Osnabrück  Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt: Vorsicht vor falschen Hoffnungen

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 01.11.2023 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Schneller arbeiten? Die Zukunft Geflüchteter ist oft über sehr lange Zeit ungewiss. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Schneller arbeiten? Die Zukunft Geflüchteter ist oft über sehr lange Zeit ungewiss. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Die Bundesregierung will es Geduldeten und Menschen im Asylverfahren leichter machen, eine Arbeit aufzunehmen. Das ist gut gemeint, macht aber eine grundsätzlich restriktivere Migrationspolitik nicht überflüssig.

Der Kabinettsbeschluss, Asylbewerbern und geduldeten Ausländern künftig einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, zeugt von Pragmatismus. Und der kann in der emotional aufgeladenen Migrationsdebatte nicht schaden. Arbeitsverbote grenzen Menschen aus der Gesellschaft aus und sind angesichts des Arbeitskräftemangels in Deutschland wenig nachvollziehbar.

Wer eine realistische Chance auf eine langfristige Bleibeperspektive hat, sollte so frühzeitig wie möglich mit der Integration beginnen können. Kaum etwas fördert das Einleben in eine Gesellschaft so sehr wie ein Job. Der bisweilen schlechte Leumund Geflüchteter in der Gesellschaft rührt allzu oft daher, dass sie qua Gesetz zur Untätigkeit verdammt sind, solange das Asylverfahren läuft.

Dass Menschen aus sicheren Herkunftsländern, die offensichtlich unbegründete Anträge auf Schutz stellen oder eine Klärung ihrer Identität verweigern, nicht von den auf den Weg gebrachten Erleichterungen profitieren, ist vor diesem Hintergrund richtig.

Fakt ist aber auch: Nicht jeder Asylsuchende ist angesichts monatelanger Flucht oder bereits im Vorfeld erlittener traumatischer Belastungen in der Lage, umgehend zu arbeiten. Und auch was die Qualifikationen angeht, gibt es von Fall zu Fall erhebliche Unterschiede; nicht zuletzt verfügen viele Asylsuchende nur über eine sehr rudimentäre Bildung.

So sollte man von einem leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt nicht zu viel erwarten. Die Maßnahme kann nur ein Stein im größeren Mosaik einer rundum zu erneuernden Migrationspolitik sein.

Wenn es Deutschland nicht gelingt, eine grundsätzliche Wende hin zu einer restriktiveren Asylpolitik herbeizuführen, droht die gesellschaftliche Zustimmung für die notwendige Einwanderung in den Arbeitsmarkt verloren zu gehen. Angesichts der demografischen Entwicklung und dem immensen Mangel an Fachkräften wird Deutschland darum aber nicht herumkommen.

So bleibt es also eine vorrangige Aufgabe der Politik, Asylverfahren deutlich zu beschleunigen und abgelehnte Schutzsuchende dann auch konsequent abzuschieben.

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