„Fremantle Highway“-Unglück Wattenmeer entging nur knapp der Katastrophe
Der Brand des Autofrachters „Fremantle Highway“ auf der Nordsee sorgte für Angst vor einer Umweltkrise im Wattenmeer. Wie ernst die Lage war, zeigt sich nun, da das Schiff in der Werft liegt.
Rotterdam - Als Ende Juli der Autofrachter „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Insel Ameland in Brand geriet, wuchs auch in Ostfriesland die Sorge, das knapp 200 Meter lange Schiff könnte Schweröl verlieren oder gar sinken und damit für schwere Umweltschäden im Wattenmeer sorgen. Nun, mehr als drei Monate später, liegt der schwer beschädigte Frachter in einer Werft in Rotterdam – und es wird deutlich, wie knapp die Nordsee einer Umweltkatastrophe entkommen ist. „In neun von zehn Fällen sinkt bei so einem Brand solch ein Schiff auf See“, sagte Gijs Olsthoorn der Zeitung „Leeuwarder Courant“. Olsthoorn ist zuständiger Projektmanager beim Unternehmen Koole Contractors, das die „Fremantle Highway“ vom vorherigen Eigner, der japanischen Reederei Shoei Kisen Kaisha, übernommen hat und sich in Rotterdam nun um die weitere Räumung des Schiffs kümmert. Erstmals lies Koole Contractors nun Pressevertreter an Bord des Schiffs.
Auf dem Frachter, der zu dem Zeitpunkt rund 3800 Fahrzeuge an Bord hatte, war in der Nacht auf den 26. Juli ein Feuer ausgebrochen, als das Schiff etwa 30 Kilometer nördlich von Ameland fuhr. Während der Evakuierung kam eines der 23 Besatzungsmitglieder ums Leben. Am 3. August gelang es Bergungsunternehmen, die „Fremantle Highway“ nach Eemshaven zu schleppen. Dort wurden etwa 1000 Autos, die auf den unteren Decks standen und vom Feuer verschont wurden, von Bord geholt. Am 21. September ging es für die „Fremantle Highway“ schließlich weiter nach Rotterdam – erneut mit der Hilfe von Schleppern.
Aufräumarbeiten auf dem Schiff werden wohl Monate dauern
Nun steht Koole Contractors vor der großen Aufgabe, das Schiff auch von der restlichen Ladung zu befreien. Die rund 2800 noch an Bord befindlichen Autos sind durch die Hitze während des Feuers teils mit den Decks verschmolzen. In den vergangenen drei Wochen sei es aber bereits gelungen, etwa 400 Fahrzeuge von Bord zu holen, sagte Olsthoorn dem „Leeuwarder Courant“ – allesamt seien schrottreif. Jedes Auto werde von den Beschäftigten mithilfe von Maschinen von den oberen Decks nach unten gebracht, erklärte Olsthoorn dem regionalen Nachrichtenportal „Rijnmond“ aus Rotterdam: „Das ist eine langwierige und schwierige Aufgabe. Wir sind damit sicher ein paar Monate beschäftigt.“
Der Projektmanager geht demnach davon aus, dass die „Fremantle Highway“ Anfang kommenden Jahres so weit sei, dass man mit der eigentlichen Reparatur beginnen könne. Die wolle Koole Contractors aber nicht selbst durchführen, sondern das Schiff an ein anderes Unternehmen weiterverkaufen. An welches, stehe noch nicht fest, laut Olsthoorn gibt es aber Dutzende Interessenten – auch, weil spezielle Autofrachter wie die „Fremantle Highway“ Mangelware seien.
Warum sich die Reparatur des schwer beschädigten Frachters lohnt
Angesichts der schweren Schäden auf dem Schiff, die Schaulustige auch während der Liegezeit in Eemshaven schon anhand der rotbraunen Verfärbung an großen Teilen der Außenhülle erahnen konnten, stellt sich allerdings eine Frage: Lohnt sich eine solche Reparatur überhaupt? Ja, meint Olsthoorn. Denn da der untere Teil der „Fremantle Highway“ vom Feuer weitgehend verschont geblieben sei, seien wichtige Systeme wie etwa die Motoren oder die Pumpensysteme größtenteils noch intakt, sagte er dem Portal „Rijnmond“.
Die Ursache für das Feuer auf dem Autofrachter ist derweil weiter unklar. Die zuständige Schiffsfahrtbehörde (AMP) in Panama, wo die „Fremantle Highway“ registriert ist, hatte bereits direkt nach dem Brand eine entsprechende Untersuchung eingeleitet. Zunächst hatte es auf Basis von Funksprüchen aus der Unglücksnacht Berichte auch von der Küstenwache gegeben, wonach ein Elektroauto der Brandherd gewesen sei. Hieran gibt es aber Zweifel, seit klar ist, dass zumindest ein Großteil der E-Autos auf den unbeschadeten Decks im unteren Teil des Schiffs gestanden hatte.