Unternehmen in Aurich  Fehntjer Unternehmen nutzt Expansionschance in Schirum

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 11.11.2023 12:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Früher hieß es für Dr. Ernst Krüger „Made in Großefehn“. Das wird sich bald ändern. Fotos: Ortgies
Früher hieß es für Dr. Ernst Krüger „Made in Großefehn“. Das wird sich bald ändern. Fotos: Ortgies
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Dr. Ernst Krüger siedelt mit seinem Unternehmen German Twinscrews von Großefehn nach Aurich um. Das neue Firmengebäude muss unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.

Aurich - Seinem Blick entgeht nichts. Die Augen von Dr. Ernst Krüger wandern die Fassade des künftigen Bürogebäudes entlang bis ganz nach oben. Auf dem Gerüst der Baustelle im Auricher Gewerbegebiet Schirum IV jonglieren Arbeiter mit sperrig wirkenden Bündeln aus gelbem Dämmmaterial. Damit werden die Wände verkleidet. Später verschwindet dieses Innenleben hinter neun großflächigen Glasfronten. „In unserer Branche ist es wichtig zu repräsentieren“, sagt Dr. Ernst Krüger fast entschuldigend im Gespräch mit der Redaktion. Der Chef der Firma German Twinscrews (GTS) weiß, dass er die Ansprüche seiner Kunden erfüllen muss. Die sitzen in der ganzen Welt, im Nahen Osten ebenso wie in Lateinamerika, aber auch direkt vor der Haustür. Er ist mit seinem Unternehmen seit mehr als 25 Jahren am Markt und gehört nach eigenen Angaben zu den weniger als ein Dutzend Firmen weltweit, die sich auf die Herstellung von Extrudern spezialisiert haben.

Die Fassade des Firmengebäudes wird derzeit gedämmt.
Die Fassade des Firmengebäudes wird derzeit gedämmt.

Das sind Maschinen zur Produktion, aber auch zum Recycling von Kunststoff. Dabei handelt es sich mitunter um gewaltige Apparate, in deren Mitte eine Stahlschnecke das Material zermalmt und zur Öffnungsdüse schiebt. Extruder werden auch als Strangpressen bezeichnet. Deren Herzstück sind die sogenannten Schnecken, die es in einfacher und in doppelter Ausführung gibt. Auch das dafür erforderliche Zubehör wie etwa Granulierköpfe, Schmelzefilter oder Adapter werden von GTS hergestellt. „Wir fertigen individuelle Lösungen. Damit kommen wir dort zum Zug, wo es für größere Firmen unrentabel wäre, in die Entwicklung einzusteigen“, sagt der 69-Jährige und deutet auf die gegenüberliegende Seite der großen Fabrikhalle an der Segelmacherstraße. Dort werden Laborräume eingerichtet, unter anderem für die Analyse von Kunststoffen, aber auch von Stahl.

Erdwärme soll genutzt werden

Wenn die Halle samt der angrenzenden Gebäude im nächsten Frühjahr fertiggestellt ist, will der Unternehmer alles unter einem Dach haben. Und er will nach eigenen Aussagen erreichen, dass die Produktion möglichst umweltgerecht und ressourcenschonend betrieben werden kann. Über ein 3000 Meter langes Rohrsystem, das unter und neben dem Gebäude verlegt ist, will die Firma Erdwärme nutzen. Auf dem Dach lässt er eine 150 Kwh-Solaranlage installieren. Um das Umwelt-Bewusstsein der künftig 30 Mitarbeiter zu schärfen, steht später in der Produktionshalle eine große Anzeigetafel, auf die immer eine Information über den aktuellen Energieverbrauch projiziert wird.

Wie geht das zusammen? Die Herstellung von kunststoffverarbeitenden Maschinen und eine gute Umweltbilanz? Kunststoff gilt vielfach wegen seines hohen Anteils an fossilen Rohstoffen als Klimakiller. Das sieht Dr. Ernst Krüger naturgemäß anders. Er verweist darauf, dass gerade Kunststoff durch die Möglichkeit der „unendlichen“ Verwendung besonders geeignet sei, den Planeten zu retten. Bereits heutzutage würde ein hoher Anteil an Kunststoffen recycelt, angefangen bei Verpackungen bis hin zu Fensterprofilen.

Während der Firmenchef über sein Unternehmen berichtet, wird weiter an der Fassade montiert. Seit März wird an der Errichtung des Gebäudes gearbeitet. Bis auf kleine, liefertechnisch bedingte Verzögerungen in den ersten Wochen sei alles zügig fortgeschritten, sagt Dr. Ernst Krüger. Noch produziert GTS an der Schmiedestraße in Großefehn. Dort sei man im Firmengebäude lediglich Mieter. Weil seit einiger Zeit feststehe, dass sein Sohn in die Firma einsteige, habe er sich entschlossen zu investieren und sich um das ein Hektar große Grundstück in Schirum IV beworben. Für den Bau veranschlage er Kosten in einer Höhe zwischen zweieinhalb und drei Millionen Euro. Noch ist er an der Segelmacherstraße das einzige Unternehmen. Doch das wird sich wahrscheinlich bei der Geschwindigkeit, mit der die Flächen von der Stadt vermarktet worden sind, rasch ändern.

Unterdessen werden auch in Großefehn neue Gewerbegebiete erschlossen, und zwar zunächst in Mittegroßefehn an der Schmiedestraße ein Areal von neun Hektar. „Tatsächlich lassen sich später fünf Hektar von fünf bis zehn Unternehmen nutzen“, sagt Detlef Meyer vom Bauamt der Gemeinde Großefehn. Wie viele Betriebe es tatsächlich sein werden, hänge von dem Flächenbedarf der jeweiligen Firmen ab. Planungsrechtlich sei man schon sehr weit: „Wir gehen davon aus, dass wir in der Ratssatzung im Dezember einen Satzungsbeschluss bekommen.“ Noch nicht ganz so ausgereift sind die Planungen für ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet in Ulbargen.

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