna sollte das Konzert feiern, im Fokus standen klar die ersten beiden – von den neueren Liedern schafften es nur „Hung Up“ und „Bitch I‘m Madonna“ ins Programm. Manche der größten Hits fehlten, darunter „Material Girl“. Auch „Like a Virgin“ sang Madonna nicht, stattdessen wurde es in einem Video eingeblendet – als Medley mit Michael Jacksons „Billie Jean“, was das Publikum zum Mitsingen brachte und zugleich den „King of Pop“, Madonnas damaligen großen Rivalen, würdigte.

Die „Celebration Tour“ hätte eine bloße Aneinanderreihung der bekanntesten Lieder sein können, doch stattdessen ging es Madonna darum, ihre Lebensgeschichte und ihre künstlerische Vision zu feiern. So widmete sie etwa das Lied „Mother and Father“ aus dem weniger erfolgreichen Album „American Life“ ihrer verstorbenen Mutter – eines ihrer Lieblingsmomente der Show, wie sie erzählte. Auch sonst gab es den einen oder anderen intimen Moment. „Dankeschön“, sagte sie an einer Stelle auf Deutsch.

Wer noch Madonnas Auftritt bei den Eurovision Song Contest im Jahr 2019 in Erinnerung hat, kann sich sicherlich an ihre schiefen Töne bei „Like a Prayer“ erinnern. Umso mehr konnte sie am Mittwochabend in Köln mit ihrer guten Stimme vom ersten Lied an überraschen. Vorwürfe, dass sie nur ihre Lippen bewege, bestätigten sich nicht: Als sie an einer Stelle ihren Einsatz verpasste oder den Text vergaß, war zwar leise im Hintergrund die Stimme aus der CD zu hören, doch dann sang sie hörbar live. Ohnehin stand ihre Stimme so sehr im Vordergrund wie vielleicht noch nie: So gab es Balladen wie „Live to Tell“, „Crazy for You“ und „Rain“ zu hören.

In den Hintergrund traten Madonnas Tanzkünste. Bei „Into the Groove“ zu Beginn der Show gab sie bei einer Tanzeinlage einmal alles und brachte das Publikum zum Staunen, danach ließ sie es ruhiger angehen. Nicht nur angesichts ihres Alters sei ihr das gegönnt – auch eine schwere Infektion vor nur wenigen Monaten hat sie hinter sich.

Auch für ihre Provokationen wird Madonna geliebt oder gehasst – die großen Schockmomente blieben diesmal jedoch aus. Wieder spielte sie bei „Like a Prayer“ mit Religion und Sex, bei „Hung Up“ küsste sie eine oberkörperfreie Tänzerin, zu „Papa Don‘t Preach“ masturbierte sie auf einem roten Bett wie 1990 bei ihrer Blond Ambition Tour. Doch damit erinnerte sie eher an die damals bahnbrechenden Momente.

Eine „Celebration“, also eine Feier, hat Madonna versprochen und auch geboten. So war das Konzert vor allem auch ein einmaliges Erlebnis und Spektakel – und zwar nicht nur auf der Bühne mit dem Einsatz von Feuer, Laserstrahlen, einer riesigen Discokugel, Perücken und Kostümen aus Madonnas langer Karriere. Eine Zuschauerin erschien im „Like a Virgin“-Brautkleid, ein Zuschauer im „Erotica“-Kostüm – das Konzert bot ihnen die Gelegenheit, gemeinsam mit Madonna in Erinnerungen zu schwelgen.

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