Berlin/Kiel/Hedie  Robert Habeck muss Northvolt-Pläne in Heide mit 600 Millionen Euro retten

Henning Baethge
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Von Henning Baethge
| 19.10.2023 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Plant eine Wandelanleihe für Northvolt: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Foto: TOBIAS SCHWARZ
Plant eine Wandelanleihe für Northvolt: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Foto: TOBIAS SCHWARZ
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Die Kosten für das Batteriewerk Northvolt bei Heide schießen auf 6,3 Milliarden Euro in die Höhe. Der Bundeswirtschaftsminister springt mit einem hohen Sofortkredit ein – Schleswig-Holstein bürgt für die Hälfte. Warum die Eile?

Die Bundesregierung muss dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt rasch 600 Millionen Euro leihen, um den Bau von dessen Werk bei Heide in Schleswig-Holstein abzusichern und voranzutreiben. Das geht aus einer Mitteilung des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags für dessen Sitzung am Mittwoch hervor. Zudem plant der Bund weitere 150 Millionen Euro ein, um auch die Zinsen und Nebenkosten des Darlehens zu garantieren.

Den Kredit soll die bundeseigene KfW-Bank vergeben. Er hat einen marktüblichen Zinssatz von zunächst sieben Prozent und ist nötig, weil die Kosten für die Fabrik in die Höhe geschossen sind. Laut dem Bericht des Bundes beträgt die Investitionssumme nun statt der bisher veranschlagten 4,5 Milliarden Euro gleich 6,3 Milliarden. Dieser „deutlich gesteigerte Eigenkapitalbedarf Northvolts“ könne „angesichts der konjunkturellen Abkühlung am Kapitalmarkt und der gestiegenen Preise nicht gedeckt werden“, heißt es in dem Papier.

Zudem müsse die Hilfe vom Bund laut Angaben von Wirtschaftsminister Robert Habeck sehr schnell kommen. „Der Kapitalbedarf muss im Oktober 2023 gedeckt werden, um den Aufbau der Fabrik zu ermöglichen“, steht in der Mitteilung, die ihrerseits erst vom 10. Oktober stammt. „Ein Closing der Kreditverträge muss daher binnen weniger Wochen erfolgen.“ Der Kredit soll als Wandelanleihe konstruiert werden. So könnte der Bund ihn später in Aktien und damit in eine direkte Beteiligung umwandeln. 

Der Grund für die Eile sei wiederum der Druck, unter dem Northvolt wegen seiner künftigen Kunden stehe. „Die in Verhandlung befindlichen Aufträge Northvolts, die zur Auslastung der Fabrik essentiell sind, können nur bedient werden, wenn der Aufbau des Werks im Herbst 2023 beginnt“, schreibt das Finanzministerium. Dabei gehe es um Aufträge deutscher Autohersteller. Habecks Ziel sei es daher, noch im Oktober eine Zeichnung der Wandelanleihe durch die KfW zu erreichen.

Zur Absicherung der Anleihe hat Grünen-Politiker Habeck auch das Land Schleswig-Holstein in die Pflicht genommen – und zwar mit gleich 300 Millionen Euro. „Das Land Schleswig-Holstein beabsichtigt, eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 50 Prozent des Darlehensbetrags zu übernehmen“, heißt es in der Mitteilung an den Haushaltsausschuss. Eine entsprechende Erklärung des Landes liege vor, das nötige Nachtragshaushaltsgesetz werde „voraussichtlich am 7. Dezember 2023 verkündet“. Die Staatskanzlei des Kieler Ministerpräsidenten Daniel Günther bestätigte am Mittwoch die geplante Bürgschaft.

Mit dem hohen Kredit verstärken Bund und Land ihren Einsatz für die Northvolt-Fabrik kräftig – auf fast eine Milliarde Euro. Schon bisher hat der Bund einen Zuschuss von 109 Millionen Euro zugesagt, das Land von bis zu 137 Millionen. So wollen beide seit letztem Jahr verhindern, dass Northvolt sein Werk in den USA baut, wo dank des „Inflation Reduction Acts“ hohe Staatshilfen für grüne Industrien wie den Batteriebau fließen. Inzwischen plant Northvolt zwei Werke – eins in Deutschland und eins in Amerika.

Der Bau der Nortvolt-Fabrik bei Heide gilt hierzulande als Leuchtturmprojekt der Energiewende und als weichenstellend für den Automobilstandort Deutschland. „Die Batterie macht 30 bis 40 Prozent der Wertschöpfung bei der Produktion von Elektromobilen aus und entscheidet damit maßgeblich über die zukünftig in der deutschen Automobilindustrie verortete Beschäftigung und Wertschöpfung“, heißt es in dem Bericht des Bundes.

Bisher erhoffte man sich in Dithmarschen durch das Northvolt-Werk 3000 neue Arbeitsplätze. Habecks Staatssekretär Michael Kellner sprach am Mittwoch Abend im Haushaltsausschuss nach Angaben von Ausschussmitgliedern aber nun sogar von 4000.

Der schleswig-holsteinische Grünen-Bundestagshaushälter Bruno Hönel begrüßt Habecks Engagement für die Verwirklichung der Northvolt-Fabrik. „Auf Schleswig-Holsteins Weg zu einem klimaneutralen Industrieland ist die Ansiedlung von Northvolt ein bedeutender Meilenstein“, freut er sich. Der „große Erfolg für die Region“ sei „insbesondere dank des Einsatzes von Robert Habeck“ möglich.

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