Fünf Fragen zum Thema Schlaganfall Ein Schlaganfall kann jeden treffen – und dann zählt jede Minute
Mehr als 100.000 Personen sterben pro Jahr in Deutschland an einem Schlaganfall. Wer überlebt, ist später oft auf Unterstützung angewiesen. Selbsthilfe kann dann zu einem wichtigen Anker werden.
Mittegroßefehn - An Sonntag, 29. Oktober, ist der Welttag des Schlaganfalls. Grund genug, ein paar Fakten zu klären.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall resultiert aus einer plötzlich einsetzenden Funktionsstörung des Gehirns. Ein Schlaganfall entsteht, wenn ein Blutgefäß im Gehirn oder ein hirnversorgendes Gefäß im Halsbereich verstopft oder reißt. Die Gehirnzellen werden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Sie können absterben. Genau genommen ist ein Schlaganfall ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen, die aber eines gemeinsam haben: Sie alle sind potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weshalb in der medizinischen Erstversorgung jede Minute zählt. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall“ lautet darum auch das diesjährige Motto des Weltschlaganfall-Tags, einem weltweiten Aktionstag gegen den Schlaganfall. Eine Studie hat ergeben, dass nur 25 Prozent der Patientinnen und Patienten innerhalb der ersten zwei Stunden binnen Symptombeginn eine Klinik erreichen. Je später eine Behandlung beginnt, desto schwerwiegender können die Folgen sein – oft sind sie zudem unumkehrbar.
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Woran erkenne ich einen Schlaganfall?
Wer einen Schlaganfall erleidet, hat meist verschiedene Symptome, die gemeinsam auftreten. Doch auch schon ein einzelnes dieser Anzeichen kann auf einen Schlaganfall hinweisen. Die Sprache kann ein Indiz sein: Es kommt zu Problemen beim Finden der richtigen Wörter oder Betroffene haben plötzlich eine lallende Aussprache. Sie können zudem verwirrt wirken. Auch eine (vorübergehende) Lähmung oder Taubheit eines Armes oder einer Körperhälfte ist nicht selten. Das kann sich auch im Gesicht bemerkbar machen, beispielsweise in Form eines hängenden Mundwinkels oder Auges. Das Auge kann darüber hinaus durch Sehstörung, Unschärfe, Doppelbilder oder Erblindung betroffen sein. Und auch ein plötzlich auftretendes mangelndes Gleichgewicht kann Hinweis auf einen Schlaganfall sein: Betroffene klagen teilweise über Schwindel, Koordinations-, Gleichgewichts- oder Gangstörungen.
Wer bekommt einen Schlaganfall?
Statistisch gesehen kann jeder Mensch einen Schlaganfall bekommen – mit zunehmendem Alter nimmt die statistische Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung jedoch zu. Gewisse Faktoren wie eine ungesunde Lebensweise können ein Risiko zwar begünstigen. Sicher ist jedoch niemand vor diesem Schicksalsschlag. Ab einem Alter von 60 Jahren ist die Gefahr am größten: 80 Prozent der Schlaganfälle werden dieser Altersgruppe zugeschrieben. Doch es trifft schon Kinder, wenn auch deutlich seltener. Etwa 270.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall. Innerhalb des ersten Jahres nach diesem medizinischen Notfall versterben bis zu 40 Prozent der Betroffenen, also mehr als 100.000 Personen. Der Schlaganfall gilt damit als die dritthäufigste Todesursache. Das geht aus Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hervor. Wer ihn überlebt, hat mit Spätfolgen zu kämpfen: Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen.
Wie verändert sich das Leben nach einem Schlaganfall?
Wie stark sich das Leben durch einen Schlaganfall verändert, kommt ganz auf die individuelle Situation der Betroffenen an. Doch nicht nur die Schwere der Folgen spielt eine ganz entscheidende Rolle. „Die Facetten sind mannigfaltig“, sagt Ludger Osterkamp. Er leitet die Selbsthilfegruppe Schlaganfall, die sich monatlich in Mittegroßefehn trifft. Er kennt viele dieser Facetten. Die vermutlich häufigsten körperlichen Spätfolgen, so sagt er, sind Probleme beim Sprechen, Mobilitätsprobleme sowie Defizite in der Feinmotorik – und die soziale Isolation. „Wer krank ist, der hat wenige Freunde. Viele können damit nicht umgehen.“ Oft ziehe sich das Umfeld zurück, Beziehungen gingen in die Brüche. „Viele stehen dann ohne Partner da.“ Das und die Verarbeitung der plötzlichen Krankheit bleibt selten ohne Folgen: Depressionen und andere psychische Probleme seien keine Seltenheit.
Wie kann Selbsthilfe helfen?
Die Idee der Selbsthilfe ist, dass Menschen zusammenkommen, die vergleichbare Erfahrungen gemacht haben und sich über diese austauschen. Aus Sicht der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist die Selbsthilfe ein wichtiger Baustein der Nachsorge. Diese Gruppentreffen können Quell der Lebensfreude und Motivation sein. Daher unterstützt sie Initiativen in der Fläche und hilft auch bei Neugründungen von Gruppen. Ein bundesweites Netzwerk aus rund 360 Selbsthilfegruppen existiert bereits. Bei diesen Treffen würden im Gespräch gemeinsam Lösungsansätze auf Augenhöhe entwickelt. Ludger Osterkamp weiß aus vielen Gesprächen, wie schwierig ein Austausch über die Krankheit mit Nicht-Betroffenen sein kann: Sobald das Wort Schlaganfall falle, erscheine der Graben oft tief und mitunter sogar unüberwindbar. In der Selbsthilfegruppe profitiere jeder von den Erfahrungen anderer. Die regelmäßigen Treffen geben zudem eine gewisse Struktur und weisen Wege aus der krankheitsbedingten sozialen Isolation.