MSC-Zertifizierung Krabbenfischer in Ostfriesland arbeiten weiter nachhaltig
Die Krabbenfischer in der Nordsee haben erneut das MSC-Siegel erhalten. Welche Standards müssen dafür erfüllt werden?
Ostfriesland/Berlin - Die Krabbenfischerei in der deutschen, niederländischen und dänischen Nordsee erfüllt erneut die Anforderungen des MSC-Umweltstandards und erhält das MSC-Zertifikat für nachhaltige Fischerei. Das teilt Andrea Harmsen, Pressesprecherin der in Berlin ansässigen Zertifizierungsstelle, mit. MSC steht für Marine Stewardship Council, was auf Deutsch soviel heißt wie „Rat zum Erhalt der Meere“.
Die Entscheidung zur erneuten Zertifizierung folgt einem umfassenden, 14-monatigen Prüfverfahren durch unabhängige Fischereigutachter und unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Daten von Umweltorganisationen, Behörden und der Fischerei selbst.
Weltweit strengster Standard
Das MSC-Zertifikat ist laut Andrea Harmsen der weltweit strengste Standard für nachhaltige Fischerei. Für die Nordseekrabbenfischerei ist es die zweite erfolgreiche MSC-Zertifizierung nach 2017. Sie war nach fünf Jahren turnusgemäß ausgelaufen. Die Nordseekrabbenfischerei ist eine der letzten großen Fischereien Europas, für die es keine gesetzlichen Fangquoten gibt. Im Rahmen ihrer MSC-Zertifizierung hat sich die Fischerei zu einer geregelten Befischung des Krabbenbestands und einem kontrolliert und nachhaltigen Umgang mit dem Lebensraum Wattenmeer verpflichtet. Das heißt konkret:
– Der Nordseekrabbenbestand wird nicht überfischt. Ein im Kontext der MSC-Zertifizierung erarbeiteter Managementplan hat effektive Maßnahmen zum Schutz vor Überfischung etabliert, wie etwa „Schließzeiten“ bei sinkenden Fängen oder eine Vergrößerung der Maschenweiten, um kleine Tiere zu schonen.
Projekt „Zukunft Nordsee“
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus.
– Die Fischerei hat laut MSC keinen langfristig negativen Einfluss auf den Meeresboden und dort lebende Arten. Eine mehrjährige Studie des Thünen-Instituts für Seefischerei ergab, dass sich das hochdynamische Wattenmeer von Störungen durch die Fischerei schnell erholt. Veränderungen in den stärker befischten Wattenmeer-Gebieten sind der Studie zufolge nur zu circa neun Prozent den Netzen der Krabbenfischer zuzuschreiben. Die festgestellten Auswirkungen der Grundschleppnetze seien nach zwölf bis 22 Tagen verschwunden.
Nationalpark: 40 Prozent werden befischt
Die deutsche Nordseekrabbenfischerei hat darüber hinaus beschlossen, keine sogenannten Dolly Ropes mehr einzusetzen; das sind Kunststoffbänder, die die Netze vor Abrieb schützen. Die Fischerei nehme damit eine Vorreiterrolle in der Bekämpfung der Plastik-Verschmutzung der Nordsee ein. „Dies ist eine bedeutende Entscheidung für den Schutz des Ökosystems Wattenmeer“, sagt Philipp Oberdörffer, Fischereiberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Der Nationalpark Wattenmeer, der in Deutschland fast die gesamte Nordseeküste abdeckt, umfasst unterschiedlichste marine Lebensräume – von sensiblen Habitaten, die vor Befischung geschützt werden müssen, bis hin zu solchen Lebensräumen, in denen Fischerei keinen nachhaltigen Schaden am Ökosystem bewirkt. Nur etwa 40 Prozent des Nationalparks Wattenmeer werden von den MSC-zertifizierten Krabbenfischern befischt. In sensiblen Habitaten wie Seegraswiesen oder Muschelbänken fischen sie nicht. Die Fangaktivitäten der Krabbenfischer entsprechen auch dem Bundesnaturschutzgesetz, den gesetzlichen Vorgaben für Nationalparks und der EU-Habitat-Richtlinie.
Auch der Handel macht Druck
Vivien Kudelka, Fischereireferentin von MSC Deutschland, betont: „Wir unterstützen nationale und internationale Bemühungen zum Schutz der Meere und zu mehr Nachhaltigkeit in der Fischerei. Meeresschutzgebiete spielen dabei unbestritten eine wichtige Rolle.“ Allerdings sei MSC Deutschland der Meinung, dass dabei ein pauschales Verbot der Grundschleppnetzfischerei in allen Naturschutzgebieten, wie es derzeit diskutiert wird, nicht der richtige Weg ist – weder was die ökologische Notwendigkeit betrifft, noch in sozialer Hinsicht, also was die Fischer, ihre Lebensgrundlage und die Notwendigkeit der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung angeht.
Der Fedderwardersieler Fischer Söhnke Thaden begrüßt die erneute Zertifizierung. „Wir wollen Transparenz“, sagt er. „Das Siegel zeigt, dass wir nachhaltig arbeiten und ein super Produkt haben“. Was der Handel den Fischern aber auch abverlange, wie Thaden deutlich macht: „Wir würden sonst aus den Verkaufsregalen verschwinden.“