Zehnjähriges Bestehen in Emden  Ganz eigene Fußstapfen im Ballett-Tanz setzen

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 16.11.2023 14:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit zehn Jahren in Emden: Katharina Riebschläger (rechts). Foto: J. Doden
Seit zehn Jahren in Emden: Katharina Riebschläger (rechts). Foto: J. Doden
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Die Ballet-Factory in Emden wird zehn Jahre alt – oder besser jung. Denn mit verstaubten Vorstellungen hat die zeitgenössische Tanz-Schule von Katharina Riebschläger nichts gemein.

Emden - Wenn an diesem Wochenende noch mehr am Kattewall los ist, als sowieso schon, deutet das auf einen runden Geburtstag hin. Die Ballet-Factory in Emden wird zehn Jahre alt - oder besser jung, denn die Tanzschule setzt ihre eigenen Akzente, wie Katharina Riebschläger sagt. „Ich bin keine Nachfolgerin, trete in keine Fußstapfen, sondern setze meine eigenen.“

Was und warum

Darum geht es: Die Emder Ballet-Factory feiert Geburtstag.

Vor allem interessant für: alle, die Tanzen und die besondere Sparte Ballett schätzen

Deshalb berichten wir: Tanzschulen sind Perlen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in deren meist bewegungsarmen Alltag. Auch Erwachsene schätzen das Tanzen. Wenn sich die besondere Sparte Ballett unter so hochqualifizierter Leitung in Emden verstetigt, ist es allemal einen Bericht wert.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.schuurman@zgo.de

Und die sind offenbar groß und besonders genug, um auch in der relativ kleinen Stadt Emden zu bestehen. Auch hier ist die Nachfrage nach Ballett-Tanz da, wo vor über zehn Jahren eine Lücke klaffte, weil ein Verein kein Ballett mehr anbieten konnte und eine andere Tanzschule das nicht mehr wollte. Seinerzeit war der Tanzpädagogin mit internationaler, ellenlanger Ausbildungsvita von der Folkwang-Universität der Künste in Berlin über viele weitere Stationen bis zur Royal Acemy of Dance in London herangetragen worden, dass es keine Ballett-Schule mehr in Emden gibt.

Gute Fügung am Kattewall

Zunächst startete sie im Sommer 2013 mit einer Kollegin ein Ballett-Projekt in einem Fitness-Center. Sehr schnell seien die Kurse voll gewesen. Immer mehr Eltern seien an sie herangetreten. Immer mehr Kinder und Jugendliche wollten sich im Ballett-Tanz ausprobieren.

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„Und dann kam es, wie alles im Universum“, sagt Katharina Riebschläger. „Es war gute Fügung, dass das Studio Schuster am Kattewall leerstand.“ Im November 2013 mietete sie die Räumlichkeiten und gründete die Ballet-Factory. Seit 2020 gehört ihr das Tanzstudio.

Prüfung als Tanzereignis

130 Schülerinnen und ein Schüler kommen aktuell mehrmals die Woche in die Factory. Ab Januar kommt noch ein Kurs aufgrund der Nachfrage dazu, macht nochmals zehn Tänzerinnen mehr. Sie sind zwischen drei und 60 Jahre alt. Und ihre Ansprüche sind durchaus unterschiedlich.

Kinder sollen erst einmal die Freude am Tanz bekommen, alles Mechanische erlernen, ihre Beweglichkeit trainieren und „in Kreativität abtauchen“, so die Tanzpädagogin. Und das auch mit Prüfungen: „Kinder brauchen Ziele“, sagt Riebschläger. „Prüfungen sind für sie kein Stress, sondern ein tolles Tanzereignis, wenn sie ihre Übungen vor einer externen Prüferin zeigen können und dann eine Klasse höher rutschen.“

Ganzheitlicher Unterricht

Aber auch 17-Jährige würden solche Prüfungen noch immer als ihre „ganz eigene Challenge“ betrachten. Drei-, viermal die Woche trainieren sei keine Seltenheit, wobei das klassische Ballett in dem Alter weniger im Vordergrund steht. Zeitgenössischer Tanz ist dann angesagt. „Die lieben die Kombi“, sagt Riebschläger. Selten sei es, dass Jugendliche oder junge Erwachsene sich ganz vom klassischen Ballett abwenden würden. Die Kombi sei Teil der Company, die Riebschläger gegründet hat. „Wichtig ist, ganzheitlich zu unterrichten“, sagt sie. „So unterrichten, dass jede Tänzerin Fortschritte spürt und entdeckt: Huch, jetzt kann ich diesen Sprung.“

Fühlt sich in Emden gebraucht: Tanzpädagogin Katharina Riebschläger. Foto: J. Doden
Fühlt sich in Emden gebraucht: Tanzpädagogin Katharina Riebschläger. Foto: J. Doden

Zeigen können das die Tänzerinnen natürlich nicht nur in Prüfungssituationen, sondern auch in regelmäßigen Shows. Im Mai dieses Jahres gab es die letzte gut besuchte Veranstaltung in der Nordseehalle, kombiniert mit eigenen Szenen-Texten. Es war allerdings auch die erste Bühnen-Show nach der pandemiebedingten Pause seit 2019. Die Tänzerinnen haben in dieser schwierigen Zeit nicht die Leidenschaft fürs Ballett verloren, wie sich dem Publikum zeigte.

WanderDanz für alle

Während der Lockdowns und immer wieder verschobenen Show-Termine war Katharina Riebschläger durch einen Podcast auf ein Tanz-Projekt in Südafrika gestoßen. Nahe Kapstadt engagieren sich Tänzer dafür, Kinder von der Straße zu holen und ihnen Raum zum Tanzen zu geben. Sie selbst reiste dorthin, gründete daraufhin WanderDanz, eine Hilfsorganisation, die weder in Emden noch in ihrer Wahlheimatstadt Wilhelmshaven verortet ist, sondern weltweit wirken soll und überregional Mitglieder wirbt.

Auch seit zehn Jahren in der Ballet-Factory: Ella Meiser (14, von links), Jelte Symens (15), Juliane Lücht (14) und Tomke Juretschke (15). Foto: J. Doden
Auch seit zehn Jahren in der Ballet-Factory: Ella Meiser (14, von links), Jelte Symens (15), Juliane Lücht (14) und Tomke Juretschke (15). Foto: J. Doden

Einnahmen aus den Shows der Ballett- und Tanzschulen kommen beispielsweise dem Projekt in Südafrika zugute, um mit einer Halle oder einem Haus tatsächlichen Raum für die Tänzer zu schaffen. So werde mit der Leidenschaft zum Tanz auch für andere viel bewirkt.

Tanzen für Profis

Katharina Riebschläger ist vielseitig für ihre Leidenschaft, den Tanz, unterwegs. Und sie sorgt dabei nicht nur für Laien-Nachwuchs. Auch jene, die sich das Tanzen professionell auf die Fahnen geschrieben haben, kommen in die Emder Ballett-Schule. Katharina Riebschläger bietet dort berufsvorbereitende Kurse für Tanz oder Bühne nach international anerkannten Standards an.

Zuletzt hat Katharina Riebschläger in Wilhelmshaven die künstlerische Leitung als Choreografin für die Landesbühne Nord übernommen. „Stillstand ist nicht mein Anspruch“, sagt Katharina Riebschläger. Und die 38-Jährige meint es ernst. So fließen auch immer wieder Einflüsse aus Tanzworkshops aus London oder Berlin mit in ihre Ballett-Schule ein, in ihre Art der Choreografie. „Den Input bringe ich mit, weil die Tanzwelt nicht stillsteht, weil Ballett nichts Verstaubtes ist und weil nur Weiterentwicklung glücklich macht.“

Die Schülerinnen in Emden und ihr Schüler schätzen ihren Anspruch. Und sie werden das Zehnjährige ihrer Factory feiern: Mit einer „Open-Stage“ am Freitagnachmittag ab 17 Uhr in der Ballet-Factory am Kattewall, am Samstag mit einem Tanzprogramm für Eltern und Freunde.

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