Kolumne „Für die Ehre“  Das Ehrenamt muss nicht alles dominieren

Manuel Goldenstein
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Eine Kolumne von Manuel Goldenstein
| 11.11.2023 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Manuel Goldenstein
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Im Ehrenamt bringt sich der eine mehr ein, der andere weniger. Das kann etwa bei Feuerwehren durchaus zu Streit führen – das muss und sollte es aber nicht, findet unser Kolumnist.

Kürzlich gab es wieder eine der vielen Versammlungen, bei denen Feuerwehrmitglieder sich darüber beklagen, dass einige Mitglieder nur zu bestimmten Einsätzen und Versammlungen kommen. Die Argumentation, dass einige arbeitsbedingt nicht immer die Zeit für die Feuerwehr haben, konnte nachvollzogen werden. Doch es wurde auch von Mitgliedern berichtet, die nun definitiv zu Hause sein würden.

Zur Person

Manuel Goldenstein, geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.

Diese Diskussionen gibt es in vielen Gliederungen von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Vereinen. Warum gibt es eigentlich diese Mitglieder – jene, die öfter mal zu Hause sitzen, und jene, die stetig in ihrem Ehrenamt stehen?

Immer mehr Menschen müssen an den Wochenenden arbeiten und haben Nebenjobs, viele haben eine Familie und wollen mit ihr Zeit verbringen; und dann gibt es diese Menschen, die absolut in ihrem Ehrenamt aufgehen.

Hier liegt der Knackpunkt! Die eigene Erwartungshaltung gegenüber anderen darf im Ehrenamt nicht die sein, die man von sich selbst hat. Es darf zwar Engagement erwartet werden, jedoch bei jedem nur so viel, wie er auch ausgeglichen mit einbringen kann. Ehrenamt darf nicht das Leben bestimmen, wenn man es nicht möchte. Ehrenamt muss den Raum geben, Zeiten so einzubringen, wie es einem selbst gestattet ist und vor allem auch selbst gefällt.

Selbstverständlich sollten Karteileichen Plätze räumen oder wieder aktiv werden. Denn ein bisschen darf man schon erwarten. In jeder ehrenamtlichen Organisation gibt es den harten Kern, der die Hauptarbeit macht, und das ist auch gut so! Denn die Entscheidung der Kernarbeit hat jeder für sich selbst getroffen – und das führt dazu, dass andere Gefallen an dem haben, was stattfindet. Würde es ihnen nicht gefallen, dann würden sie auch ihre geringe Zeit nicht einbringen.

Gegenseitiges „Fairständnis“ lässt auch in anstrengenden Zeiten Ruhe in die Gemüter fließen, die sich beklagen über zu viel oder zu wenig Beteiligung. So lässt es sich ehrenamtlich einfach gut arbeiten.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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