Hamburg  Pakistan will Afghanen abschieben – und wieder geht es um die Ortskräfte

Marie Busse
|
Von Marie Busse
| 03.11.2023 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Pakistan will Afghanen rigoros abschieben. Was bedeutet das für Afghanen, die auf ein Visum für Deutschland warten? Foto: dpa/ Fareed Khan
Pakistan will Afghanen rigoros abschieben. Was bedeutet das für Afghanen, die auf ein Visum für Deutschland warten? Foto: dpa/ Fareed Khan
Artikel teilen:

Pakistan will mehr als eine Million afghanische Flüchtlinge abschieben. Auch rund 3000 Ortskräfte und gefährdete Personen, die eine Aufnahmezusage für Deutschland haben, droht die Rückführung ins Land der Taliban.

Afghanische Flüchtlinge sind in Pakistan nicht willkommen. Die Regierung will rund 1,7 Millionen Afghanen ohne gültige Papiere ins Nachbarland abschieben. Vor Ablauf der Frist am 1. November sind nach Behördenangaben schon mehr als 190.000 in ihr von den Taliban regiertes Heimatland zurückgekehrt.

Es ist eine Rückkehr in ein Land, das wirtschaftlich am Boden liegt. Hilfsorganisationen warnen angesichts des nahenden Winters vor kritischen Bedingungen für Rückkehrer. Doch nicht nur die humanitäre Lage ist schwierig, für einige Flüchtlinge ist eine Rückkehr auch mit persönlichen Risiken verbunden. Denn wer etwa für die 2021 gestürzte Regierung oder sich für Frauenrechte einsetzte, muss mit Repressionen rechnen.

Eigentlich hatte die Bundesregierung nach der Machtübernahme der Taliban eine unbürokratische Lösung für Ortskräfte und besonders gefährdete Personen versprochen. Außenministerin Baerbock sagte im August 2021: „Sie sind nicht vergessen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle in Sicherheit zu bringen.“

Mehr als zwei Jahre später ist von diesem Versprechen nicht mehr viel übrig. Wer über das sogenannte Bundesaufnahmeprogramm nach Deutschland reisen will, muss hohe bürokratische Hürden überwinden. Dann folgt ein Vorsprechen, das ausschließlich bei der deutschen Botschaft in Islamabad in Pakistan möglich ist. Ausgerechnet dem Land, das jetzt massenhaft Afghanen ausweisen will. In Pakistan leben nach Schätzungen der Initiative „Kabul Luftbrücke“ rund 3000 Menschen mit Aufnahmezusage für Deutschland. Sicher vor einer Ausweisung nach Afghanistan seien sie nicht.

Das Auswärtige Amt sagte unserer Redaktion, man betrachte die Abschiebungen mit Sorge, „insbesondere vor dem Hintergrund der katastrophalen humanitären Lage in Afghanistan.“ Was konkret für die Wartenden auf ein Visum getan wird, bleibt allerdings unklar. „Wir arbeiten an Lösungen für die betroffenen Afghaninnen und Afghanen aus dem Bundesaufnahmeprogramm, die wir bei ihrer Ausreise aus Pakistan unterstützen“, heißt es.

Die britische Regierung geht indes einen anderen Weg. Nach Angaben der BBC charterte die Regierung Flugzeuge, um Ortskräfte aus Pakistan zu evakuieren. Insgesamt 3250 Menschen wurden ausgeflogen. Die Frage, ob das Auswärtige Amt Ähnliches plane, blieb unbeantwortet.

Ähnliche Artikel