Osnabrück Das Buch ist der wirkliche Prüfstein der Demokratie
Alle Welt streitet über Bücher. Das angeblich gestrige Medium zieht Debatten auf sich. Die 75. Frankfurter Buchmesse zeigt, wie angesagt ein Medium ist, das viele schon abgeschrieben hatten.
Wie politisch ist das Buch? Nach dem angeblichen Ende der Gutenberg-Galaxis erlebt das Buch eine Renaissance – als Prüfstein für Freiheit und Demokratie. Man muss nicht den Selbstbeschreibungen der Frankfurter Buchmesse folgen, um das mediale Momentum auf der Seite eines langsamen Mediums zu sehen, das Verfechter der schnellen Digitalität gern mit leiser Geringschätzung betrachten. Nein, das Buch zieht Skandale und Kontroversen auf sich – und die Sehnsucht nach vertiefter Information.
Die 75. Frankfurter Buchmesse liefert den Stoff für diese neue Erfolgsgeschichte gleich in mehrfacher Version. Da ist der Besuch Salman Rushdies, dessen Buch „Satanische Verse“ wie kein zweites für das lebensgefährliche Risiko steht, das mit dem freien Wort auch im 21. Jahrhundert weiter verbunden ist. Und auch die Debatte um Adania Shibli und die verschobene Ehrung ihres Romans zeigt, dass gerade das Buch im Brennpunkt der Auseinandersetzung steht.
Warum ist das so? Weil das Buch weiterhin den Goldstandard der intellektuellen und künstlerischen Wortmeldung darstellt. Weil es Erwartungen weckt, die digitale Medien nicht auf sich ziehen, Erwartungen von Qualität, Tiefe und Nachhaltigkeit. Kein Wunder, dass die Buchbranche so allergisch auf Künstliche Intelligenz reagiert, deren Plattformen ihr Wissen aus Büchern beziehen, ohne dass dabei auf Autoren- oder Verlagsrechte geachtet würde.
Das Buch wird, allen gesunkenen Umsatzzahlen zum Trotz, wieder geschätzt. Das zeigen gerade die Kontroversen um Bücher deutlich. Die Frankfurter Buchmesse hat damit ihre eigentliche Erfolgsgeschichte – passend zum 75. Geburtstag.