Bau-Entwicklung in Aurich Vertragsverhandlung mit der Stadt geht ins dritte Jahr
Für den hinteren Teil der Osterstraße gab es viele Pläne und mit Lennart Gerstmeier auch einen Investor. Doch das Vorhaben tritt seit 2021 auf der Stelle – zum Nachteil der Geschäfte.
Aurich - Ein paar Handschläge, die sogenannte Klopperee, und dann ist der Handel besiegelt. So rasch werden wohl nur auf dem Leeraner Gallimarkt Geschäfte gemacht. Wesentlich länger dauert es mitunter, wenn Immobilien Gegenstand der Verhandlungen sind. Unabsehbar lange kann es dauern, wenn eine Stadt oder Gemeinde Vertragspartner sind. Aktuelles Beispiel: die beabsichtigte Veräußerung der Gebäude mit den Hausnummer 28 bis 36 in der Osterstraße in Aurich an Lennart Gerstmeier. Der Auricher Investor hatte sich vor zweieinhalb Jahren in einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Darunter versteht man eine Art Ausschreibung mit weniger strengen Auflagen. Dabei ging es darum, die hintere Hälfte der Osterstraße im Zuge der Altstadtsanierung attraktiver zu gestalten. Herzstück dieses Prozesses sollte ein Parkhaus sein. Alle Kandidaten hatten ihre Entwürfe zur Gestaltung der 1000 Quadratmeter großen Fläche abgegeben. Gerstmeier setzte sich durch. Im März 2021 hat der Stadtrat diese Entscheidung bestätigt.
Für Uwe Meyer war das damals das ultimative Signal, sich nach einem neuen Geschäft für sein zoologisches Geschäft umzuschauen. Er hatte die Räume in dem Haus mit der Nummer 32 vor etwas mehr als 30 Jahren angemietet. „Ursprünglich war ich Untermieter von Möbel Jacobs, die ebenfalls an der Osterstraße ansässig waren. Dann habe ich Ladenflächen von einem ehemaligen Geschäft für Surfbedarf übernommen. Schließlich war mein Vermieter eine Erbengemeinschaft, bevor diese das Gebäude schließlich an die Stadt verkaufte“, erinnert sich Uwe Meyer. Diese kleine Gedächtnis-Sequenz führt vor Augen, welche Angebotsvielfalt es damals an der Osterstraße gab. Der Geschäftsmann wusste, dass er bald eine Kündigung von der Stadt erhalten würde. Nur der Termin stand nicht fest. Deshalb beschloss er, sich etwas Neues zu suchen, und zog im September 2021 an den Ulenmoorweg/Ecke Leerer Landstraße. Ärgert es ihn im Nachhinein, dass er sich früher als erforderlich aus der Innenstadt zurückgezogen hat? Uwe Meyer dementiert. Für ihn selbst sei das eine gute Lösung. Er frage sich nur, was aus der Osterstraße und dem Interessenbekundungsverfahren wird.
Stadtbaurätin will Lücken schließen
Das hat auch Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß umgetrieben: „Ich sehe nur, dass dort bislang noch nichts passiert ist, und habe mich gefragt, woran das liegt“, hat sie vor einem halben Jahr in einem Interview gesagt. Es müsse das Ziel sein, die Lücken, die sich aus ihrer Sicht negativ auf die ganze Straße auswirkten, möglichst schnell zu schließen. Nach Uwe Meyer hat nämlich auch das Tierbedarfsgeschäft Schecker seinen Standort an der Osterstraße aufgegeben. Erst vor Kurzem hat die Bäckerei Meyer im vorderen Teil der Straße überraschend für immer geschlossen. Im Frühjahr wollte die Verwaltung womöglich noch ein erneutes Interessenbekundungsverfahren durchführen. Doch dann erkrankte Alexandra Busch-Maaß. Sie wird seit mehr als fünf Monaten vertreten von Mirko Wento vom Planungsamt. Von ihm wollte die Redaktion wissen, ob es Fristen gibt, die an die Abwicklung eines Kaufvertrags mit Lennart Gerstmeier geknüpft sind. Es gebe in dem Sinne keine „Deadline“, sagte Mirko Wento. Weil mittlerweile das Parkhaus von der Politik nicht mehr gewünscht werde, müsse der Bebauungsplan überarbeitet werden.
„Das sind alles Prozesse, die sich hinziehen“, wirbt der Mitarbeiter der Stadt um Verständnis für die lange Dauer bis zur Planungsreife. Die Verwaltung habe das Norder Planungsbüro Urbano aufgefordert, Entwürfe für das künftige Gesicht des hinteren Bereichs der Osterstraße zu entwickeln und der Politik zur Abstimmung vorzulegen. Zu den Verhandlungen mit Lennart Gerstmeier äußerte er sich nur knapp und kryptisch: „Wir sind auf einem guten Weg. Es müssen noch letzte Details geklärt werden.“ Lennart Gerstmeier selbst wollte sich zu dem Sachverhalt auf Anfrage der Redaktion nicht äußern. Er verwies an die Stadt.