Berlin  Migration: Zahl der Asylanträge um 77 Prozent gestiegen

Leon Grupe
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Von Leon Grupe
| 08.11.2023 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Allein im Oktober stellten in Deutschland 33.887 Menschen einen Erstantrag auf Asyl. Foto: Boris Roessler / dpa
Allein im Oktober stellten in Deutschland 33.887 Menschen einen Erstantrag auf Asyl. Foto: Boris Roessler / dpa
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Zwischen Januar und Ende Oktober haben fast 290.000 Menschen in Deutschland Asyl beantragt. Wo die Geflüchteten herkommen, wie alt sie sind und wie viele Anträge abgelehnt werden.

Immer mehr Flüchtlinge suchen in Deutschland Schutz. Allein im Oktober stellten hierzulande 33.887 Menschen einen Erstantrag auf Asyl – ein Plus von rund 14 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das geht aus Daten des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervor.

Insgesamt erfasste das BAMF im laufenden Jahr 286.638 Erstanträge. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 159.669 derartiger Anträge. Innerhalb eines Jahres ist die Zunahme der Antragszahlen um rund 77 Prozent gestiegen.

Aber woher kommen die Geflüchteten? Im Oktober stammten 10.678 und damit die meisten Antragsteller aus Syrien, auf sie entfallen etwas mehr als ein Drittel aller Erstanträge. Aus der Türkei beantragten im selben Monat nur unwesentlich weniger Menschen Asyl – nämlich 9.692. Auf Platz drei liegt Afghanistan mit 3.808 Antragstellern.

Im Vergleich zu den Vormonaten bleibt die Rangliste der Staatsangehörigkeiten größtenteils unverändert. Geflüchtete aus der Ukraine berücksichtigt das BAMF hingegen nicht. Inzwischen sind über eine Million Ukrainer seit Kriegsausbruch nach Deutschland geflohen. Für sie gelten aber gelockerte Aufenthaltsregeln, sie stellen in aller Regel keinen Asylantrag.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm, nahm die Zahlen zum Anlass, um Kritik an der Bundesregierung zu üben. „32.000 Asylanträge allein im Oktober, die Migrationskrise erreicht den höchsten Stand seit Jahren.“ Obwohl diese Entwicklung absehbar gewesen sei, weigere sich die Ampel-Koalition, gegenzusteuern. „Wir sehen heute das Ergebnis von zwei Jahren falscher Migrationspolitik“, sagte Throm unserer Redaktion.

Beim Blick in die BAMF-Statistik lässt sich zudem feststellen: Es sind vor allem jüngere Menschen, die nach Deutschland fliehen. Zwischen Januar und Oktober 2023 waren 72 Prozent der Asylbewerber jünger als 30 Jahre, ungefähr jeder dritte war minderjährig. Auch zeigt sich ein extremes Gefälle bei den Geschlechtern. Gerade einmal 28 Prozent der Asylsuchenden sind weiblich.

Ebenfalls ungleich ist der Verteilung der Geflüchteten auf die Bundesländer. 54.226 Erstanträge, also ungefähr jeder fünfte, wurden bis Ende Oktober in Nordrhein-Westfalen gestellt. Im Ländervergleich liegt Niedersachsen auf Platz vier, wo 26.144 Anträge eingingen. Schleswig-Holstein, das im Mittelfeld rangiert, meldete 9.077. In Mecklenburg-Vorpommern suchten 4.839 Menschen Asyl. Von den Flächenländern wurden nur im Saarland weniger Anträge gestellt.

In Deutschland bestimmt der Königsteiner Schlüsse anhand von Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl, wie viele Asylbewerber ein Bundesland aufnehmen muss. Demnach hätte Niedersachsen seine Quote übererfüllt, Schleswig-Holstein gerade so. Mecklenburg-Vorpommern hinkt im Gegensatz hinterher und müsste noch mehr Geflüchtete aufnehmen.

Bis Ende Oktober hat das BAMF in 217.000 Asylverfahren eine Entscheidung getroffen. 52 Prozent der Asylbewerber erhielten einen Schutztitel – Flüchtlingsschutz inklusive Asyl, Subsidiärschutz, Abschiebeschutz. Darüber hinaus hat das BAMF im laufenden Jahr fast jeden fünften Antrag zurückgewiesen, 22,5 Prozent. Damit liegt die Ablehnungsquote etwa auf dem Niveau von 2022 und 2021, aber immer noch niedriger als in den Jahren zuvor. Damals lehnte die Behörde oft noch ein Drittel aller Asylanträge ab.

Neben den Erstanträgen registrierte das BAMF im Oktober außerdem 1.626 sogenannter Folgeanträge. Verglichen mit dem Wert des Vormonats ist die Zahl leicht gesunken. Wird der Erstantrag auf Asyl abgelehnt, können Migranten mehrmals einen neuen Antrag stellen. Wie der „Tagesspiegel“ berichtete, besteht die Hälfte aller Asylverfahren von Menschen aus Herkunftsländern mit einer Anerkennungsquote von unter einem Prozent aus Folgeanträgen. Das betrifft vor allem Personen aus den Ländern Ost- und Südosteuropas wie Moldau, Nordmazedonien, Albanien und Serbien. Dem Bericht zufolge wurden aus diesen Ländern zwischen Januar bis Ende September mehr als 13.000 Asylanträge gestellt. Davon seien 7000 Folgeanträge gewesen.

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