Als Reaktion auf das Rechtsrockkonzert  Krummhörner wollen Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit gründen

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 23.10.2023 15:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Rechtsrockkonzert fand im August in Canum statt. Foto: Hock/Archiv
Das Rechtsrockkonzert fand im August in Canum statt. Foto: Hock/Archiv
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Als Reaktion auf das Rechtsrockkonzert in der Gemeinde steht nun die Gründung eines Bündnisses bevor. Die Organisatoren wollen möglichst viele Menschen ansprechen.

Pewsum - „Krummhörn für Demokratie und Weltoffenheit“ - das könnte der Name eines neuen Bündnisses in der Krummhörn sein, das kurz vor der Gründung steht. Vor allem als Reaktion auf das Rechtsrockkonzert, das Anfang August in Canum stattfand, hat sich eine Gruppe zusammengetan, um sich rechten Gesinnungen in der Gemeinde entgegenzustellen und ein positives Zeichen zu setzen.

Was und warum

Darum geht es: ein neues Bündnis in der Krummhörn

Vor allem interessant für: alle, die sich für Engagement gegen Rechts und die Entwicklungen um das Rechtsrockkonzert in der Krummhörn interessieren

Deshalb berichten wir: Das Sprecherteam des neuen Bündnisses hat uns zu einem Pressegespräch eingeladen. Wir begleiten die Entwicklungen um das Rechtsrockkonzert in der Gemeinde nun schon seit einigen Wochen.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de

Mit dabei ist auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos), die am Montag gemeinsam mit Jochen Risto von der Partnerschaft für Demokratie und Jürgen Neubert vom Krummhörner Asylkreis die Pläne des Bündnisses vorstellte. „Es ist erfreulich, dass es viele Menschen gibt, die sich dem entgegenstellen wollen“, sagte Looden.

Mahnwache brachte Stein ins Rollen

Das viel diskutierte Konzert „Live in Krummhörn 2“ hatte in vielerlei Hinsicht für Aufsehen gesorgt. Sowohl Teile der angekündigten Bands als auch die Organisatoren sind dem rechten Spektrum zuzuordnen. Es war die zweite Veranstaltung dieser Art, die auf dem Gelände des Lohnunternehmens Voß in Coldewehr kurz vor dem Pewsumer Ortseingang stattgefunden hat, nachdem dort bereits im vergangenen Jahr ein ähnliches Konzert ausgetragen wurde. Damals wurde der Veranstaltungsort aber nur denjenigen bekanntgegeben, die Karten erworben hatten.

Jürgen Neubert (von links), Jochen Risto und Bürgermeisterin Hilke Looden haben die Pläne des Bündnisses vorgestellt. Foto: Weiden
Jürgen Neubert (von links), Jochen Risto und Bürgermeisterin Hilke Looden haben die Pläne des Bündnisses vorgestellt. Foto: Weiden

„Mir war vorher gar nicht bewusst, wie sehr das hier verbreitet ist“, sagte dazu am Montag Jochen Risto. Risto engagiert sich in der „Partnerschaft für Demokratie“, deren Mitglieder eine Mahnwache bei dem Rechtsrockkonzert in Canum auf die Beine gestellt hatten. „Wir sind mit der Mahnwache sehr zufrieden“, so Risto. Es hätten deutlich mehr Menschen daran teilgenommen, als die Organisatorinnen und Organisatoren zunächst gehofft hatten. Es waren Menschen jeden Alters dabei, auch und gerade Menschen jenseits der 40 Jahre. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus der Krummhörn, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. Selbst einige Urlauber hatten sich der Mahnwache angeschlossen.

Video
Krummhörn gegen Rechts - Mahnwache zum Konzert "Live in Krummhörn 2"
06.08.2023

Aufklärungsarbeit geplant

„Nach der Mahnwache haben aber auch viele gesagt: ‚Wenn ich gewusst hätte, dass so viele teilnehmen, wäre ich auch gekommen.‘“ Damals sagte Risto gegenüber dieser Zeitung zudem, dass viele Angst geäußert hätten, sich dem Protest anzuschließen. Daran will man in dem neuen Bündnis anknüpfen. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich geschockt gezeigt, seien verwundert gewesen darüber, dass ein solches Konzert in der Krummhörn ausgerichtet wurde.

Das Bündnis sieht daher auch die Aufklärungsarbeit als eines ihrer wichtigsten Aufgaben an. Das könnten zum Beispiel Workshops oder Beratungen sein. „Wir haben uns dafür schon mit der mobilen Beratung zusammengesetzt“, sagte Risto am Montag. Der Bundesverband Mobile Beratung bietet ein offenes Ohr für alle, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Rechtspopulismus und Verschwörungserzählungen engagieren wollen – seien es Einzelpersonen, Organisationen, Schulen, Betriebe, Politiker oder zivilgesellschaftliche Bündnisse.

Das hat das Bündnis vor

Das neue Bündnis steht noch vor der Gründung. Das bisherige Organisationsteam hatte sich im Anschluss des Konzerts getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen und um die Mahnwache zu reflektieren. Viele der nun gesetzten Ziele seien daher noch nicht fix und Mitarbeit sei explizit gewünscht. Auch der Name selbst sei noch nicht in Stein gemeißelt. In der bisherigen Zielformulierung lehnen sich die Sprecher aber an die Resolution des Gemeinderats an, der sich ebenfalls als Reaktion auf das Rechtsrockkonzert klar gegen rechte Gesinnung positioniert hatte. „So etwas wirkt ja auch nach Außen und auch aufs Image der Gemeinde“, sagte Jürgen Neubert.

Das Gründungstreffen des Bündnisses soll am 8. November um 18.30 Uhr in der Mensa der IGS Krummhörn in Pewsum stattfinden. Eingeladen sind dazu alle, die sich selber engagieren wollen oder zumindest ein Zeichen nach Außen setzen wollen. Das Team um Jochen Risto, Jürgen Neubert und Hilke Looden hofft, einige Gleichgesinnte ansprechen zu können. „Wir wollen die Eintrittsschwelle so gering wie möglich halten“, sagte Bürgermeisterin Looden. Ob aus der eher losen Organisationsform des Bündnisses künftig auch ein Verein oder Ähnliches entstehen könne, werde dann wohl die Zeit und auch der Zuspruch zeigen.

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