Boston  Altbekanntes Diabetes-Mittel könnte auch gegen Demenz helfen

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 08.11.2023 07:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Einnahme des Diabetes-Mittel Metformin könnte laut einer neuen Studie einer Demenzerkrankung im Alter vorbeugen. Foto: imago images/Dean Pictures
Die Einnahme des Diabetes-Mittel Metformin könnte laut einer neuen Studie einer Demenzerkrankung im Alter vorbeugen. Foto: imago images/Dean Pictures
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Das Diabetes-Mittel Metformin könnte das Risiko für eine Demenzerkrankung senken. Das legen neue Studienergebnisse aus den USA nahe. Was dahinter steckt.

Die Furcht, im Alter an Demenz zu erkranken, ist in Deutschland mit am größten, wenn es um die Ängste vor Krankheiten geht. Der Stand an Erkrankten ist hoch: Laut einer Berechnung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) waren im Jahr 2021 etwa 1,8 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Schätzungsweise kamen in dem Jahr bis zu 440.000 Neuerkrankungen hinzu. Ein Szenario ging von bis zu zwei Millionen Erkrankten über 65 Jahre im Jahr 2033 aus. Im Kampf gegen die Krankheit forschen Wissenschaftler nach einem Gegenmittel.

Die Auswertung des Portals „Statista“ auf Basis von Daten der Krankenkasse DAK zeigt, vor welchen Krankheiten Befragte in Deutschland am meisten Sorge haben. An erster Stelle steht Krebs, dahinter folgen direkt Alzheimer beziehungsweise Demenz.

Auf ein Anti-Demenz-Mittel sind Epidemiologen von der Boston Universität in Kooperation mit Forschern aus Kalifornien gestoßen. In einer aktuellen Studie, die im Fachjournal Jama Network Open Source erschienen ist, wiesen sie positive Effekte von Metformin nach. Dieses gilt seit Jahrzehnten als Mittel der Wahl für Menschen mit Typ-II-Diabetes.

Für die Studie analysierten die Wissenschaftler Daten aus Krankenakten von mehreren Zehntausend Patienten, die wegen Typ-II-Diabetes mit dem Wirkstoff Metformin behandelt wurden. Von ihnen mussten 12.200 Personen die Therapie frühzeitig abbrechen und auf andere Medikamente umsteigen. Gründe für den Abbruch waren Nierenprobleme durch Diabetes und auch Nebenwirkungen des Medikaments, das unter anderem starke Blähungen hervorrufen kann.

Auf diese Weise entstanden zwei Gruppen. Wie sich herausstellte, trat bei Patienten, die auf die Einnahme von Metformin verzichteten, eine Demenzerkrankung deutlich häufiger auf. Bei denjenigen, die weiter mit dem Diabetes-Mittel behandelt wurden, sank hingegen die Wahrscheinlichkeit um 21 Prozent.

Die Vermutung: Durch die Einnahme von Metformin könnte eine entzündungshemmende Wirkung eintreten. Dieser Effekt könnte eine Demenzerkrankung verhindern.

Während Diabetiker sich womöglich über die positive Wirkung des Medikaments, das sie ohnehin einnehmen, freuen dürfen, könnten sich Gesunde allerdings zusätzlichen Risiken aussetzen. Eine andere Studie mit Metformin zeigte etwa, dass der Wirkstoff positive Effekte durch Sport zerstören könnte.

Demenz lässt sich auch auf andere Weise vorbeugen. Laut dem DZNE sollen elf Lebensstilfaktoren für 38 Prozent der Fälle verantwortlich sein. Dazu zählen etwa niedrige Bildung, Rauchen und schlechtes Hören.

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