Tausendsasserin aus Leer Marathon statt Rollstuhl
Ilka Groenewold ist Sportlerin aus Leidenschaft. Doch ihr Leben hätte um ein Haar ganz anders ausgesehen. Mit dieser Zeitung sprach die Moderatorin darüber – und über ihren Traum vom Schlagerhimmel.
Leer/Hamburg - Eine lange Narbe zieht sich von der Hüfte über den Oberschenkel hinauf bis zum Knie. „Jeder, der schon mal mit mir schwimmen war, sieht sofort, dass da irgendwas passiert sein muss“, sagt Ilka Groenewold. Die Narbe sei mitgewachsen. Damals, als sie ein Jahr alt war, könne sie höchstens zehn Zentimeter lang gewesen sein. Die gebürtige Leeranerin ist eine Tausendsasserin, wie sie im Buche steht: Moderatorin, Coach für Rhetorikschulungen, Referentin auf Kreuzfahrtschiffen, und nun auch angehende Schlagersängerin. Und sie ist Sportlerin aus Leidenschaft. „Das ist eigentlich ein kleines Wunder“, sagt die 38-Jährige. Das hat sie dieser Narbe zu verdanken – oder vielmehr der Operation, durch die sie entstanden ist.
Als Ilka ein Jahr alt ist, werden ihre Eltern vor die Wahl gestellt: Rollstuhl oder Operation. Denn das kleine Mädchen leidet unter einer schweren Hüft-Dysplasie: einer angeborenen Fehlentwicklung der Hüftpfanne. „Meine Eltern haben damals, das muss 1985/86 gewesen sein, die Ärzte gefragt: Was würden Sie tun, wenn es Ihre Tochter wäre?“ Die Antwort lautete: „Wir würden operieren.“ Heute kann die ambitionierte Sportlerin sagen: „Das war mein großes Glück.“ Denn heute läuft sie Marathons, macht beim berühmten Triathlon Iron-Man mit, ist sogar Botschafterin von Sportmarken. „Vieles ist Training“, sagt Groenewold dazu. „Wenn man 40 Kilometer laufen will, muss man einfach hart dafür trainieren. Aber dass ich überhaupt vier Kilometer laufen kann, das habe ich dem Arzt zu verdanken, der mich damals operiert hat.“
Schlager-Single „Unikat“
Ilka Groenewolds erste Single „Unikat“ ist mit dem Produzenten Markus Norwin Rummel entstanden, der unter anderem auch Produzent von Künstlern wie Howard Carpendale, Kerstin Ott, Maite Kelly und Ben Zucker ist. Zu hören ist „Unikat“ ab Freitag, 10. November, auf allen Streaming- und Downloadplattformen.
Ilka Groenewold sucht schon früh das Rampenlicht
Mit drei Jahren wird Ilka zum Ballet geschickt. „Das haben die Ärzte meinen Eltern empfohlen, für die Haltung.“ Vielleicht liegt es am holprigen Start ins Leben des Leeraner Energiebündels, aber von klein auf geht Ilka mit großem Ehrgeiz an die Sachen, die ihr am Herz liegen. Mit zehn Jahren wird sie Mitglied der Teenie-Band „Ellie und die Tüten“, nimmt Songs auf, hat sogar Auftritte im Fernsehen. Sie liebt die Bewegung, liebt Tanzen und Singen. „Jeden Nachmittag habe ich bei der Tanzschule Schrock-Opitz in Leer verbracht – entweder als Tänzerin oder als Tanzlehrerin.“
Mit 16 Jahren bewirbt sie sich mit einem Video für eine Show bei dem Musiksender Viva – und wird genommen: Ilka darf zukünftig die McClip-Show moderieren. „Dafür mussten wir damals immer nach Köln zum Studio fahren“, erzählt die heute 38-Jährige. Ihre Eltern hätten sie bei all ihren Vorhaben immer unterstützt. „Ich habe Dinge schon immer anders gemacht als die anderen Kinder“, sagt sie, „Gesang, Tanz, Moderation, ich wollte immer auf die Bühne.“
Erste Single als Schlagersängerin
Groenewold versucht, bei Vorträgen und in Coachings auch anderen Leuten Mut zu machen: „Wenn du an deine Ziele, Wünsche und Visionen glaubst und dafür kämpfst, kannst du alles im Leben erreichen.“ Mittlerweile hat sich die Wahl-Hamburgerin die meisten ihrer Wünsche bereits erfüllt. „Mein Hauptjob ist die Moderation“, sagt sie. Das sei das, was ihr Leben finanziert. Groenewold arbeitet für Nachrichtensender, aber moderiert auch Galen, Veranstaltungen und Kongresse. Ihr zweites Standbein sei die Tätigkeit als Rhetorik-Coach. „Da schule ich Leute darin, wie sie ihr Auftreten auf der Bühne verbessern, aber auch darin, wie man Krisengespräche führt“, sagt sie. Als dritte Tätigkeit, aber auch als Ausgleich, tritt sie auf Kreuzfahrtschiffen als Referentin und Sport-Coach auf. „Das mache ich dreimal im Jahr, da nehme ich meinen Mann mit, und das fühlt sich auch immer ein bisschen wie Urlaub an.“
„Ich tanze auf allen Hochzeiten“, sagt Groenewold und lacht. Und weil Stillstand und Ausruhen nicht so ihrs sei, hat sie nun ein weiteres Herzensprojekt verwirklicht: Am 10. November erscheint ihre erste Schlager-Single „Unikat“. „Ich weiß, dass ich keine Helene Fischer bin – Helene ist unerreichbar“, sagt Groenewold. „Aber wenn ich mir was wünschen könnte, dann wäre es ein Platz in den Charts – man soll ja nach den Sternen greifen“, so die Hamburgerin. Dennoch geht sie das Ganze realistisch an. „Die wenigstens Leute werden mit dem ersten Titel berühmt“, sagt sie. Deshalb wolle sie drei Songs die Chance geben und dann mal sehen, wo sie diese Reise hinführt. „Ein Auftritt im Fernsehgarten, das wäre toll!“ Bei all der Bühnenpräsenz und dem Schein des Rampenlichts hat Groenewold ihre sichtliche Narbe nie gestört. „Sie gehört zu mir und erzählt meine Geschichte.“