Deutschland Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger: Mit diesen Tipps sind Sie sicher unterwegs in Herbst und Winter
Nebel, Laub, Wind und Nässe: Mit diesen Tipps kommen Sie sicher durch den Straßenverkehr in Herbst und Winter – egal ob auf dem Rad, im Auto oder zu Fuß.
Der Herbst ist da und mit ihm ein erhöhtes Verkehrsrisiko: Geblendet von der tief stehenden Sonne, eine schlechte Sicht durch Nebel oder die frühe Dämmerung, nasse Straßen, Wildunfälle, Laub, Sturm – die Herbstzeit birgt für Verkehrsteilnehmer eine Reihe von Herausforderungen. Grundsätzlich steigern drei Faustregeln die Sicherheit im Straßenverkehr zur Herbstzeit:
Dennoch passieren viele Unfälle vor allem in den dunklen Jahreszeiten. Wie sich Verkehrsteilnehmer auf der Straße, dem Radweg oder Gehweg absichern können. Ein Überblick:
Für gute Beleuchtung sollten alle Autofahrer vor allem in dunklen Jahreszeiten sorgen. In anderen EU-Ländern müssen Autofahrer ständig mit Licht fahren. In Deutschland ist es empfohlen, doch die Straßenverkehrsordnung (§17) schreibt eingeschaltetes Abblendlicht lediglich während der Dämmerung, bei Dunkelheit und bei unzureichender Sicht vor. Moderne Autos haben ergänzend ein Tagfahrlicht verbaut, das allerdings nur vorne leuchtet und daher nicht das Abblendlicht bei schlechter Sicht oder im Tunnel ersetzt.
Motorräder dürfen auch tagsüber nur mit Abblendlicht oder Tagfahrlicht gefahren werden. Ansonsten gelten für sie die gleichen Vorschriften wie für Autofahrer – außer, dass sie den Nebelscheinwerfer auch benutzen dürfen, ohne dabei das Abblendlicht oder Standlicht eingeschaltet haben zu müssen.
Autos, die „einäugig“ mit defektem Scheinwerfer fahren, oder mit zu hoch eingestellten Leuchten andere Fahrer blenden, sind ein Verkehrsrisiko. Einige Betriebe des Kfz-Gewerbes bieten daher Autobesitzern kostenlose Lichttests an. Sie prüfen Scheinwerfer, Leuchten und Blinker auf ihre Funktion und Einstellung. Offenbar ist das nötig: 2019 wies die Beleuchtung bei 20 Prozent der geprüften Fahrzeuge Mängel auf. Fast jeder zehnte Wagen blendete den Gegenverkehr.
Es gibt in Deutschland kein vorgeschriebenes Datum oder eine Temperatur, ab der man mit Winterreifen fahren muss. Wer bei „winterlichen Bedingungen“ unterwegs ist, also bei Glatteis oder Schnee, muss sie jedoch montiert haben, sonst drohen ein Bußgeld von 60 bis 120 Euro und ein Punkt in Flensburg. Als Orientierungswert wird oft die Sieben-Grad-Grenze genannt. Fällt das Thermometer über mehrere Stunden darunter, kann es streckenweise glatt sein – ein Fall für Winterreifen.
Lesen Sie hier: Frost und Schnee: So kommt das Auto gut durch den Winter
Nachts und am frühen Morgen kann es vor allem in Senken, auf Brücken, an schattigen Stellen oder am Waldrand Glatteis oder Reif geben. Vereisungen erkennt man zum Beispiel daran, dass sich das Licht auf der Fahrbahn spiegelt. Ruckartige Lenkbewegungen oder starkes Bremsen kann das Fahrzeug hier ins Rutschen bringen.
Herbstlaub und Nässe machen die Fahrbahn rutschig, der Bremsweg wird länger. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die Grafik:
Der ADAC empfiehlt daher die Fahrgeschwindigkeit mit der Sichtweite in Metern gleichzusetzen. Zum Beispiel Tempo 50 bei 50 Metern Sichtweite. „Wer sich an diese einfache Faustformel hält, ist stets auf der sicheren Seite.“ Außerdem sollte genügend Abstand zum Verkehr vor einem gehalten werden. „Zwei Sekunden Sicherheitsdistanz zum Vordermann sind die goldene Regel – in jeder Jahreszeit.“ Zwei Sekunden entsprächen dabei dem viel zitierten „halben Tacho“: beispielsweise 40 Meter Abstand bei Tempo 80. Zur Orientierung können die Leitpfosten dienen, die in 50 Metern Abstand voneinander aufgestellt sind.
Platzregen kann die Straße derart überschwemmen, dass sich darüberfahrende Autos nicht mehr kontrollieren lassen. Das Wasser verhindert die Haftung zwischen Reifen und Asphalt, wodurch der Bremsweg länger wird (vor allem mit Sommerreifen) und das Auto leicht aus der Kurve rutschen kann. Daher empfiehlt es sich, langsam zu fahren und weiten Abstand zu halten.
Aquaplaning macht sich meist durch ein platschendes Geräusch von unten bemerkbar, die Räder drehen durch, der Motor heult auf. In solchen Momenten sollte man den Fuß vom Gas nehmen, das Lenkrad festhalten und die Kupplung treten bis das Auto nicht mehr schlingert.
Lesen Sie hier: Tipps der Polizei für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Bei starken Windböen muss man teils gegenlenken, um das Fahrzeug in der Fahrspur zu halten. Motorradfahrer sollten mittig auf dem Fahrstreifen fahren. Zudem sollte man die Geschwindigkeit senken, mit beiden Händen das Lenkrad fassen und besonders auf Fahrzeuge mit großen Dachlasten achten. Wohnwagen, Busse und Lkw haben eine größere Widerstandsfläche, sodass sie bei starkem Wind ausscheren oder sogar umkippen können.
Bei starkem Sturm sollte man baumreiche Strecken meiden, um nicht von umherfliegenden Ästen getroffen zu werden. Biker sollten darauf achten, dass ihre Bekleidung möglichst wenig flattert und mit viel Gepäck auf dem Motorrad sollten sie das Tempo drosseln.
Laut dem ADAC entstehen jährlich rund 3000 Unfälle, weil Autofahrer von der Sonne geblendet worden sind. Das sind zehnmal mehr Unfälle als durch Sichtbehinderung durch Nebel. Vorbeugend hilft eine blank geputzte Frontscheibe gegen starke Blendung. Schmutz und Schlieren vom Scheibenwischer können das einfallende Licht nämlich stark streuen.
Während der Fahrt sollten Autofahrer bei tief stehender Sonne ordentlich Abstand halten, um im Zweifelsfall noch rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Zudem empfiehlt der ADAC, das Licht einzuschalten, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen. Außerdem gibt es bei sinkender oder gerade aufgehender Sonne massig Straßenbereiche, die im Schatten liegen. Das Tragen einer Sonnenbrille kann ein zusätzliches Risiko darstellen, weil es die Sicht noch weiter verdunkelt.
Bei unangenehm blendender Sonne am besten die Sonnenblende herunterklappen. Wem das nicht hilft, der sitzt wahrscheinlich zu tief und sollte eine aufrechtere Sitzposition wählen.
Auch interessant: Auto waschen im Winter: Wann Sie sich die Autowäsche lieber sparen sollten
Schränkt Nebel die Sicht stark ein, sollte das Abblendlicht angeschaltet werden. Das Fahrtempo sollte sich an der Sichtweite orientieren: Empfohlen ist die Geschwindigkeit in Stundenkilometern als Richtmaß für den Mindestabstand zum Vordermann: also bei Tempo 50, ein Abstand von 50 Metern. Aufs Überholen sollte man bei zweispurigen Landstraßen verzichten, rät der ADAC. Fernlicht leuchtet bloß den Nebel an, für bessere Sicht sorgen die Nebelscheinwerfer, für deren Benutzung es aber genaue Vorgaben gibt (siehe unter Punkt Beleuchtung oben).
Besonders wichtig ist auch für Fahrradfahrer die richtige Beleuchtung. Gesetzlich vorgeschrieben sind ein weißer Frontscheinwerfer sowie ein rotes Rücklicht am Fahrrad. Für gute Sichtbarkeit von der Seite müssen wahlweise Reflektorstreifen oder gelbe Speichenreflektoren (jeweils zwei pro Rad) angebracht sein. Auch ein weißer Reflektor vorne und ein roter hinten sind obligatorisch. Wer unbeleuchtet im Dunkeln mit dem Fahrrad fährt, muss mit 20 Euro Bußgeld rechnen.
Lesen Sie auch: Als Radfahrer gut durch den Winter - das müssen Sie beachten
Laub und Nässe verlängern den Bremsweg, der Radfahrer sollte dementsprechend vorsichtig fahren. Die Kommunen müssen Radwege, die auf der Straße sind, von Laub und Matsch befreien. Auf kombinierten Geh- und Radwegen auf den Bürgersteigen sind oft Grundstückseigentümer in der Pflicht zu kehren.
Die Kette leidet unter Nässe und Dreckspritzern und sollte daher regelmäßig geölt werden, rät der Fahrradclub ADFC. Außerdem sollten das Licht und die Bremsen vor dem Fahrtantritt auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden.
Um auf Laub oder Schnee nicht so leicht wegzurutschen, sollte man die Reifen nicht zu hart aufpumpen. Denn mit weniger Reifendruck vergrößert sich die Auflagefläche auf dem Untergrund – das gibt mehr Grip. Zu gering sollte der Druck aber nicht sein, weil die Haltbarkeit des Reifens darunter leidet.
Im Herbst müssen Fußgänger besonders vorsichtig unterwegs sein. Überquert ein Fußgänger bei schlechter Sicht durch Nebel, Regen oder Dunkelheit in dunkler Kleidung achtlos die Straße und wird angefahren, kann ihm Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Das kann bedeuten, dass er nicht den vollen Schaden von der Haftpflichtversicherung des Fahrers erstattet bekommt, betont der ADAC.
Reflektierende Kleidung – etwa Warnwesten – verbessern die Sichtbarkeit auf mehr als hundert Meter. Auch helle Kleidung hat den Effekt, dass Fußgänger besser in der Dämmerung zu sehen sind. Dennoch empfiehlt es sich, als Fußgänger in der Dunkelheit auf dem Gehweg zu bleiben und Straßen nur an gesicherten Übergängen zu überqueren.
Rutscht ein Fußgänger zum Beispiel auf nassem Laub aus und verletzt sich, hat er das Recht, Schadensersatz zu verlangen. Je nachdem ob der Gehweg eine öffentliche oder private Fläche ist, haftet die Kommune oder der Grundstückseigentümer. Grundsätzlich sollten Fußgänger auf rutschigem Untergrund langsam gehen und kleine Schritte machen. Schuhe mit Profil verbessern überdies die Trittfestigkeit. Verlieren Sie dennoch die Balance, nehmen Sie am besten die Unterarme vors Gesicht, um den Kopf zu schützen. Fallen Sie nach hinten, mildert ein rund gebeugter Rücken den Aufprall ab.