Artikel 1, GG Klare Konzepte gegen Terror und Gewalt
In der Schule fühlen sich viele Lehrkräfte mit dem Nahost-Konflikt überfordert. Lehrer müssten darauf besser vorbereitet werden, fordert unsere Kolumnistin.
Nach dem Terror der Hamas in Israel und den Reaktionen darauf hierzulande habe ich mich in unterschiedlichen Medien positioniert: Wir müssen uns ernsthafter als bisher mit der Frage beschäftigen, wie Antisemitismus und Eskalationen in der Öffentlichkeit verhindert werden können. Das Verbot von Vereinen, die die Gewalt der Hamas verherrlichen und unterstützen, ist nur eine der notwendigen Lösungen.
Zur Person
Canan Topçu (58) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.
Was auch nötig ist: in die Bildung zu investieren – sowohl in die Ausbildung von Lehrkräften und Pädagogen als auch in schulische und außerschulische Lernorte. Viele Lehrkräfte fühlen sich überfordert. Manche vermeiden es aus Sorge um Eskalation, den Nahost-Konflikt im Unterricht zu thematisieren; sie sind verunsichert und fühlen sich überfordert. Anderen mangelt es an Zeit, um mit Schülern zu sprechen.
Laut Kultusministerkonferenz soll politische Bildung in der Schule stattfinden und Werte wie Demokratie und Menschenrechte vermitteln. Wenn aber Pädagogen und Lehrkräfte für bestimmte Konfliktfelder nur unzureichend geschult sind, verwundert es nicht, dass sie einen Bogen um diese Konflikte machen. Was wir brauchen, sind klare Konzepte und Bekenntnisse gegen Terror und Gewalt. Und wir brauchen bestens ausgebildete Fachkräfte, die in der Lage sind, Ideologien aufzudecken, Konflikte zu entschärfen und Schüler dabei angemessen zu begleiten.
Ich bekam Zuschriften auf meine Beiträge. Eine Lehrerin schrieb mir nach dem Mord eines Lehrers in Frankreich das: „Ich werde nicht freiwillig mit Schülern über den Nahost-Konflikt sprechen. Nicht weil ich nicht genügend Wissen hätte oder nicht gut genug vorbereitet wäre. Ich bin einfach feige. Ich gefährde mein Leben, meine physische und psychische Gesundheit nicht. Denn ich wüsste nicht wofür. Gegen die Indoktrination des Elternhauses und der Moscheen kommen wir eh nicht an.“ Die Angst der Lehrerin nehme ich ernst. Ich verkneife mir aber den Pessimismus.Es lohnt, eigene Widerstände zu überwinden
Geschmäcker ändern sich über die Jahre
Kritiker nicht mundtot machen