Berlin Autorin sieht Kriegsverbrechen durch Israel im Gazastreifen
Schwere Vorwürfe gegen Israel bei „Anne Will“ am Sonntagabend: Die Autorin Hoda Salah unterstellt der israelischen Armee im Gazastreifen Kriegsverbrechen.
Die Situation für die Menschen im Gazastreifen ist katastrophal. In der ARD-Sendung „Anne Will“ am Sonntagabend wirft die Autorin Hoda Salah Israel vor, dort durch die Blockademaßnahmen Kriegsverbrechen zu begehen.
„Viele Menschen sterben jetzt in Gaza. Das ist diese Kollektivstrafe, was Israel jetzt begeht. Die Leute in Gaza haben unter Hamas gelitten, und dann bestraft man sie dafür“, sagte Salah. Die Autorin hatte für die Zeitung „taz“ zuletzt mit zahlreichen Menschen im Gazastreifen gesprochen. Sie hat ägyptische Wurzeln.
Salah meinte: „Statt mit den Leuten in Gaza zu arbeiten, um Hamas zu stoppen, hat man diese Kollektivstrafe, Verhungern eines Volkes, dass sie kein Wasser haben, kein Benzin, nichts. Sie sind am Sterben, es gibt auch keine Hilfe in den Krankenhäusern – das ist genau ein Kriegsverbrechen!“
Die Autorin bemängelte auch, es würde falsch dargestellt, dass arabische Staaten sich nicht mit Israel solidarisiert hätten. Dem hielt der israelische Botschafter Ron Prosor entgegen: Arabische Staats- und Regierungschefs hätten den „barbarischen Anschlag“ auf Israel nicht mit deutlichen Worten verurteilt. Israelische Soldaten müssten für Frieden im Nahen Osten den Preis bezahlen.
Der zugeschaltete Sprecher des israelischen Militärs Sharuz Shalicar war fassungslos über die Aussagen von Salah und dem Vorwurf einer „kollektiven Strafe“ für Araber: „Ich finde es traurig und fast schon skandalös, was ich mir gerade anhören musste.“ Israel rufe die Menschen im Gazastreifen seit neun Tagen dazu auf, sich an sichere Orte zu begeben. Was müsse ein jüdischer Staat noch machen müsse, um Terrorismus zu bekämpfen, fragte er.
Seit mehr als einer Woche greift Israels Luftwaffe als Reaktion auf die Terrorattacken der islamistischen Hamas mit mehr als 1400 Toten Ziele im Gazastreifen an. 2750 Palästinenser wurden seitdem nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums, das der Hamas untersteht, getötet. Durch Aufrufe zu Evakuierung will Israel die Zivilbevölkerung im Gazastreifen schützen.
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Am Samstag hatte die Lieferung von Hilfsgütern aus Ägypten für die Menschen im Gazastreifen begonnen – die erste Lieferung dieser Art seit Beginn des Kriegs zwischen der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas und Israel. Geliefert wurden mit 20 Lastwagen unter anderem Arzneimittel, Essen und andere Hilfsgüter.
Die Mengen sind weiterhin verschwindend gering mit Blick auf den tatsächlichen Bedarf im Gazastreifen, wo gut zwei Millionen Menschen leben. Dort waren schon vor Kriegsbeginn 60 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA angewiesen. Die UN gehen aktuell davon aus, dass es für eine Versorgung mit Hilfsgütern rund 100 Lastwagenladungen täglich bräuchte.
Ein zweiter Konvoi aus 17 Lastwagen fuhr am Sonntag von Ägypten aus in den Transitbereich der gemeinsamen Grenze, um dringend benötigte Hilfsgüter in die Küstenenklave zu bringen, wie der Ägyptische Rote Halbmond mitteilte und wie auf Bildern im staatlichen Fernsehen zu sehen war.
Rund 600.000 Menschen sind laut israelischer Armee dem Aufruf zur Evakuierung des nördlichen Gazastreifens gefolgt. Mehrfach hat die Armee die Zivilbevölkerung dazu aufgerufen, vom Norden des schmalen Küstenstreifens in den Süden zu fliehen. Ein entsprechender Fluchtkorridor werde zu bestimmten Zeiten nicht angegriffen, hieß es. Es wird erwartet, dass die Armee in Kürze eine Bodenoffensive im Gazastreifen beginnen wird.
Mit Material von dpa