Knallerei an Silvester  Böllerverbot – könnte Wangerland Vorbild fürs Rheiderland sein?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 30.10.2023 19:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit dem Deichleuchten möchte die Gemeinde Wangerland eine neue Silvestertradition an der Küste etablieren. Foto: WTG
Mit dem Deichleuchten möchte die Gemeinde Wangerland eine neue Silvestertradition an der Küste etablieren. Foto: WTG
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Viele Rheiderländer wünschen sich ein Böller-Verbot. Die Gemeinde Wangerland hat es für einige öffentliche Bereiche kürzlich beschlossen. Dafür gibt es dort eine attraktive Alternative zum Feuerwerk.

Rheiderland - Viele fiebern dem letzten Tag des Jahres voller Vorfreude entgegen. Sie können es gar nicht abwarten, es gemeinsam mit der Clique zum Jahresabschluss mit Böllern und Raketen ordentlich krachen zu lassen. Andere blicken der Knallerei mit Schrecken entgegen und würden am liebsten auf das Spektakel verzichten. Für genau für dieses Ziel kämpft eine Anti-Böllerinitiative im Rheiderland.

Was und warum

Darum geht es: In der Gemeinde Wangerland gilt in bestimmten Bereichen ein Böllerverbot. Wäre das auch eine Option fürs Rheiderland?

Vor allem interessant für: Befürworter und Gegner von Silvesterfeuerwerk

Deshalb berichten wir: Chinakracher und Raketen – das Silvesterfeuerwerk spaltet die Gesellschaft

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

„Das Problem ist, dass die Knallerei schon Tage vor Silvester beginnt und sich weit bis ins neue Jahr hineinzieht“, sagt Anita Weelborg-Leissen, Mitglied der bunt zusammengewürfelten Bürgerinitiative. Für viele Haustiere sei der Jahreswechsel mit hohem Stress verbunden. Aus Angst vor dem Pfeifen und Krachen trauten sich viele Hunde gar nicht mehr zum Gassigehen vor die Tür und verkriechen sich im Haus. Aber auch Wildvögel und andere freilebende Tiere würden durch Feuerwerkskörper völlig verängstigt. Aber auch der Umweltschutz spreche dafür, sich von der Tradition zu verabschieden. „Alle reden vom Klimaschutz, die Feinstaubbelastung durch das Silvesterfeuerwerk wird aber hingenommen“, gibt Weelborg-Leissen zu bedenken.

Kürzere Verkaufszeit fürs Feuerwerk

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, sammelt die Bürgerinitiative Unterschriften. „Wir haben schon mehr als 900 Unterschriften zusammen und sammeln auch weiter“, so Anita Weelborg-Leissen. Ihr und ihren Mitstreitern geht es in erster Linie darum, dass die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Nach den Gesetzesvorgaben darf Silvesterfeuerwerk nur in der Zeit vom 31. Dezember bis zum 1. Januar abgefeuert werden. Geböllert werde aber schon, sobald sich die Feuerwerksfans mit Chinakrachern & Co. eingedeckt haben. Hier sieht die Anti-Böllerinitiative einen ersten Ansatzpunkt.

Bei einem Gespräch mit den Bürgermeistern der Rheiderland-Kommunen Heiko Abbas (Weener), Hans-Peter Heikens (Jemgum) und Uwe Sap (Bunde) wurde überlegt, die Verkaufszeit für Feuerwerkskörper von drei auf zwei Tage vor Silvester zu verkürzen. Dafür ist allerdings der Bundesgesetzgeber zuständig. Die drei Bürgermeister haben inzwischen ein Schreiben an die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (Hesel) verfasst, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Personell sehen sich die Kommunen nicht in der Lage, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu kontrollieren und etwaige Verstöße zu ahnden.

Alternative zum lauten Feuerwerk

„Wir würden uns eine Silvester-Alternative fürs Rheiderland wünschen“, sagt Anita Weelborg-Leissen – beispielsweise ein großes Silvestertreffen im Gewerbegebiet Bunde-West mit Fackeln und Lichtern statt Böllern und Raketen. Dass das durchaus funktionieren kann, zeigt sich in der Gemeinde Wangerland.

Zum Jahreswechsel 2022/2023 fand auf einer 30 Kilometer langen Deichlinie im Wangerland erstmals das Wangerländer Deichleuchten statt. Foto: WTG
Zum Jahreswechsel 2022/2023 fand auf einer 30 Kilometer langen Deichlinie im Wangerland erstmals das Wangerländer Deichleuchten statt. Foto: WTG

Zum Jahreswechsel 2022/2023 fand erstmals das „Wangerländer Deichleuchten“ statt. Initiiert wurde die Aktion von der Wangerland Touristik GmbH (WTG). „Viele Gäste kommen zu uns, weil sie für sich und ihre Tiere Silvester Ruhe haben wollen. Daher wollen wir eine Alternative zum Feuerwerk bieten“, nennt Larissa Strangemann von der WTG den Hintergrund. Gäste und Einheimische waren erstmals dazu aufgerufen, sich gegen kurz vor Mitternacht auf der rund 30 Kilometer langen Deichlinie des Wangerlandes zu versammeln und um Mitternacht unterschiedlichste Leuchtmittel zu entflammen. Kerzen wurden ebenso mitgebracht wie Wachsfackeln oder batteriebetriebene Lichterketten.

Böllerverbot am Deich

Beim Deichleuchten soll auch in diesem Jahr wieder das gemeinschaftliche Genießen des Momentes direkt an der Nordsee im Fokus stehen. „Die Aktion ist sehr gut angenommen worden. Die Leute waren begeistert und es hat auch zu keiner negativen Stimmung geführt“, sagt Peter Podein, Allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters der Gemeinde Wangerland. Die Bevölkerung sei in einem Appell dazu aufgerufen worden, freiwillig aufs Böllern zu verzichten – auch wenn das noch nicht überall umgesetzt worden sei.

Die Politik der Gemeinde Wangerland hat in diesem Monat allerdings Nägel mit Köpfen gemacht und ein Böllerverbot beschlossen – zumindest für bestimmte Bereiche. Auf öffentlichen Flächen in unmittelbarer Nähe des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer darf kein Feuerwerk mehr gezündet werden. Das Verbot gilt im Deichvorland, auf den Deichen und auf einem 50 Meter breiten Streifen hinter dem Deich.

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