Osnabrück  Neuer Speiseplan bei der Truppe: Sparen am falschen Ende schwächt die Moral

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 03.11.2023 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Erbsensuppe bald nur noch mit veganer Einlage? Bundeskanzler Olaf Scholz beim Truppenbesuch. Foto: dpa/Kay Nietfeld
Erbsensuppe bald nur noch mit veganer Einlage? Bundeskanzler Olaf Scholz beim Truppenbesuch. Foto: dpa/Kay Nietfeld
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Bei der Bundeswehr könnte es bald weniger Rindfleisch geben. Und auch an Fisch und frischem Obst soll die Truppe sparen. Peinlich, peinlich – der Wehrhaftigkeit dient das sicher nicht.

Erhöhen vegane Lebensmittel die soldatische Kampfkraft? Zumindest steigert schon allein ihre Erwähnung bei manchen Menschen das Aggressionspotenzial, wie sich oftmals bei Debatten um die richtige Ernährungsweise beobachten lässt. So verwundert es nicht, dass die jüngsten Überlegungen zur Versorgung der Bundeswehr für Aufregung sorgen.

Ab nächstem Jahr soll Rindfleisch durch mehr Geflügel und Schwein sowie vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte ersetzt werden. Und damit nicht genug: Auch frisches Obst und Fisch soll es künftig vor allem aus Kostengründen weniger geben.

Ob es clever ist, ausgerechnet bei der Verpflegung sparen zu wollen? Rund 62 Millionen Euro hat sich der Bund die Lebensmittel zur Versorgung seiner Soldaten und Zivilisten in den Kasernen zuletzt für ein Jahr kosten lassen. Das sind im Vergleich zu 100 Milliarden für die militärische Modernisierung der Truppe Peanuts.

Nicht, dass die Truppenküche in der Vergangenheit für Geschmackserlebnisse im positiven Sinne bekannt war; wer zur Bundeswehr geht, macht das nicht aus Liebe zur dortigen Menüfolge am Mittagstisch. Gleichwohl wollen sich Soldaten gesund und möglichst schmackhaft versorgt wissen. Gutes Essen hält nach Sokrates bekanntlich Leib und Seele zusammen.

Tatsächlich ändern sich derzeit die Ernährungsgewohnheiten vieler Bürger; der Fleischkonsum ist rückläufig, vor allem junge Menschen verzichten vermehrt darauf. Ein solcher Trend darf sich durchaus auch auf dem Speiseplan der Bundeswehr widerspiegeln. Doch sollte man es nicht übertreiben. Es sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Attraktiver wird die Bundeswehr mit „Schmalhans Küche“ sicher nicht.

Bei Volkswagen haben sie erfahren müssen, was es heißt, die Mitarbeiter bei der Ernährung über Gebühr zu gängeln – nach zweijähriger Fleischlosigkeit kam die Currywurst in der Kantine wieder auf den Tisch. Der Belegschaft zuliebe.

Anm. d. Red.: Das Verteidigungsministerium hat am Freitagabend in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass auch künftig Rindfleisch und Fisch auf Wunsch der Soldaten angeboten werde. Zuvor war in hausinternen Plänen die Rede davon gewesen, dass das Angebot von Fleisch, Fisch und Obst reduziert werden solle. Das Ministerium teilte nun mit, eine Entscheidung zur Neuausrichtung der Verpflegung stehe noch aus. Wir haben die entsprechenden Passagen im Kommentar angepasst.

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