Hamburg  Fleischkonsum: Wie viel hilft der Verzicht dem Klima wirklich?

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 25.10.2023 17:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immer weniger Menschen essen in Deutschland Fleisch. 41 Prozent würden sich als „Flexitarier“ bezeichnen. Foto: dpa | Daniel Karmann
Immer weniger Menschen essen in Deutschland Fleisch. 41 Prozent würden sich als „Flexitarier“ bezeichnen. Foto: dpa | Daniel Karmann
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Fleischlose Ernährungsarten werden in Deutschland immer beliebter. Doch wie groß ist der Effekt des Fleischverzichts auf das Klima wirklich? Dazu geben gleich mehrere Studien Auskunft.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ernähren sich inzwischen knapp zwölf Prozent der Deutschen fleischlos. Weitere 41 Prozent bezeichneten sich als sogenannte „Flexitarier“, essen also nur gelegentlich Fleisch. Dies bestätigt den Trend, dass immer weniger Menschen täglich Fleisch essen. Die Folgen, die eine fleischlose Ernährung für das Klima haben kann, zeigt auch eine Studie der EAT-Lancet-Kommission aus Großbritannien.

Eine Befragung und Untersuchung der Aussagen von mehr als 55.000 Menschen zeigt: Nicht nur reiner Verzicht kann das Klima nachhaltig schützen. Demnach kann eine Reduzierung des Fleischkonsums die Umwelt- und Klimaauswirkungen im Vergleich zu hohem Fleischverzehr um knapp ein Drittel verringern.

Im Zuge ihrer Untersuchungen haben die Wissenschaftler auch einen Ernährungsplan aufgestellt, mit dem eine umweltbewusste Ernährung sichergestellt werden soll. Praxisnah ist dieses Modell allerdings nicht. So legen die Forscher eine Kalorienzufuhr von 2500 Kalorien fest, was lediglich als grober Richtwert angesehen werden kann.

Außerdem variieren die Lebensumstände in verschiedenen Weltregionen so sehr, dass eine Befolgung der Hilfestellungen der Forscher zum Teil schlicht unmöglich scheint. So müsste in nordamerikanischen Ländern der Fleischverzehr etwa auf ein Siebtel reduziert werden, während afrikanische Staaten das Siebenfache der empfohlenen Menge an stärkereichen Pflanzen verbrauchen.

Hier finden Sie unseren Faktencheck zum Thema Vegetarier und Klimaschutz.

Dass dies zumindest im Falle der afrikanischen Länder an den Lebensbedingungen liegt, zeigt auch die folgende Grafik. Demnach steigt der Fleischkonsum, je wohlhabender eine Gesellschaft ist.

Auch eine Untersuchung der Heinrich-Böll-Stiftung, die in dem „Fleischatlas 2021“ erschienen ist, zeigt: Gerade in Industrienationen ist der Fleischkonsum hoch.

Dabei ist für eine umweltbewusste Ernährung nach Meinung der Forscher gar kein kompletter Fleischverzicht nötig. So stellen sie klar, dass ein gelegentlicher Fleischkonsum sehr wohl mit dem Klimaschutz vereinbar sei. Deutsche Experten empfehlen teilweise sogar zehn Gramm Fleisch pro Tag.

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Auch eine Umstellung des Fleischkonsums kann bereits helfen. Zwar sind tierische Lebensmittel für 57 Prozent der verursachten Treibhausgasemissionen bei der Lebensmittelproduktion verantwortlich, wie eine Studie aus der Zeitschrift „Nature Food“ ergab. Aber allein der Umstieg von Rind- auf Schweine- oder Geflügelfleisch kann viele Emissionen einsparen, da gerade die Rindfleischproduktion viele CO2-Emissionen verursacht.

Einen ausführlichen Vergleich zur Umweltbelastung von Fleischersatzprodukten und Fleisch lesen Sie hier.

Am meisten ließe sich der CO2-Fußabdruck allerdings ganz ohne Fleisch reduzieren. Wie die „Deutsche Welle“ erklärt, ließe sich der persönliche Ausstoß im Jahr um 1,1 Tonnen verringern, wenn kein Fleisch verzehrt werden würde. In Nordamerika wären es hingegen sogar vier Tonnen.

Während also bereits eine Reduzierung des Fleischkonsums dem Klimaschutz helfen kann, sollte auch bedacht werden, dass andere Lebensbereiche in kürzerer Zeit deutlich mehr Treibhausgase verursachen. So werden zwei Jahre Fleischverzicht bereits durch 10.000 Kilometer Autofahren in einem Jahr an CO2-Emissionen aufgewogen.

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