Gastronomie in der Krise  Dehoga fürchtet haufenweise Restaurant-Schließungen im Kreis Leer

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 10.11.2023 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch gilt eine verringerte Steuer auf’s Essen in Restaurants. Foto: Arnold/dpa
Noch gilt eine verringerte Steuer auf’s Essen in Restaurants. Foto: Arnold/dpa
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Die Gastro-Branche ist krisengebeutelt. Viele Restaurantbesitzer und Hoteliers im Landkreis haben Angst vor einer ungewissen Zukunft und Schließungen.

Landkreis Leer - Die Gastronomie in Ostfriesland steckt in einer Krise. Spätestens seit der Corona-Pandemie, während der die Betriebe lange schließen mussten, klagen Restaurant- und Hotelbesitzer aber auch bundesweit über zu wenige Einnahmen und Personalmangel. Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine kommen gestiegene Kosten für Energie und Lebensmittel erschwerend hinzu, wie Erich Wagner, Erster Vorsitzender vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Ostfriesland, in dieser Woche deutlich machte. In der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Handwerk, Tourismus und Digitalisierung im Landkreis Leer gab er gemeinsam mit Volkmar Vogel, Vorsitzender des Dehoga Borkum, und Christian Oltmanns, Vorsitzender des Dehoga Leer, einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der hiesigen Branche.

Was und warum

Darum geht es: Gastronomen erzählen, wie es in der aktuellen Krise im Landkreis um die Restaurants und Hotels steht.

Vor allem interessant für: alle, die gerne essen gehen oder Urlaub machen

Deshalb berichten wir: Im Kreis-Ausschuss kamen Vertreter der Dehoga zu Wort.

Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de

Die mit Abstand größten Sorgenfalten bereite den Gastronomen und Hoteliers die Diskussion der Bundesregierung um die Steuerlast auf Speisen in Restaurants, so Wagner. Um die Betriebe nach den Schließungen während der Pandemie zu stärken, hatte die Bundesregierung damals die Mehrwertsteuer für den Restaurantbesuch von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Nun stehen die Zeichen darauf, dass ab 1. Januar 2024 wieder die alten Steuersätze eingeführt werden. Darauf hat sich offenbar die Ampelkoalition geeinigt.

Angst vor unsicherer Zukunft

Bisher hätten die allermeisten Gastronomen die durch Inflation gestiegenen Ausgaben noch auffangen können, so Wagner. „Gibt es wieder 19 statt sieben Prozent Mehrwertsteuer, bedeutet das für viele Restaurants in der Region das Aus“, fürchtet er.

Der Dehoga fürchtet eine Reihe an dauerhaften Schließungen. Foto: Schmidt/dpa
Der Dehoga fürchtet eine Reihe an dauerhaften Schließungen. Foto: Schmidt/dpa

Schon jetzt habe diese Unsicherheit Auswirkungen auf die Gastronomie im Kreis Leer. „Viele Familienbetriebe haben Angst vor der ungewissen Zukunft. Die Kinder wollen die Restaurants nicht mehr übernehmen – und schließen lieber“, sagt er. Zudem brechen den Betrieben eine Reihe von Aufträgen weg. „Den Kunden, die zum Beispiel eine Feier planen, können wir aktuell nicht sagen, wie viel das Essen kosten wird. Unter den Umständen bucht kaum einer“, so Wagner.

Auswirkungen auch auf andere Branchen

Der sorgenvolle Blick in die Zukunft gelte nicht nur für das Festland, sondern auch für Inseln. „Dieses Jahr war auf Borkum wirklich okay“, beschreibt Volkmar Vogel die Umsätze in der Branche. „Aber es wird nicht besser“, ergänzt er. LKW-Maut, CO2-Bepreisung, Gas: „Alles wird im kommenden Jahr teurer. Lediglich bei der Mehrwertsteuer haben wir noch Hoffnung“, so Vogel. Zudem hätten Restaurantbesitzer und Hoteliers Sorge, künftig immer mehr Gäste an das Ausland zu verlieren. „In der EU wird nur in Deutschland die Steuer in dem Bereich wieder angehoben“, sagt Erich Wagner.

Dass solch eine Entwicklung nicht nur der hiesigen Gastronomie zu schaffen machen wird, macht Christian Oltmanns deutlich. „Ein Zahnrad greift ins andere“, sagt er. Hat die Gastronomie kein Geld mehr, gehen von dort weniger Bestellungen raus. „Zum Beispiel an die Erzeuger von Lebensmitteln oder an Handwerker, da man sich keine neue Küche leisten kann“, so Oltmanns. „Außerdem wollen Touristen und die Bevölkerung Vielfalt. Brechen viele gastronomische Betriebe weg, können wir diese nicht mehr bieten“, sagt er.

Hoffnung bei Personalnot

Bei all dem Kummer gibt es allerdings auch einen Hoffnungsschimmer. „Bei der Mitarbeiterproblematik geht es in der Branche nach vorne“, sagt Erich Wagner. Immer mehr Restaurants und Hotels setzen – wenn möglich – auf flexible Arbeitszeiten, um den Beruf wieder attraktiv zu machen. Gerade jungen Menschen sei das seiner Erfahrung nach wichtig.

Bei der Suche nach Mitarbeitern läuft es wieder besser. Foto: Schmidt/dpa
Bei der Suche nach Mitarbeitern läuft es wieder besser. Foto: Schmidt/dpa

„Wir geben die Dienstpläne nicht mehr von oben vor, sondern lassen sie von den Abteilungen selber schreiben. So konnten wir viele junge Leute, die sich während Corona etwas anderes gesucht hatten, zurückholen“, freut sich der Gastronom. „Schließlich machen viele Menschen den Beruf eigentlich sehr gerne. Stimmen die Bedingungen, klappt es dann auch viel besser mit der Mitarbeitersuche“, so Wagner.

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