Emden Airport Heli-Service boomt – und sucht international Mitarbeiter
Das Hubschrauber-Unternehmen Heli-Service Emden hat sich zu einem weltweit gefragten Spezialisten in der Offshore-Fliegerei entwickelt. Nur die Suche nach Mitarbeitern dämpft die Dynamik etwas.
Emden - Das Helikopter-Unternehmen Heli-Service wächst und wächst - sowohl am Hauptsitz in Emden als auch in allen internationalen Dependancen. Allein die Suche nach Fachpersonal dämpft die Dynamik, wie Oliver Freiland, Chef des Unternehmens, im Gespräch mit dieser Zeitung sagte. Dringend würden für noch mehr Wachstum mehr Leute gebraucht. „Dabei sind wir eigentlich ein Magnet für gute Mitarbeiter.“
Was und warum
Darum geht es: Wachstum eines mittelständischen Spezialunternehmens in Emden
Vor allem interessant für: alle, die die Entwicklung im Offshore-Luftverkehr verfolgen und jene, die sich dort einen Arbeitsplatz vorstellen können. Mitarbeiter werden gesucht.
Deshalb berichten wir: Heli-Service Emden hat sich sich im Offshore-Bereich zu einem weltweit gefragten Spezialunternehmen entwickelt. Und die Nachfrage für das Know-How aus Emden steigt mit dem Bau von weiteren Windparks weiter. Die Autorin erreichen Sie unter: s.schuurman@zgo.de
Wie passt das zusammen? Weltweit sei die Nachfrage nach Technikern im Flugzeug- und vor allem im Helikopterbereich enorm gestiegen, erklärt Freiland. Durch die Verlagerung bei Öl- und Gasförderung seit dem Ukraine-Krieg in andere Förderländer sei es zu einer „Heli-Vielfliegerei“ gekommen. Und Energieunternehmen könnten „ganz andere Gehälter“ zahlen, als beispielsweise ein mit Offshore befasstes Unternehmen wie Heli-Service.
Heli-Techniker mit langer Ausbildung
Neben dem allgemeinen Flugzeugbau ist der Heli-Techniker zudem nochmals deutlich höher qualifiziert und entsprechend rar. Etwa sieben Jahre Ausbildung und Erfahrung muss dieser vorweisen, um einen Helikopter nach der Wartung wieder flugbereit stellen zu können.
Erschwerend: Die Helikopter-Sparte in Deutschland ist noch eine kleine - wenngleich sich diese im Offshore-Fliegen etabliert. Aber für Gas- oder gar Ölförderung wurden bislang hierzulande keine Flug-Techniker gebraucht. Sprich: Für die Gewinnung von Fachtechnikern und auch entsprechend versierten Piloten muss sich ein deutsches Helikopter-Unternehmen international umschauen. „Etwa 70 Prozent unserer Mitarbeiter, im technischen Bereich sogar 80 Prozent, sind international“, sagte Freiland.
Punkten bei internationaler Ausrichtung
Und hier wiederum kann Heli-Service gegenüber Konkurrenzfirmen punkten, wie Stephanie Riecker, Marketing- und Kommunikationsleiterin von Heli-Service, verdeutlicht. „Wir setzen darauf, die Leute zu entwickeln - in Ausbildung und Erfahrung“, sagte Riecker. Die Aufgaben im Offshore-Fliegen seien nochmals interessanter, als in vielen anderen Bereichen mit Helikopter-Transport. „Und dann können wir auch mal fragen: Willst Du jetzt mal für drei Wochen zum Support in die USA oder nach Taiwan?“
In beiden Ländern expandiert Heli-Service seit einiger Zeit. In Fernost arbeitet Heli-Service für den weltgrößten Windanlagen-Hersteller Vestas, der an der Westküste von Taichung einen Windpark errichtet. In den USA hat Heli-Service ein Partnerunternehmen gegründet (Heli-Service USA) mit Sitz in Boston. Dort bauen der andere dänische Windanlagenhersteller, Ørsted, und das amerikanische Energieversorgungsunternehmen Eversource vor der Küste Rhode Islands einen Offshore-Windpark. Auch dort ist das spezielle Know-How von Heli-Service gefragt.
In der Luft stehen und abseilen
Heli-Service ist nach eigenen Angaben „mit Abstand“ Weltmarktführer im Hoisting. Darunter versteht man das Transportieren von Mitarbeitern und Materialien an schwer zugängliche Orte wie eben Offshore-Windräder auf hoher See unter dem Einsatz spezieller Winden. „Zwischen 12.000 und 15.000 Hoists haben wir im Jahr, das macht niemand anderes“, sagte Freiland. „Unser Helikopter-Service ist genau angepasst auf Windparks.“
Wer einmal am Flugplatz in Emden vorbeikommt, wird womöglich einen der Helis beobachtet haben, der minutenlang quasi in der Luft steht, bevor sich die Schnauze nach unten neigt und der eigentliche Flug beginnt. Man bekommt eine Ahnung davon, wie der Transport von Mann und Maus auf die Offshore-Plattform funktioniert.
Joint-Venture mit Japanern
Und das lernen jetzt auch Japaner in Emden. Mit Nakanihon Air, der zweitgrößten japanischen Helikopterfirma, hat Heli-Service zuletzt ein weiteres Joint-Venture geschlossen. Ihre Mitarbeiter werden in Emden ausgebildet. „Wir helfen dem japanischen Unternehmen, sich auf Windparks vorzubereiten“, sagte Freiland. Piloten werden in Emden geschult, Techniker aus Emden gehen nach Japan. „Das hat doch was“, sagte Freiland. „Wenn Japaner technisches Wissen in Ostfriesland erwerben, aus der Zentrale in Emden in die ganze Welt.“
32 Piloten sind aktuell direkt bei Heli-Service angestellt, 54 Techniker, insgesamt 210 Mitarbeiter. Darunter viele Niederländer, Portugiesen, Spanier, auch Inder, wie Freiland aufzählt. Wobei bei Nicht-EU-Mitgliedern, eben auch Engländern, die Einstellung durch bundesdeutsche Regelungen sehr erschwert würde. Von Bemühungen, den Weg für ausländische Fachkräfte in Deutschland zu vereinfachen, bemerke er nichts.
Viele Millionen Euro in Hangar und Haus
Gebraucht würden diese Fachkräfte allerdings, auch anderes Personal für die Abwicklung der Flüge am Boden und vieles mehr. Etwa ein Dutzend Mitarbeiter pro Jahr stellt Heli-Service neu ein. Gleichzeitig wachsen die Aufgaben stetig. So wurde aktuell der neue Hangar auf dem Flugplatz Emden fertiggestellt, so dass die Stell- und Wartungsplätze für Helikopter von sechs auf zehn erhöht wurden. 3,2 Millionen Euro wurden für das Gebäude samt Büro-Einheit investiert. Heli-Service nimmt damit den größten Platz auf dem Emder Flugplatz ein.
Und weil die internationalen Mitarbeiter untergebracht werden müssen, hatte Heli-Service schon vor einigen Jahren ein Boardinghouse an der Gerhart-Hauptmann-Straße in einer ehemaligen Kaserne ausgebaut - mit Fitness-Studio, ansprechenden Gemeinschaftsräume samt Küche und vielem mehr. „Wir wussten seinerzeit nicht, ob das angenommen wird“, sagte Freiland. „Wer will wirklich auch am Abend noch mit den Kollegen zusammensitzen?“
Diejenigen, die im Wochenwechsel zu deutschen Windparks und dann wieder nach Hause fliegen, offenbar schon. Und so liegen die Baupläne für das zweite Heli-Haus bereits fertig in der Schublade. 4,5 Millionen Euro will Freiland dafür ausgeben. „Wir bauen so grün wie möglich“, sagte er. Baustart soll im Frühjahr 2024 sein, gleich nebenan wächst Heli-Service damit noch weiter. Das noch junge, 1987 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz seit 2011 in Emden, außerdem saisonal wechselnde Standorte in Husum und Rügen zur Erreichbarkeit aller Windparks in Nord- und Ostsee. Außerdem noch eine Dependance in Oberpfaffenhofen bei München. Im Einsatz ist Heli-Service vor allem im spezialisierten Offshore-Transport. Alle Hubschrauber sind mit Goodrich-Winden ausgestattet, einer fehlersicheren Doppelwinde mit Rettungshaken. Damit können Material und Service-Mitarbeiter zu den Windrädern auf See abgeseilt werden (Hoisting). Heli-Service bildet Mitarbeiter für Hoist-Operationen aus. Heli-Service ist autorisiertes Leonardo Service-Center und wartet in Emden und Oberpfaffenhofen diese und andere Helikopter von Airbus für Privatkunden aus vielen Ländern wie Polen, Österreich und Nigeria. Heli-Service hat einige Jahre mit dem Einsatz zweier Airbus-Helikopter die Arbeit des Alfred-Wegner-Instituts auf dem Forschungseisbrecher Polarstern unterstützt. Seit 2021 übernimmt HeliService außerdem die Luftrettung in zwei Countrys an der Ostküste von England. Der HEMS-Service (Helicopter Emergency Medical Services) soll perspektivisch auch in den USA ausgebaut werden. Aktuell verfügt Heli-Service über acht Helikopter in Emden, drei in den USA, einem in England, zwei in Taiwan - allesamt von Leonardo.