Ärger wegen Steuern Emder Hoteliers und Wirten steht das Wasser bis zum Hals
Die Übernachtungszahlen in Emden sind rückläufig. Eine Bettensteuer würde die Gäste abschrecken, fürchten Hoteliers. Die Bürger mehr zu belasten, könne nicht die Antwort auf Geldprobleme der Kommunen sein.
Emden - Steuern, Steuern, Steuern: Die Emder Hotel- und Gastronomiebranche schaut mit Sorge auf das kommende Jahr. „Für uns ist es eine ganz schwierige Situation“, sagte Karl-Heinz Wittwer, Vorsitzender des Emder Dehoga-Kreisverbands, bei einem Pressegespräch in dieser Woche. Dehoga steht für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Alle Emder Ratsfraktionen hätten sie mittlerweile besucht, um eine weitere große Herausforderung abzuwenden: die Bettensteuer. Über die wird - anders als bei der geplanten Mehrwertsteuer-Anpassung von sieben auf 19 Prozent - in Emden entschieden. Sie könnte, wenn der Rat es mehrheitlich so will, im kommenden Jahr eingeführt werden.
Was und warum
Darum geht es: In der Emder Politik muss noch darüber abgestimmt werden, ob eine sogenannte Bettensteuer auf Übernachtungen in Emden eingeführt werden soll oder nicht. Der Dehoga hat dazu eine klare Meinung.
Vor allem interessant für: Wirtschafts- und Tourismusinteressierte
Deshalb berichten wir: Der Dehoga-Kreisverband Emden hatte zu einem Pressegespräch eingeladen. Wie die Stadt Emden in Zukunft angesichts eines drohenden Rekord-Haushaltsminus in Zukunft sparen und Gelder einnehmen will, dürfte viele in Emden etwas angehen. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Alle Übernachtungsgäste in Emden - egal ob im Hotel, der Jugendherberge, einer Ferienwohnung, einem Campingplatz oder auf einem Flusskreuzfahrtschiff - müssten die von der Emder SPD vorgeschlagene Bettensteuer zahlen. Wie hoch sie sein würde: noch unklar. In anderen Städten liegt sie laut Dehoga-Bundesverband oft bei rund fünf Prozent oder bei einem festen Betrag von ein paar Euro. Klar ist aber: Die Steuereinnahmen sind nicht gebunden, die Stadt könnte sie für alles mögliche einsetzen, also nicht unbedingt für den Tourismus.
Am Ende müssen die Gäste die Mehrkosten tragen
Würde der Gast die zusätzliche Steuer spüren? Sehr wahrscheinlich, wie die Dehoga-Gruppe Vermietung bei dem Pressegespräch deutlich macht. Trotz gestiegener Kosten für Personal, Energie und Waren habe er die Zimmerpreise zuletzt teilweise senken müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, sagt Karl-Heinz Wittwer. Ihm gehört das Hotel Haus Wittwer an der Petkumer Straße.
Die Preise nach der Einführung einer Bettensteuer weiter zu senken, damit die Gäste nichts merken: unmöglich. „Es ist eigentlich eine Bürgersteuer“, sagt er. Am Ende müssten die Bürger die gestiegenen Kosten tragen. Das könne doch nicht immer die Antwort auf Geldprobleme der Kommunen sein, ärgert er sich. Auch in der Stadt Leer wird derzeit eine Einführung der Bettensteuer erwägt - und die Kritik aus der Übernachtungsbranche ist groß.
Gäste könnten allgemein wegbleiben
Gleichzeitig haben sie starke Bedenken, ob der Bürger die Preiserhöhung denn überhaupt zahlen will und kann. „Wir befürchten, dass weniger Gäste kommen“, sagt Rainer Ahlers vom Hotel und Restaurant Goldener Adler. Zum einen könnten Besucher der Stadt ein Zimmer in den Nachbargemeinden Hinte oder Moormerland buchen, wo die Bettensteuer nicht eingeführt wird. Auch könnten Gäste stärker auf nicht angemeldete Ferienwohnungen oder Zimmer ausweichen. „Die halbe Stadt ist vermietet“, meint Rainer Ahlers. Ob alle Vermieter anmeldet sind und ob die Stadt das kontrollieren kann, bezweifelt er. Auch könnten viele Gäste ihren Urlaub gleich in das oft günstigere Ausland verlagern.
In Emden gibt es eine weitere Herausforderung: Die meisten Übernachtungsgäste in der Stadt sind immer noch Berufsreisende, die etwa für Volkswagen oder Offshore-Betriebe arbeiten, so Wittwer. Arbeitgeber müssen auch sparen und könnten gegenrechnen, ob die Unterkunft außerhalb Emdens vielleicht günstiger ist und die Mehrkosten durch die Anfahrt ausgeglichen werden, meint Ole Falbe vom Hotel Delfthalle. „Die Preissituation ist hier sensibler als vielleicht auf Borkum“, meint auch Oliver Klaassen, stellvertretender Dehoga-Vorsitzender in Emden. Auf Borkum beispielsweise sei die durchschnittliche Verweildauer auch deutlich länger als in Emden. Und selbst dort seien die Gästezahlen 2023 leicht rückläufig im Vergleich zum Vorjahr.
Die Branche habe sich außerdem noch längst nicht von der Corona-Pandemie erholt, so Wittwer. 2019 sei eines der gästestärksten Jahre gewesen, die Emden je hatte. 2022 hätten sie zwar „sehr viele Gäste“ gehabt, aber längst nicht so viele wie vor der Pandemie. Und jetzt geht es für viele eben eher wieder abwärts. In diesem Jahr hat er in seinem Hotel bis September schon einen Rückgang von 14 Prozent zum Vorjahr vermerkt. Er fürchtet auch eine Kettenreaktion. Wenn die Bettensteuer kommen sollte und Gäste wegblieben, würden auch Gastronomie und Einzelhandel darunter leiden. Außerdem ist er sich sicher: „Kommt die Steuer, werden wir im Herbst und Winter keine Busreisen mehr haben.“
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