Neues Lokal mit Kultpotenzial in Weener Bald wird am Hafen brasilianischer Grünkohl serviert
Für das Lokal „Bei Katja am Hafen“ in Weener gibt es einen Nachfolger. Der gelernte Koch Salustiano Ramos-Schlüter serviert dort aber nicht nur Spezialitäten aus seiner brasilianischen Heimat.
Weener - „Junior‘s am Hafen – Café & Bar“ steht über dem Eingang zum Haus Nummer 8 am Hafen von Weener. Bis Ende des vergangenen Jahres konnten sich in der Musikkneipe „Bei Katja am Hafen“ Kabarettfans von Katja Zwezerijnen unterhalten lassen. Jetzt hat sich dort Salustiano Ramos-Schlüter einen Traum erfüllt. Der gebürtige Brasilianer serviert dort nicht nur Kaffee, Kuchen, Curry-Wurst, sondern auch Spezialitäten aus seiner Heimat.
Am Sonnabend vergangener Woche hat das Lokal eröffnet. „Es hätte gar nicht besser laufen können. Der Laden war voll“, freut sich der 51-Jährige, den seine Freunde Junior nennen, über den gelungenen Start. Salustiano Ramos-Schlüter ist in Brasilien in einer großen Familie aufgewachsen. „Ich habe sechs Brüder und vier Schwestern.“ Nach Deutschland kam er über Umwege. „Meine Kochausbildung habe ich in Brasilien gemacht“, erzählt er.
Was und warum
Darum geht es: Ein Brasilianer hat am Hafen von Weener ein neues Lokal eröffnet.
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Die sei dort sehr umfangreich. „Sie dauert fünf Jahre, dafür lernt man aber alles: von der Konditorei übers Kochen bis hin zur Bewirtung großer Gesellschaften.“ Einige Jahre habe er in Spanien in dem Beruf gearbeitet. Dort lernte er auch seinen Partner kennen. Gemeinsam zogen sie in dessen Heimat, nach Deutschland. „Weil ich die Sprache kaum konnte, konnte ich hier nicht in meinem Beruf arbeiten, außerdem wird die Ausbildung hier nicht anerkannt.“ Daher habe er damals in Hannover als Gebäudereiniger gearbeitet und Deutsch gelernt.
Einziger Kritikpunkt: das Wetter
„Ich spreche spanisch, portugiesisch und ein bisschen russisch, aber die schönste Sprache ist für mich die deutsche.“ Sechs Monate lang besuchte er einen Sprachkursus, bis er sich problemlos verständigen konnte. „Ich brauchte damals die B1-Prüfung für das Visum“, erzählt der gebürtige Brasilianer, der nach eigenen Angaben inzwischen seit acht Jahren offiziell die deutsche Staatsangehörigkeit hat und sich auch als Deutscher fühlt. „Deutsche sind nett, nicht so laut wie Brasilianer und immer pünktlich“, sagt er. „Meine Mutter sagt immer: ‚Du bist schon richtig deutsch‘.“
Eine Sache gibt es allerdings, die ihm an Deutschland nicht gefällt: das Wetter. „Mir fehlt das Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit.“ Heiße Sommertage in Deutschland mit ihrer trockenen Hitze finde er schwer erträglich. „Da muss ich in den kühlen Keller gehen, um schlafen zu können. Dafür ist die Gegend hier aber toll“, sagt Junior Ramos-Schlüter, der schon in Hannover von einer eigenen Bar geträumt hat. Als sein Partner in Rente ging und unbedingt nach Weener ziehen wollte, ging der Wunsch schließlich in Erfüllung. Aus der Zeitung habe er erfahren, dass ein Nachfolger für das Lokal von Katja Zwezerijnen gesucht wird. Das sei seine Chance gewesen. „Ich hatte keine Angst vor dem Schritt in die Selbstständigkeit“, sagt er selbstbewusst. Geöffnet ist täglich ab 11 Uhr. Montags ist Ruhetag. Unterstützt wird Ramos-Schlüter von zwei Mitarbeitern. „Alleine ist das nicht zu schaffen.“
Brasilianer ist Helene-Fischer-Fan
Der 51-Jährige will neben Kaffee und Kuchen und Speisen wie Kibbeling, Currywurst und Schnitzel auch Spezialitäten aus seiner brasilianischen Heimat anbieten. Dazu gibt es spezielle Events an den Wochenenden. Die Coxinhas, mit Hühnerfleisch gefüllte Teigtaschen, seien bei den Gästen schonmal gut angekommen. Am 18. November steht eine Feijoada auf der Speisekarte, ein Gericht mit schwarzen Bohnen, Rindfleisch, Reis, Maniokwurzel und brasilianischem Grünkohl. „Der unterscheidet sich allerdings von der ostfriesischen Variante.“
Anknüpfen will Ramos-Schlüter an die Tradition seiner Vorgängerin Katja Zwezerijnen. „Bei Katja am Hafen“ gab es regelmäßig Partys, an Silvester oder Karneval zum Beispiel. Auch bei ihm soll es Live-Musik geben. „Ich bin ein großer Fan von Helene Fischer und Andrea Berg“, sagt er. Musik, die übrigens auch bei den Landsleuten in seiner Heimat gut ankomme. „Ich mag vieles an Deutschland: das Oktoberfest, ganz besonders aber Weihnachten.“ Mit seinem Partner feiert er Heiligabend – typisch deutsch – mit Kartoffelsalat und Würstchen. „Wir haben an Weihnachten immer einen zwei Meter hohen Tannenbaum, jedes Jahr wird er in einer anderen Farbe geschmückt.“ Bei seinem letzten Besuch in seiner Heimat habe er einen ganzen Koffer voll Christbaumschmuck mitgebracht. „Dort kann man wegen des Klimas nur künstliche Bäume benutzen. Echte Tannenbäume mit Nadeln finde ich aber viel schöner – wie vieles in Deutschland.“