Kickers spielt auswärts Ungers spezielle Rückkehr nach Hildesheim
Emden gastiert an diesem Sonnabend in der Fußball-Oberliga beim Ex-Klub von Co-Trainer Markus Unger. Dieser fühlt sich bei Kickers wohl und hat noch viel vor.
Emden - Fast ein halbes Jahr ist es her, da verließ Markus Unger Borussia Hildesheim. Nicht weil es dem 41-jährigen Cheftrainer dort nicht mehr gefallen hat. Im Gegenteil. Unger hatte bereits „sehr gute Gespräche“ mit der Borussia über eine weitere Zusammenarbeit geführt. Und doch entschied er sich letztendlich für einen anderen Weg, für das „Projekt“ des Fußball-Regionalliga-Mitabsteigers Kickers Emden. „Projekt“ – so nennen die Kickers-Verantwortlichen gerne das Schaffen neuer Strukturen und die Vision, sportlich wieder an alte erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Zeiten, die Markus Unger in Emden selbst als Fußballer erlebt hatte. In den Drittliga-Saisons 05/06 (Regionalliga) und 08/09 (3. Liga) kickte er im Emder Mittelfeld.
„3000 bis 5000 Menschen haben damals für eine geile Stimmung bei den Heimspielen gesorgt“, erinnert sich 41-Jährige, der ausschließlich für Kickers arbeitet und als Co-Trainer von Chef Stefan Emmerling fungiert. Unger fühlt sich in seiner Entscheidung, nach Ostfriesland zurückzukehren, bestätigt. „Es macht Riesenspaß mit der Mannschaft zu arbeiten. Wir wollen hier etwas auf die Beine stellen. Dass der eingeschlagene Weg auch gut ankommt, zeigen die steigenden Zuschauerzahlen.“ Fast 1500 Besucher kamen zu den jüngsten Partien in das Ostfriesland-Stadion.
Regelmäßiger Austausch mit Hildesheim-Trainern
Nach nun drei Heimspielen in Folge muss Kickers an diesem Samstag (14 Uhr) in der Fußball-Oberliga mal wieder auswärts ran – und zwar bei Ungers Ex-Klub Hildesheim. „Gegen den alten Verein ist es immer ein wenig besonders“, räumt Markus Unger ein. „Aber es ist ein Fußballspiel, bei dem es nicht um sentimentale Dinge einzelner Personen gehen sollte.“ Es sei für „uns ein extrem wichtiges Spiel. Jedes Spiel hat bei uns aktuell einen extrem hohen Stellenwert.“ Schließlich sind die Emder, aktuell Dritter, ambitioniert. Das gilt auch für Gegner Hildesheim, aktuell Fünfter. Mit einem Sieg würde die Borussia in der Tabelle an den Ostfriesen, die noch zwei Nachholpartien in der Hinterhand haben, vorbeiziehen.
„Bei uns ist es ein wenig wie bei Kickers. Wir sind meistens spielüberlegen, haben die Partien aber nicht immer für uns entschieden. Eigentlich haben wir sechs Punkte zu wenig auf dem Konto“, sagt Marcel Hartmann. Er war zu Jahresbeginn unter Markus Unger bei Hildesheim als weiterer Co-Trainer neben Björn Kollecker eingestiegen und beerbte dann im Sommer als Duo mit Kollecker den nach Emden abgewanderten Ex-Chef auf der Borussia-Trainerbank. Der Kontakt zwischen Unger und seinen einstigen Assistenten besteht weiterhin. „Wir tauschen uns regelmäßig aus, wenn es um Gegner geht“, verrät Markus Unger. Das Verhältnis ist so freundschaftlich, dass trotz der Konkurrenzsituation der ein oder andere Tipp weitergegeben wird.
Unser Tipp
Borussia Hildesheim – Kickers Emden 1:1. Bislang konnten die Emder in der Fremde noch nicht so überzeugen. Nun gastiert Emden bei einem ebenfalls spielstarken und ambitionierten Team. Nach dem ersten Remis dieser Saison am Samstag gegen Egestorf-Langreder könnte direkt das zweite folgen.
„Chemie“ mit Emmerling stimmt
Die Hildesheimer verfügen über keinen Kunstrasenplatz, dennoch gilt das Austragen der Partie laut Borussia-Coach Hartmann als „nicht wirklich gefährdet“. Aber das dachten die Emder Verantwortlichen am Montagabend über das angesetzte Heimspiel am Dienstag gegen Arminia Hannover auch. „Dann kam über Nacht ein Wolkeneinbruch und unser Platz stand unter Wasser“, sagt Markus Unger. Die Partie am Reformationstag fiel entsprechend aus. Bis auf die Langzeitverletzten kann Kickers gegen Hildesheim aus dem Vollen schöpfen. „Auf uns kommt eine erfahrene, spielstarke Mannschaft zu. Der Umbruch fiel nicht ganz so groß aus wie bei uns. Aber die haben interessante Spieler dazubekommen“, sagt Unger über den Klub, bei dem er zwei Jahre als Cheftrainer tätig war.
Bei Kickers rutschte er nun ein Glied zurück und ist Co-Trainer. Nicht der „Chef“ zu sein, stört Unger aber nicht. „Ob ich die Nummer eins, zwei oder sogar drei bin, ist mir nicht wichtig, so lange es ein klares Ziel gibt und der Respekt gegenseitig da ist“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Die „Chemie“ passe zwischen Stefan Emmerling und ihm. Es gäbe keine klare Aufgabenverteilung. „Wir besprechen alles gemeinsam, planen gemeinsam und analysieren gemeinsam.“ Ende Mai bei seiner Verpflichtung war Unger auch als Leitung des Jugendbereichs (A-, B- und C-Junioren) vorgestellt worden. „Ich habe mir von den U-Teams einige Einheiten und Spiele angeschaut und bin mit den Trainern im Austausch über die Spieler. Gerade auch im Austausch mit der U19 und der 2. Mannschaft gibt es immer wieder Spieler, die bei uns trainieren oder bei der 2. Mannschaft spielen“, sagt Markus Unger. „Aber mein Fokus liegt klar auf dem Oberliga-Team.“
Die Wiedereingewöhnung in Emden hat bei Unger nicht lange gedauert. „Es hat sich ja auch nicht ganz so viel verändert“, sagt er, um dann doch eine Veränderung preiszugeben: „Die Bar ‚Sam’s‘ das Spielerstammlokal von früher, heißt jetzt ‚Der Ostfriese‘.“