Weihnachtsgeschäft  Einzelhandel in Ostfriesland hofft auf klingelnde Kassen

Petra Herterich
|
Von Petra Herterich
| 14.11.2023 14:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weihnachtsmärkte locken Besucher in die Städte. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Weihnachtsmärkte locken Besucher in die Städte. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Artikel teilen:

Im Gegensatz zum Handelsverband Deutschland sehen Geschäftsleute in Ostfrieslands Städten positiv auf das Weihnachtsgeschäft. Das hat einen bestimmten Grund.

Berlin/Ostfriesland - Für den Einzelhandel beginnt jetzt die wichtigste Zeit des Jahres – die Weihnachtszeit, die auch die Kassen klingeln lassen soll. Doch fast 80 Prozent der Händler gehen laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) davon aus, dass viele Kunden in den kommenden Wochen nur zurückhaltend einkaufen. Bereinigt um Preissteigerungen rechnet der HDE im November und Dezember deshalb mit einem Umsatzminus von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2022. Eine düstere Prognose, die Geschäftsleute in Ostfriesland nicht teilen. Hier schaut man eher optimistisch auf die nächsten Wochen. Und das hat auch mit der Weihnachtsstimmung in den Städten zu tun.

„Auch wenn die Stimmung insgesamt eher schlecht ist, hören wir aus Städten und Gemeinden mit einem starken Stadtmarketing zufriedenere Töne. Kooperationen zwischen Handel und Stadtmarketing werden hier als Erfolgsrezept für ein gutes Weihnachtsgeschäft gesehen“, teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg auf Nachfrage mit.

Weihnachtsmärkte locken mehr Besucher an

Ein Beispiel dafür ist etwa die Stadt Leer. Nicola Pleye-Fricke, Abteilungsleiterin Einkauf bei Leffers in Leer und zugleich Beirätin in der Leeraner Werbegemeinschaft, erklärt: „Ich würde deutlich optimistischer an die Umsatzprognose gehen als der HDE – auch, weil wir von der Werbegemeinschaft so viele Aktionen für die Stadt Leer machen, die Besucher anlocken werden. Ich glaube, das Ergebnis des Weihnachtsgeschäfts wird besser als das, was der HDE vorhersagt.“

Auf den Weihnachtsmarkt als Anziehungspunkt für zusätzliche Kunden setzt man auch in Emden. Wilko Gröttrup, Inhaber des dortigen Modegeschäfts Gröttrup, sieht deshalb auch „nicht so negativ wie der HDE“ aufs Weihnachtsgeschäft. „Wir haben allerdings eine sehr kurze Adventszeit“, gibt er zu bedenken.

Das ist allerdings eine der Hürden für das diesjährige Weihnachtsgeschäft: Der Dezember hat zwei Verkaufstage weniger. Zudem hat die Gewerkschaft Verdi im Tarifkonflikt bereits angekündigt, die bundesweiten Warnstreiks in der Weihnachtszeit fortzusetzen. Wegen des Krieges in Nahost fürchten zudem bundesweit die Händler in den Großstädten, dass auch große Demonstrationen die Menschen vom Weg in die Innenstädte abhalten könnten.

Stimmung in Ostfriesland stemmt sich gegen den Trend

Diese Sorgen hat Haida Halterman, Inhaberin des Kaufhauses Silomon in Aurich, nicht: „Wir blicken sehr positiv aufs Weihnachtsgeschäft und sind schon sehr optimistisch. Wir können auch bisher nicht feststellen, dass die Kauflaune sinkt. Es wird allerdings mit Bedacht ausgewählt.“

Damit stemmt sich die Stimmung unter den Einzelhändlern in Ostfrieslands Städten gegen den Trend: Laut der Konjunkturumfrage des IHK-Landesverbands Niedersachsen wird landesweit nicht nur die gegenwärtige Geschäftslage im Einzelhandel als eher schlecht bewertet, sondern vor allem auch die erwartete Geschäftslage. „Nur acht Prozent der Einzelhandelsbetriebe in Niedersachsen erwarten eine günstigere Geschäftslage. 53 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung“, heißt es darin laut Mitteilung. „Aus Gesprächen mit Inhabern von Buchhandel, Spielwarenhandel und Modehandel können wir im IHK-Bezirk Ostfriesland und Papenburg eine ähnliche Stimmung ableiten“, schreibt IHK-Pressesprecher Stephan Claus aus Emden.

„Wir hoffen, dass das Weihnachtsgeschäft besser wird als erwartet. Die Lage ist oft besser, als sie subjektiv wahrgenommen wird. Entscheidend ist das Bauchgefühl der Menschen“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Händler setzten dabei vor allem auf den emotionalen Faktor: Sie wünschen sich, dass Winterwetter, festliche Beleuchtung und die Weihnachtsmärkte dazu beitragen, dass die Menschen in die Städte kommen und sich was gönnen.

Mit Material von DPA

Ähnliche Artikel