Emden will effizienter werden Spart die Stadt bei Werkstatt-Zusammenlegung wirklich Geld?
Mehrere Werkstätten, Handwerker verstreut in den Fachdiensten: Die Stadt Emden will ihre Ressourcen jetzt bündeln. Wird es dadurch teurer? Es gibt auch ein Problem, das mit dem Rettungsdienst zusammenhängt.
Emden - Zugespitzt formuliert, mag man meinen, dass städtische Handwerker vorher wahllos über das Emder Stadtgebiet verteilt waren. Unter anderem eine Werkstatt beim Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE), eine beim Gebäudemanagement (GME), die Spielplatztruppe an der Nesserlanderstraße und hier und da noch ein paar Handwerker in den unterschiedlichen Fachdiensten. Wo ist eigentlich wer und wer macht was?
Was und warum
Darum geht es: die Zusammenlegung von städtischen Werkstätten
Vor allem interessant für: Leute, die sich für die Finanzen und Entwicklung der Stadt Emden interessieren
Deshalb berichten wir: Das Thema wurde im Ausschuss hitzig diskutiert. Weil es viele Menschen in Emden betrifft, etwa weil sie öffentliche Gebäude nutzen, die schneller instandgesetzt werden sollen, oder Steuern zahlen, die die Stadt für ihre Maßnahmen einsetzt, berichten wir darüber. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Eine Truppe kümmert sich um Bäume, eine andere aber auch. Spielplätze? Dafür sind auch zwei Einheiten zuständig. Sinnvoll klingt das nicht. „Jeder arbeitet für sich“, sagte auch Stadtbaurätin Irina Krantz im gemeinsamen Ratsausschuss für Finanzen und GME am Mittwoch. Die vorgeschlagene Lösung: Werkstätten sollen zusammengelegt werden.
Warum kommt die Idee jetzt erst auf?
Der Auslöser, um über die Zusammenlegung nachzudenken, war laut Krantz, dass in der kleinen Werkstatt des GME, das für alle öffentlichen Gebäude wie etwa Schulen zuständig ist, mehrere Mitarbeiter gekündigt hätten. Als Gründe wurden ihr genannt, dass man zu viele fachfremde Arbeiten ausführen müsse, es keine gute Vertretungsplanung gebe und man keine Zukunftsperspektive sehe. Um dem Abwandern von Personal entgegenzutreten, musste sich das GME also etwas einfallen lassen. Eine Machbarkeitsstudie wurde beauftragt, die eine Bündelung der Ressourcen aller Werkstätten empfiehlt. Es wurde auch der Vorschlag gemacht, wo alle Handwerker für Arbeiten im Innenbereich gemeinsame Räumlichkeiten beziehen sollten. Dabei gibt es aber ein Problem.
Warum gibt es ein Problem mit den gemeinsamen Räumen?
Als einzige Möglichkeit werden Räumlichkeiten beim Emder Gründerinnen-Zentrum (EGZ) am Nordkai genannt. Doch hier ist bereits provisorisch eine der zwei Emder Rettungswachen untergebracht. Eine befindet sich am Krankenhaus im Stadtteil Barenburg. Die andere hatte sich zuvor in Wolthusen befunden, war zu der Zeit aber in privater Hand des RKSH. Als die Stadt den Rettungsdienst Anfang des Jahres übernommen hat, wurde auch der Umzug nötig.
Langfristig soll die Wache an die Petkumer Straße neben die Score-Hauptzentrale ziehen. Doch zunächst müssen das Grundstück von der Stadt gekauft und Bomben-Sondierungen durchgeführt werden. „Für die neue Rettungswache gehen wir einschließlich aller vorbereitenden Maßnahmen von einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren aus“, hieß es im Mai von der Stadt. Wie der aktuelle Stand der Dinge ist, haben wir am Donnerstag nachgefragt.
Am Freitag kam die Rückmeldung von Stadtsprecher Eduard Dinkela, dass es noch nichts Neues zur Wache zu berichten gebe. Die Planungen und Gespräche würden noch laufen. „Die Planungen der Werkstatt-Zusammenlegung ist insbesondere zeitlich perspektivisch zu sehen“, erklärt er. Es werde zu keinen Überschneidungen mit der Rettungswache kommen, also die Räume nicht doppelt belegt werden. Eine räumliche Zusammenlegung der Werkstätten dürfte also demnach noch mehr als zwei Jahre auf sich warten lassen.
Was ist mit den Kosten?
Aus der Politik kam im Ausschuss die Frage, ob die Stadt mit der Zusammenlegung nicht mehr Geld ausgeben würde als vorher. Beim GME sollen beispielsweise sieben neue Stellen geschaffen werden, vier davon für die Werkstatt. Die hohen Personalkosten der Stadt werden oft kritisiert. Irina Krantz betonte aber: „Wir haben nicht vor, das Ganze aufzublähen.“ Kosten für Baumittel würden durch die vorgeschlagene Lösung deutlich reduziert, so dass dadurch Personalkosten mehr als ausgeglichen würden.
Die „schnelle Einsatztruppe“ könne auch flexibel und kurzfristig bei Mängeln oder Gefahrenstellen etwa an Schulen eingreifen und damit mögliche Folgeschäden verhindern, die entstehen könnten, wenn man auf externe Handwerker warten müsste. Um tatsächlich einschätzen zu können, dass die eigene Handwerkerleistung günstiger als die externe ist, wolle man regelmäßig Vergleichsangebote einholen und alles selbstkritisch betrachten, so Krantz.
Wie hat die Politik entschieden?
Noch gar nicht. Die Machbarkeitsstudie hatte weder der Politik noch der Presse zuvor vorgelegen. „Eine Panne“, sagte Irina Krantz im Ausschuss. Der Politik fehlte somit beispielsweise die Info über genaue Einsparungen und Kosten. Die Diskussion ist also vorerst zurück in die Fraktionen gegangen. Am 4. Dezember soll im Verwaltungsausschuss, dem zweitwichtigsten Gremium nach dem Rat, darüber abgestimmt werden.
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