Osnabrück  Strom vom Feld: Welche Chancen in „Agri-PV“-Technik stecken

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 19.10.2023 11:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Foto: Next2Sun
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Solarpaneele, die gleichzeitig Strom produzieren und Nutzpflanzen schützen – vor Hagel, Frost und Dürre. Das ist das Versprechen der sogenannten „Agri-Photovoltaik“. Unsere Autorin hat sich über die Chancen der Technologie informiert.

Der Begriff „Agri-Photovoltaik“, kurz Agri-PV, bezeichnet die gleichzeitige Nutzung von Flächen für die Landwirtschaft und für die Stromproduktion. So beschriebt es das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), das die Nutzung erforscht. Agri-PV steigere „die Flächeneffizienz und ermöglicht den Ausbau der PV-Leistung bei gleichzeitigem Erhalt fruchtbarer Ackerflächen für die Landwirtschaft“, so das ISE. 

Wie das funktionieren kann, sieht man auf dem Bio-Obsthof Nachtwey in Rheinland-Pfalz. Unterstützt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz läuft dort aktuell ein Forschungsprojekt zur Schutzfunktion von Agri-Photovoltaik im Apfelanbau.

„Das Ziel für einen Obstbau im Agri-PV-System ist nicht vorrangig eine Maximierung der Ernteerträge, sondern eine sichere und qualitativ hochwertige Apfelproduktion mit zusätzlicher Solarstromproduktion“, so das ISE. Die generierte elektrische Energie soll in den vor- und nachgelagerten Bereichen der Apfelproduktion genutzt werden, beispielsweise für elektrifizierten Landmaschinen, Bewässerungssysteme oder im elektrisch betriebenen Kühlhaus.

Das Potenzial der Technologie ist groß: Würden die in Deutschland bis 2030 geplanten Freiflächenanlagen zur Hälfte als Agri-PV errichtet, könnten damit rund 30 Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden, so der Bauernverband. Das entspricht in etwa der Leistung, die die drei verblieben deutschen Atomkraftwerke im Jahr 2022 produzierten. 

Noch können die Forscher keine zuverlässigen Prognosen über die zu erwartenden landwirtschaftlichen Erträge liefern. Außerdem müssen die Anlagen auf die Landwirtschaft optimiert werden. Und bisher zeigt sich insbesondere der Anbau von Obst und Gemüse als guter Partner für Agri-PV, während für Mais- oder Getreidekulturen Konzepte fehlen.

Trotzdem gehen schon einzelne Landwirte voran und nutzen die Technik:

Robert Schwersmann will auf seinem Acker in Bad Iburg eine Agri-PV-Anlage mit einer Leistung von 2,5 Megawatt aufbauen. Und in der Gemeinde Bissendorf wird über ein Konzept des Unternehmens „Energy Farming“diskutiert, das Agri-PV mit Viehhaltung kombinieren will.

Gut so!

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